Nachrichten für Kinder: Kunstschnee zur Gletscherrettung

Der Morteratschgletscher bei strahlendem Sonnenschein

Nachrichten für Kinder: Kunstschnee zur Gletscherrettung

Um zu verhindern, dass der Morteratsch-Gletscher in den Schweizer Alpen immer weiter schmilzt, haben die Bewohner der Gegend jetzt Forscher zu Hilfe gerufen.

Gletscher künstlich vergrößern 02.05.2017

KiRaKa | 02.05.2017 | 02:36 Min.

Gletscher sind große Eisfelder zum Beispiel in den Alpen. Früher taute in der Regel ein kleiner Teil dieser riesengroßen Eismassen im Sommer ab und wuchs im folgenden Winter in eisigen Temperaturen wieder nach. Seitdem sich das Klima immer schneller erwärmt, schrumpfen Gletscher nur noch. Das geht auch dem Morteratsch-Gletscher in den Schweizer Alpen nicht anders.

Zweieinhalb Kilometer in 150 Jahren

Er hat seit etwa 150 Jahren schon zweieinhalb Kilometer seiner eisigen Gletscher-Zunge verloren, die früher bis ins Tal reichte. Die Bewohner der Gegend haben jetzt Forscher zur Hilfe gerufen. Professor Hans Oerlemans aus den Niederlanden hat einen Plan entwickelt, wie der Gletscher zu retten sein könnte. Er will Kunstschnee auf den Gletscherrest blasen, wie auf eine Schneepiste. Darunter soll sich der Gletscher erholen können.  

Klicker: Wie funktioniert es, dass ein schrumpfender Gletscher unter Kunstschnee wieder wachsen kann?

Hans Oerlemans: Unser Ziel ist zuerst einmal, das Zurückziehen des Gletschers abzubremsen. Ob er danach noch wächst, muss man sehen. Aber die Idee ist, im Schmelzgebiet an der Oberfläche im Sommer eine Schneeschicht drauf zu tun, damit viel Sonnenstrahlung reflektiert wird. Und damit das Eis unter dem Schnee nicht schmelzen kann. Wenn man das auf einer großen Ebene macht und über viele Jahre, dann ist es eigentlich so, dass die Masse des Gletschers zunimmt. Und dann kann er irgendwann - nach zehn oder zwanzig Jahren - wieder länger werden.

Klicker: Bei welchen Lufttemperaturen kann man einen Gletscher unter einer künstlichen Schneedecke wachsen lassen?

Hans Oerlemans: Das ist genau das Problem. Im Winter haben wir Kälte, aber kein Wasser. Im Sommer haben wir viel Wasser, aber keine Kälte. Und wir haben berechnet, dass man im Sommer viel weniger Zeit hat zum Beschneien als im Winter - etwa zwanzig mal weniger Zeit. Aber Beschneien geht viel schneller als Schmelzen. Also denken wir, es ist doch möglich, die Gletscheroberfläche durch den Sommer weiß zu halten.

Klicker: Gibt es so ein Experiment schon? Wissen Sie also schon, ob das klappen wird, oder ist der Versuchsgletscher in der Schweiz der erste Versuch und deshalb auch für Sie sehr spannend?

Hans Oerlemans: Wir haben schon seit zwanzig Jahren eine Wetter-Station auf dem Gletscher. Diese Daten haben wir benutzt, um das alles genau auszurechnen - aber das ist Theorie. Wir haben jetzt in der Nähe einen ganz kleinen Gletscher gemacht - mit einer Schneemaschine. So etwa zweihundert Quadratmeter als Probefläche. Wir versuchen jetzt, diesen kleinen Baby-Gletscher über den kommenden Sommer zu bringen. Wenn das klappt, dann habe ich mehr Vertrauen.

Stand: 02.05.2017, 19:01

Darstellung: