460 Millionen Euro - mal eben so

Finanzdesaster bei Kölner Oper

460 Millionen Euro - mal eben so

Von Martin Teigeler

  • Sanierung der Kölner Oper wird zum Millionenrisiko für die Stadt
  • Bald ist die nächste "Rate" für das umstrittene Großprojekt fällig
  • Was bedeuten 460 Millionen? Was ist damit alles möglich?

Anfang 2016 muss die Stadt Köln eine Rate für die Sanierung der Kölner Oper zahlen. "Es wird in diesem Sinne keine Rate fällig. Der Rat der Stadt Köln müsste vielmehr eine Finanzfreigabe beschließen", sagte ein Stadtsprecher auf WDR-Anfrage. Mit dem Geld finanziert die Kommune neue Vertragsabschlüsse zur Fortführung der Baumaßnahmen von Oper und Schauspielhaus mit den entsprechenden Firmen. Die "Rate" beträgt rund 115 Millionen Euro. Doch das ist erst der Anfang.

460 statt 288 Millionen?

Die Sanierung der Kölner Bühnen wird mindestens drei Jahre länger dauern und wenigstens 100 Millionen Euro mehr kosten als geplant. Das aus der Nachkriegszeit stammende Gebäudeensemble aus Opern- und Schauspielhaus sollte ursprünglich in diesem November wiedereröffnet werden, doch schon vor Monaten musste die Stadt mitteilen, dass dieser Termin nicht zu halten sein würde. Bisher waren die Kosten mit 288 Millionen Euro angegeben worden. Schlimmstenfalls droht nun eine Summe von mehr als 460 Millionen Euro.

Was kostet 460 Millionen Euro?

Um deutlich zu machen, in welcher Größenordnung sich die Kosten für die Opernsanierung bewegen, ein paar Beispiele, wie viel andere öffentliche Aufgaben kosten:

  • 500 Millionen Euro sollen bis 2018 landesweit für schnelles Internet ausgegeben werden.
  • 430 Millionen Euro plant das Land ein, um den Ausbau der Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen in den kommenden drei Jahren voran zu bringen.
  • 460 Millionen - das sind die Gesamtausgaben der Stadt Neuss laut Etatplan 2016.
  • 432 Millionen Euro gab das Land NRW für Aufnahme, Transport und Versorgung von Asylsuchenden aus.

Was kostet 100 Mio. Euro?

Mit 100 Millionen Euro, die in Köln momentan als Mindessteigerung der bisherigen Kosten veranschlagt sind, werden beispielsweise folgende öffentliche Aufgaben gestemmt:

  • Das Gesamt-Haushaltsvolumen von NRW-Kommunen wie Borken oder Würselen liegt pro Jahr bei jeweils etwa 100 Millionen.
  • Die rot-grüne Landesregierung investierte im vergangenen Jahr 100 Millionen in den Erhalt von 13.000 Kilometern Landesstraßen in Nordrhein-Westfalen.
  • Die Stadt Köln gibt in den nächsten fünf Jahren mindestens 100 Millionen Euro für die Sicherheit in ihren Flüchtlingsheimen aus.

"Kalauer im Karneval"

Auch wenn es sich nur um abstrakte Zahlenspiele handelt: Letztlich ist es Geld der Steuerzahler, das in Köln in die Fehlplanung gesteckt werden muss. Für den Bund der Steuerzahler taugt der Kölner Fall nur noch als "Kalauer im Karneval". Zu geringe Kostenansätze, Planungsrückstände und damit verbundene erhebliche Kostenrisiken. Die Liste der Verfehlungen sei lang. "Die Verwaltung und die Verantwortung" lautete vor wenigen Tagen eine Überschrift des "Kölner Stadt-Anzeigers" zum Thema. Politisch ist nun die neue Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) dafür verantwortlich, das teure Projekt zu Ende zu führen. In der zweiten Jahreshälfte sollen genauere Kostenschätzungen vorliegen.

Stand: 05.01.2016, 00:00

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