Ein versierter Polizist für Kölner Polizeipräsidium

Der neue Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies (r) wird am 19.01.2016 vom nordrhein-westfälischen Innenminister Ralf Jäger (SPD) im Polizeipräsidium in Köln (Nordrhein-Westfalen) vorgestellt.

Jürgen Mathies wird neuer Kölner Polizeipräsident

Ein versierter Polizist für Kölner Polizeipräsidium

Von Christian Wolf

  • Neuer Polizeipräsident von Köln wird Jürgen Mathies
  • Er ist derzeit Direktor des Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg
  • Polizeigewerkschaften begrüßen Personalentscheidung

Weniger als zwei Wochen nach dem Rauswurf des Kölner Polizeipräsidenten steht die Nachfolge für Wolfgang Albers fest. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) präsentierte am Dienstag (19.01.2016) Jürgen Mathies als neuen Chef der Polizeibehörde in Köln und Leverkusen. Der 55-Jährige leitete bislang das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg, das unter anderem für die landesweite Koordinierung der Einsätze von Bereitschaftspolizei und Spezialeinheiten zuständig ist. Bei seiner Vorstellung in Köln bekräftigte Mathies, nach den Silvester-Übergriffen Vertrauen in die Polizei zurückzugewinnen.

"Es ist jetzt unsere erste Pflicht und Aufgabe, jedem Kölner und Leverkusener das Gefühl der Sicherheit so schnell es geht zurückzugeben", sagte Mathies. Dafür solle es unter anderem mehr Videoüberwachung an Brennpunkten der Stadt geben. Zudem wolle er die Polizeipräsenz "erheblich steigern" - nicht nur an den Karnevalstagen Anfang Februar. Denkbar wäre auch der Aufbau von mobilen Wachen etwa auf den Kölner Ringen oder dem Bahnhofsvorplatz.

Neuer Polizeichef will offenen Umgang mit Fehlern

Von der Anfrage des Innenministers, die Kölner Polizeibehörde nach den Übergriffen zu übernehmen, zeigte sich der 55-Jährige überrascht. Dennoch habe er nicht gezögert. "Ich sehe die Aufgabe als eine riesige Herausforderung, aber wir werden das hier gemeinsam schaffen", sagte Mathies. Das Misstrauen, das den Beamten nach den Vorfällen entgegengebracht werde, hätten die Polizisten nicht verdient. Im Alltag wolle er "offen und fair" mit Fehlern umgehen.

Innenminister Jäger lobte den neuen Polizeichef als "erfahrener Polizist, der den Beruf des Polizeibeamten von der Pike auf gelernt hat". So sei Mathies schon 1980 zum ersten Mal in Köln Streife gefahren. Zuletzt habe er das LZPD mit über 1.100 Mitarbeitern geleitet. "Jürgen Mathies kennt die Polizei aus allen Blickrichtungen", betonte der Minister. Zudem zeichne er sich durch eine hohe fachliche und soziale Kompetenz aus.

Innenminister wollte schnellen Nachfolger präsentieren

 Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers

Im einstweiligen Ruhestand: Wolfgang Albers

Jäger hatte den bisherigen Polizeipräsidenten Albers am 8. Januar in den einstweiligen Ruhestand versetzt und versprochen, die Stelle des Polizeipräsidenten schnell neu zu besetzen. Albers war wegen der Informationspolitik der Kölner Polizei nach den massiven sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht heftig kritisiert worden. Auch Jäger steht weiterhin unter Druck. Mit der Berufung von Mathies kann der SPD-Politiker nun aber etwas Luft gewinnen. Auch vollzieht er einen gewissen Kurswechsel. Während Albers aus der Verwaltung kam, steht der Kölner Polizeibehörde jetzt ein Mann vor, der den Polizeidienst auch aus der Praxis kennt. Von der Opposition war zudem immer die politische Nähe zwischen Jäger und Albers betont worden, da dieser auch SPD-Mitglied ist.

Mathies startete Karriere in Köln

Mathies hingegen ist seit 1977 Polizist. Nach seiner Ausbildung wurde er zunächst im Wachdienst beim Polizeipräsidium Köln eingesetzt. Später studierte er an der Polizei-Führungsakademie in Münster und war im Innenministerium Einsatzreferent und Vertreter des Inspekteurs der Polizei. Von Januar 2001 bis 2006 war Mathies als Vorsitzender einer bundesweiten Projektgruppe für die Erarbeitung der polizeilichen Rahmenkonzeption für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland verantwortlich. Seit 2007 ist er Direktor des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste. In der Silvesternacht hatte die Landesleitstelle des LPZD dem Kölner Polizeipräsidium Verstärkung angeboten. Dies habe die Kölner Polizei jedoch nicht für erforderlich gehalten, heißt es in einem Bericht des Innenministeriums zu den Kölner Vorfällen.

Gewerkschaften mit Entscheidung zufrieden

Die Polizeigewerkschaften begrüßen Jägers Vorschlag: "Jürgen Mathies ist ein erfahrener Polizeipraktiker", sagte der NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert. "Mit ihm wird ein Polizist an die Spitze der größten Polizeibehörde in NRW gestellt, der in der Lage ist, das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei wieder herzustellen." Die GdP lobte Jäger für die rasche Entscheidung über die Personalie. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) begrüßte die Entscheidung ebenfalls. "Das ist eine Entscheidung, die die Polizei wieder mit ihrem Minister versöhnen kann", sagte Rainer Wendt dem "Express". Mathies sei ein "exzellenter Fachmann", der in der gesamten Polizei einen hervorragenden Ruf genieße.

Stand: 19.01.2016, 15:50

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