Erster Arbeitstag im Historischen Rathaus

Kölns Oberbürgermeisterin Reker

Erster Arbeitstag im Historischen Rathaus

Fast fünf Wochen nach dem Attentat hat Henriette Reker heute (23.11.2015) ihren ersten offiziellen Arbeitstag als Oberbürgermeisterin von Köln. Im Historischen Rathaus begrüssten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung ihre neue Chefin.

"Ich habe viel Glück gehabt", sagte die frühere Kölner Sozialdezernentin bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt im Kölner Museum Ludwig am vergangenen Freitag (20.11.2015). Sie war einen Tag nach dem Messeranschlag zur neuen Oberbürgermeisterin der Domstadt gewählt worden. Die Entscheidung, die Wahl anzunehmen, sei ihr "leicht" gefallen, sagte die Parteilose. Es habe für sie "zur Pflichterfüllung" gehört, noch auf dem Krankenbett zu sagen "Du nimmst das jetzt in die Hand." Von ihrem Wahlerfolg erfahren hatte sie durch ihren Ehemann im Krankenhaus - vier Tage nach der Wahl und nach einer Notoperation.

"Gewalt und Hass sind keine Lösung"

Reker konnte in den letzten Tagen schon von zu Hause aus einige wichtige Amtsgeschäfte erledigen. Sie erklärte aber auch, dass sie sich weiteren medizinischen Behandlungen unterziehen müsse. "Der Heilungsprozess ist noch nicht ganz abgeschlossen." An politische Extremisten gerichtet sagte Kölns neue Stadtchefin: "Gewalt und Hass betrügen sich selbst, sie sind keine Lösung. Das ist wichtig, zum Dialog gibt es keine Alternative." Das Attentat habe vor allem ihr Bewusstsein für den eigenen Charakter und ihre Werte bestärkt.

Reker hielt Lobesrede für Herta Müller

Herta Müller

Herta Müller erhält den Heinrich-Böll-Preis

Am Freitagabend (20.11.2015) hat Reker bei der Verleihung des Heinrich-Böll-Preises im Kölner Rathaus die Lobesrede halten. Preisträgerin ist die in Rumänien geborene Schriftstellerin Herta Müller. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert.

Auftritte unter Personenschutz

Bei ihren ersten Terminen erhält die neue Kölner Oberbürgermeisterin Personenschutz durch Beamte der Polizei. Die 58-jährige Henriette Reker war am 17. Oktober, am Vortag der Oberbürgermeisterwahl, bei einer Wahlkampfveranstaltung in Köln-Braunsfeld von einem Mann mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden. Vier weitere Menschen erlitten ebenfalls Verletzungen. Der Täter hatte rechtsextreme Motive genannt. Reker war als Sozialdezernentin für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig. Bei der Oberbürgermeisterwahl hatte die parteilose Reker sich gegen den Kölner SPD-Vorsitzenden, Jochen Ott, durchgesetzt. Unterstützt wurde sie von CDU, FDP und Grünen. Ihr Amt hatte sie noch im Krankenhaus angenommen.

Seit 2010 war die parteilose Reker Sozialdezernentin von Köln. Nach dem Jurastudium und Stationen in Bielefeld, Münster und Gelsenkirchen kehrte sie nach Köln zurück. Im Wahlkampf kündigte die gebürtige Kölnerin an, sie wolle wieder mehr Vertrauen in die Politik schaffen. Reker wohnt in Köln und ist mit dem australischen Golfprofi Perry Somers verheiratet.

Stand: 20.11.2015, 11:50