Spurensuche führt in die rechte Szene

Der Tatort des Attentats auf Henriette Reker

Henriette Reker-Attentäter Frank S. (44)

Spurensuche führt in die rechte Szene

Von Tobias Al Shomer

Der Attentäter, der am vergangenen Samstag die Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker mit einem Messer schwer verletzte, hat nach WDR-Informationen Anfang der 90er in Bonn-Beuel gelebt. Er war in der rechten Szene in Bonn aktiv, war Anhänger einer besonders aggressiven und militanten rechtsextremen Gruppe. Bereits damals galt er als gewaltbereit. Er saß schon im Gefängnis, hat etliche Vorstrafen.

Nach der widerstandslosen Festnahme am Samstag (17.10.2018) ermittelt die Polizei schnell: Frank S. aus Köln Nippes, 44 Jahre alt. Seit langem arbeitslos, bezieht Hartz IV. Polizeilich ist über ihn angeblich, so die erste Auskunft der Behörden, nichts bekannt. Doch Frank S. ist kein unbeschriebenes Blatt. Das belegen Berichte aus den 90er-Jahren von Antifaschisten (Antifa), die dem WDR vorliegen. Darin wird er als Aktivist der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) erwähnt. Die FAP wurde 1995 verboten. Sie galt als eine besonders aggressive und militante rechtsextreme Gruppe. NRW-Chef war einst der Dortmunder Siegfried Borchardt, auch bekannt als "SS-Siggi". Heute einer der bekanntesten Neonazis in Deutschland.

Gehörte zu Beueler Skinhead-Gruppe

Frank S. ist im Dunstkreis der Bonner FAP-Gruppe aktiv. So steht es in einem Antifa-Bericht über eine Nazi-Demo aus dem Jahr 1994. Chef der Bonner Gruppe ist Norbert Weidner, heute Burschenschafter in Bonn. Auf WDR-Anfrage bestreitet er, dass Frank S. FAP-Mitglied war. Er habe auch nicht zu seiner Truppe gezählt, erklärt Weidner. Er habe ihn zuletzt vor 20 oder 21 Jahren gesehen. S. habe zu einer Beueler Skinhead-Gruppe gehört, erinnert sich Weidner.

Als gewaltbereit bekannt

Frank S. hat offenbar in Bonn-Beuel gelebt, in einem kleinen Appartement in einem Gebäudekomplex, in dem auch eine Kampfsportschule residiert. Frank S. hat dort nach WDR-Informationen nie trainiert, er galt aber als besonders gewaltbereit. Die Polizei ermittelte in mehreren Verfahren wegen Raubes und Körperverletzung gegen ihn. Ende der 90er muss er sogar ins Gefängnis. Das hat er in der Vernehmung am Samstag der Polizei erzählt, wie der WDR aus Ermittlerkreisen erfuhr. Die Aktenlage im Bonner Polizeipräsidium scheint bisher nicht mehr herzugeben.

Etliche Vorstrafen

Laut Spiegel online vom Mittwoch (21.10.2015) wurde Frank S. zwischen 1996 und 1998 vom Amtsgericht Bonn mehrfach verurteilt, auch wegen Körperverletzung. Demnach handelte er sich eine zehnmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung ein, nachdem er in einer Diskothek mit einer Bierflasche zugeschlagen hatte. Seine Ex-Freundin soll er ebenso körperlich angegriffen haben wie einen jungen Mann, den er wegen dessen roter Schuhriemen als Antifa-Aktivisten einschätzte.

War in der rechten Szene in Bonn aktiv

Die Tatwaffe

Die Tatwaffe

Er sei, nach eigenen Angaben, in der rechten Szene in Bonn aktiv und auch bei vielen Demos dabei gewesen. Antifa-Berichte erwähnen ihn bei Neonaziaufmärschen in Fulda 1993 und in Luxemburg 1994. Wegen Ausländern und der Flüchtlingspolitik habe er Henriette Reker mit dem Messer attackiert, erklärte er den Vernehmungsbeamten sein Motiv. Die notierten klar rechtsextreme Tendenzen beim Attentäter. Ob Frank S. zuletzt Verbindungen zu Neonazi-Gruppierungen hatte, ist unklar und es gibt viele weitere offene Fragen.

Festplatten verschwunden

Wie der WDR erfuhr, waren die Polizisten bei der Razzia in der Wohnung von Frank S. in Köln-Nippes überrascht. In seinem Computer fehlten die Festplatten. Und nicht nur das. Die Ermittler konnten auch keine Notizen, Dokumente oder Papiere finden. Hatte Frank S. die Tat so weit vorbereitet, dass er sämtliche Spuren in seiner Wohnung vorab beseitigte? Warum ist sein Haftaufenthalt Ende der 90er Jahre nicht bei der Polizei aktenkundig? Sicher scheint dagegen, dass Frank S. unmittelbar nach der Haftentlassung von Bonn nach Köln umgezogen ist, denn seit 15 Jahren lebt er im Stadtteil Nippes.

Stand: 21.10.2015, 17:49