Geständnis: Vater warf seine Kinder aus Fenster

Polizeieinsatz in Lohmar

Familiendrama in Lohmar

Geständnis: Vater warf seine Kinder aus Fenster

Von Christoph Hensgen

Am Montag (01.02.2016) waren sich die Ermittler noch nicht sicher, doch einen Tag später besteht für die Beamten kein Zweifel mehr: Der Fenstersturz der Kinder war kein Unfall, sondern eine grausame Straftat. Der Vater der drei verletzten Kinder hat gestanden: Der Fenstersturz der Kinder war kein Unfall, sondern er hat sie aus dem Fenster geworfen. Am Dienstagabend erließ ein Richter Haftbefehl wegen des Verdachts auf dreifachen versuchten Mord.

In Lohmar wurden zwei Kinder bei einem Sturz aus Fenstern einer Flüchtlingsunterkunft schwer verletzt. Ein Zeuge will gesehen haben, dass die Kinder geschubst oder sogar geworfen worden sind. Das Mädchen (8 Jahre) und ihr Bruder (5 Jahre) wurden mit Hubschrauber und Rettungswagen in Kliniken in Bonn und Köln-Merheim gebracht. Ihre einjährige Schwester kam leicht verletzt in die Kinderklinik in Sankt Augustin.

Bonner Staatsanwaltschaft: Versuchter Mord in drei Fällen

Zunächst war noch unklar gewesen, ob die Kinder tatsächlich geschubst wurden – oder ob sie beim Spielen aus dem Fenster im ersten Stock gefallen sind. Dann aber nahm die Polizei den Vater der drei Kinder vorläufig fest. Nun hat die Bonner Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den 35-Jährigen beantragt. Sie wirft dem Mann versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen vor. In der Vernehmung gesteht der Vater schließlich die Tat, das Motiv bleibt jedoch weiterhin unklar.

Männer in Uniform stehen an einem Rettungswagen in Lohmar

Sanitäter im Einsatz

Rückblick: Es ist etwa 16.30 Uhr am Montagnachmittag (01.02.2016), als ein Nachbar die Polizei alarmiert: Er habe gesehen, wie mindestens zwei Kinder aus verschiedenen Fenstern im ersten Stock gestoßen worden seien. Am Einsatzort finden die Rettungskräfte unterhalb von Fenstern an der Stirnwand des Gebäudes sowie an der Straßenfront ein achtjähriges Mädchen und einen fünf Jahre alten Jungen. Beide sind schwer verletzt. Unter anderem am Kopf. Sie sind fast fünf Meter tief gefallen. Ein weiteres Kind, ein Jahr alt, findet die Polizei leicht verletzt. Zunächst ist unklar, ob auch dieses Mädchen aus einem der Fenster gestürzt ist. Die Polizei sperrt die Hauptstraße ab, damit Rettungskräfte die Verletzten vor Ort versorgen können. Rettungswagen und ein Hubschrauber bringen die verletzten Kinder in Krankenhäuser.

Vater der Kinder wird vorläufig festgenommen

Während die Versorgung der Kinder läuft, haben Polizei und Staatsanwaltschaft Bonn längst die Ermittlungen aufgenommen. Der Vater der drei Kinder, ein 35-jähriger Syrer, wird vernommen und anschließend vorläufig festgenommen. Eine Dolmetscherin erscheint – die Polizei vernimmt weitere Bewohner der Unterkunft.

Etwa 30 Personen leben derzeit in dem Haus, einem ehemaligen China-Restaurant unweit der Feuerwache. Die Stadt Lohmar hat es zur Unterbringung von Flüchtlingen gekauft. "In dem Gebäude bewohnt die syrische Familie zusammen mit anderen Asylbewerbern eine große Wohnung in der ersten Etage. Mehrere Familien teilen sich dort Badezimmer und die Küche, darüber hinaus steht ihnen auch privater Raum zur Verfügung", erklärt Polizei-Sprecher Stefan Birk.

Beamte einer Mordkommission sollen Vorfall untersuchen

Ordnugsamt-Mitarbeiter sperren den mutmaßlichen Tatort vor einem haus in Lohmar ab

Mitarbeiter von Polizei und Ordnungsamt sperren das Gelände ab

Es war am Montag (01.02.2016) längst dunkel geworden, als drei Beamte einer Mordkommission der Bonner Polizei in Lohmar eintrafen. In weißen Overalls suchten sie nach möglichen DNA-Spuren, machten Fotos und Skizzen. Egal ob Unfall oder Verbrechen – wenn zwei Kinder so schwer verletzt werden und die Ursache unbekannt ist, dann wird routinemäßig eine so genannte Mordkommission gegründet. Die Beamten sind Spezialisten, die einen Tatort von einem Unglücksort unterscheiden können. Oft genug stellten sich sicher geglaubte Gewaltverbrechen als Unfälle heraus – und umgekehrt. Und hier, in Lohmar?

Vater war schon einmal gewalttätig

Am späten Abend spricht die Polizei davon, dass sich Verdachtsmomente gegen den 35-jährigen Syrer erhärtet haben. Auch am nächsten Tag (02.02.2016) dauern die Ermittlungen noch weiter an. Über das Motiv des Mannes rätseln Staatsanwaltschaft und Polizei zunächst. Fest stehe nur, dass es nicht das erste Mal sei, dass der Syrer in der Unterkunft gewalttätig wurde. Einmal hatte der Mann seine Frau mit einem Kochtopf geschlagen und verletzt. Insgesamt zehn Tage lang durfte er damals die Unterkunft seiner Familie nicht betreten. Die Frau zog später ihre Strafanzeige gegen ihren Ehemann zurück.

Stand: 02.02.2016, 21:30