Köln will Sicherheit an Karneval erhöhen

Lehren aus der Silvesternacht

Köln will Sicherheit an Karneval erhöhen

  • Dunkle Ecken sollen ausgeleuchtet werden
  • 360.000 Euro Mehrkosten erwartet
  • Schnellverfahren für Straftäter vorbereitet

Nach den Übergriffen an Silvester will Köln an Karneval dunkle Ecken ausleuchten und für Frauen eine Anlaufstelle im Getümmel schaffen. Es werde einen sogenannten "Security-Point" in der Innenstadt geben, an den sich Frauen und Mädchen wenden könnten. Das erklärte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Christine Kronenberg, am Montag (25.01.2016) bei der ersten Präsentation eines Sicherheitskonzepts für Karneval. An dem Anlaufpunkt sollen unter anderem Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen zur Verfügung stehen.

360.000 Euro für Sicherheit

Die Stadt erklärte den Höhepunkt der fünften Jahreszeit zugleich zur Nagelprobe. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass diese Karnevalstage für uns die Bewährungsprobe darstellen, um zu zeigen, dass wir aus den furchtbaren Ereignissen an Silvester die Konsequenzen gezogen haben", sagte Stadtdirektor Guido Kahlen. Ein Bestandteil des Konzepts sind mobile Beleuchtungsmasten, um dunkle und gefährliche Ecken aufzuhellen. Zusammen mit zusätzlichen Toiletten und Absperrungen plant die Stadt dafür bislang 160.000 Euro ein. Insgesamt sollen nach einem ersten Entwurf rund 360.000 Euro zusätzlich für die Sicherheit an Karneval investiert werden.

Stärkere Präsenz der Ordnungsdienste

Eine der wichtigsten Punkte in dem Plan ist eine stärkere Präsenz der Ordnungsdienste. Für einen zusätzlichen Sicherheitsdienst sind 9.000 Euro veranschlagt. Die Kölner Berufsfeuerwehr will ihr Personal auch mit Ehrenamtlichen auf rund 850 aufstocken. Es gehe darum, auch an Orten mit großen Besuchermassen vertreten zu sein und dort Präsenz zu zeigen, "wo möglicherweise auch soziale Kontrolle in dem notwendigen Maß nicht stattfinden kann", sagte Kahlen. Als besonders neuralgische Punkte gelten die Altstadt, Dom und Hauptbahnhof, das Zülpicher Viertel, die Ringe sowie der Bahnhof Deutz.

Justiz bereitet Schnellverfahren vor

Die Justiz bereitet für bestimmte Delikte Schnellverfahren an den Karnevalstagen vor. Staatsanwaltschaften und Gerichte seien darauf eingestellt, "viele Straftäter an den Festtagen in Untersuchungshaft zu nehmen und dann in der Woche darauf direkt abzuurteilen", sagte Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) am Dienstag in der "Rheinischen Post". Voraussetzung für das besonders schnelle Verfahren mit Haft bis zur Hauptverhandlung sei allerdings, dass die Tat leicht beweisbar sei, beispielsweise bei Diebstählen oder Körperverletzung. Zudem dürfe die Strafe nicht mehr als ein Jahr Haft betragen. Außerdem komme das Verfahren nur für Menschen infrage, die keinen festen Wohnsitz hätten. Bei straffälligen Flüchtlinge kommt die Regelung demnach nicht zum Einsatz. Eine Asylbewerberunterkunft gelte als fester Wohnsitz, sagte ein Sprecher des Ministeriums zum WDR. Auch in Düsseldorf sollen bei Bedarf Schnellverfahren eingeleitet werden.

Tipps für jugendliche Jecken

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder und Jugendschutz NRW hat am Dienstag (26.01.2016) Tipps veröffentlicht, die Jugendlichen helfen sollen, sich an Karneval sicherer zu fühlen. Sie rät Jugendlichen, nur moderat Alkohol zu konsumieren, sich vorher um Hin- und Rückweg zu kümmern, in Gruppen mit Freunden zu feiern und darauf zu achten, dass man zusammenbleibt und niemanden zurücklässt. Vom Einsatz von Pfefferspray im Falle eines Angriffes rät die Arbeitsgemeinschaft ab. Stattdessen wird empfohlen, lautstark Öffentlichkeit zu schaffen, falls man belästigt oder bedrängt wird. Die Tipps sind laut der Arbeitsgemeinschaft auch unter dem Eindruck der Geschehnisse an Silvester in Köln entstanden.

Städte wollen voneinander lernen

Am Mittwoch (27.01.2016) wird es ein Gespräch zwischen Ordnungsamtsleitern und Ordnungsdezernenten aus NRW über Sicherheitsfragen geben. Zusagen für das Treffen gebe es aus Aachen, Bonn, Dortmund, Essen, Leverkusen und Oberhausen, sagte Stadtsprecher Gregor Timmer am Montag. Aus Düsseldorf sei eine Zusagen noch offen. Ziel sei, sich über die Sicherheit bei Großveranstaltungen auszutauschen und voneinander zu lernen.

Stand: 26.01.2016, 13:25

Weitere Themen