Flüchtlingsheim: Frauen belasten Sicherheitsdienst

Die Turnhalle auf dem Gelände des Berufskollegs im Stadtteil Gremberg

Flüchtlingsheim: Frauen belasten Sicherheitsdienst

Nach den Vorwürfen sexueller Übergriffe gegen Sicherheitsmitarbeiter in einer Kölner Flüchtlingsunterkunft haben vier Frauen ausgesagt und die sexuellen Übergriffe bestätigt. Einzelheiten wollte die Polizei am Freitagabend (19.02.2016) noch nicht nennen.

Damit erhärten sich die Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Die Kölner Polizei hatte am Freitag (19.02.2016) ihre Vernehmungstaktik umgestellt, nachdem die Aussagen von 50 Flüchtlingen in der Unterkunft im Kölner Stadtteil Humboldt-Gremberg ergebnislos verlaufen war. "Wir befragen weiterhin Bewohnerinnen der Unterkunft, um herauszufinden, was dahinter steckt", sagte ein Polizeisprecher am Freitag. "Wir setzen verstärkt weibliche Polizisten und Dolmetscher ein, um die Hemmschwelle der Frauen zu senken." Offenbar mit Erfolg: Die vier Frauen würden jetzt im Polizeipräsidium weiter vernommen. Anzeigen liegen aber noch nicht vor, die Ermittlungen stünden noch am Anfang.

Klagen über schlechte Hygiene

Die Vorwürfe waren am Mittwochnachmittag (17.02.2016) erstmals laut geworden. Etwa 50 Flüchtlinge waren in einer spontanen Demonstration durch den Stadtteil Poll gezogen. Sie verteilten dabei zwei offene Briefe, in denen sie schwere Vorwürfe gegen das Sicherheitspersonal und die Zustände in der Notaufnahmeeinrichtung an der Westerwaldstraße in Köln-Humboldt/Gremberg erheben. Unterstützt wurden die Flüchtlinge von einer Gruppe engagierter Kölner, die sich für Flüchtlinge einsetzen. "Die Rede ist von mehrfachen sexuellen Übergriffen durch den Sicherheitsdienst. Außerdem beklagten sich die Bewohner über Hygiene, Ernährung und zu wenig Platz für zu viele Leute in der Unterkunft", sagte ein Polizeisprecher dem WDR.

Beim Duschen gefilmt?

Im Gespräch mit einem WDR-Reporter beklagten mehrere Frauen, beim Stillen gefilmt worden zu sein. Auch in die Dusch- und Waschräume seien Leute des Sicherheitsdienstes unangemeldet hereingeplatzt. Einigen Frauen sei auf den Po gehauen worden, Mädchen seien aufgefordert worden, in den Büros des Sicherheitsdienstes zu übernachten. Die Männer hätten zudem versucht, sie zum Geschlechtsverkehr zu nötigen.

Wohnungen gegen Geld versprochen?

Flüchtlinge berichten außerdem, dass Mitarbeiter des Wachdienstes versprochen hätten, ihnen Wohnungen zu besorgen. Für die Vermittlung hätten sie aber mehrere Tausend Euro verlangt. Wachleute sollen Bewohner des Lagers aufgefordert haben, zum Gebet in Moschee in der Nähe zu gehen. In dieser Moschee seien nach Angaben der Flüchtlinge radikale Hassprediger aufgetreten.

DRK lässt Vorwürfe prüfen

Die Flüchtlingsunterkunft im Kölner Stadtteil Humboldt/Gremberg wird vom Deutschen Roten Kreuz betrieben. Bei dem Sicherheitsdienst handelt es sich um ein Unternehmen, das in zahlreichen Flüchtlingsunterkünften tätig ist.

Etwa 200 Menschen sind derzeit in der Gremberger Turnhalle der Gemeinschaftsgrundschule und des Georg-Simon-Ohm-Berufskollegs untergebracht. Geleitet wird die Unterkunft vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Marc Ruda, der Kölner DRK-Geschäftsführer sagte, dass er zum Teil Verständnis für die Wahrnehmung der Bewohner habe. "Es gibt keinen Sichtschutz in den Duschen, und das kann man beklagen. Und man kann auch das Essen kritisieren, aber nicht so. Das ist kein Fair Play", so Ruda. Das DRK habe jetzt die Speisepläne und Lieferscheine für die Hygieneartikel zusammengestellt und der Stadt übergeben, damit dort die Versorgung geprüft werden könne. Er räumt aber ein, dass besonders schutzbedürftige Personen wie Frauen mit kleinen Kindern besser in anderen Einrichtungen untergebracht werden sollten.

Fotoverbot für Wachleute?

Der Projektmanager der Sicherheitsfirma äußerte sich gegenüber einer Nachrichtenagentur über die Anschuldigungen: "Ich bin entsetzt über die Vorwürfe. Ich bin mir sicher, dass sie völlig haltlos sind." Er sprach von "sehr vagen Äußerungen, die für uns fast undenkbar sind." Die Mitarbeiter würden streng kontrolliert - auch vor Ort, von der Stadt und den Betreibern der Unterkünfte. Die Sicherheitsfirma betreut insgesamt 94 Flüchtlingsheime in Köln.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert zum Schutz von Kindern und Frauen in Flüchtlingsunterkünften Nachbesserungen beim Asylpaket II. Die Übergriffe in Köln seien kein Einzelfall, sagte er dem ARD-Portal tagesschau24. "Wir müssen davon ausgehen, dass sexuelle Übergriffe und Grenzverletzungen in allen Flüchtlingsunterkünften in Deutschland passieren." Dringend erforderlich sei ein Verbot für Wachleute in Unterkünften, Fotos von den dort lebenden Menschen zu machen.

Stadt Köln verspricht Aufklärung

Die Stadt Köln prüft die Anschuldigungen einer Sprecherin zufolge "intensiv" und werde den Sachverhalt "konsequent und lückenlos" aufklären. Es sei das erste Mal, dass es derartige Vorwürfe gegenüber Wachleuten in Kölner Flüchtlingsunterkünften gebe. Die Stadt Köln arbeitet nach eigenen Angaben seit Jahren mit dem Sicherheitsdienst zusammen.

Stand: 19.02.2016, 17:33