Deutliche Unterschiede zwischen den Kommunen

Zahlen zur Flüchtlingssituation in NRW

Deutliche Unterschiede zwischen den Kommunen

Am Mittwoch (02.09.2015) war die Flüchtlingspolitik Thema im Landtag. Eine WDR-Umfrage zeigt: In den meisten NRW-Kommunen machen die Flüchtlinge weniger als ein Prozent der Einwohner aus. Doch die Verteilung ist regional sehr unterschiedlich.

Was zeigt die Karte?

Datenlage

Verteilung der Flüchtlinge in NRW


Hellgrau: Kommunen mit weniger als 5 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern
Hellblau: Kommunen mit 5 bis 10 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern
Blau: Kommunen mit 10 bis 15 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern
Dunkelblau: Kommunen mit 15 bis 30 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern
Dunkelgrau: Kommunen mit mehr als 30 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern
Weiß: Keine Angaben der Kommunen

Unsere Daten zeigen den Stand vom 31. Juli 2015. Mehr als 100.000 Flüchtlinge lebten zu diesem Zeitpunkt in NRW. Bei der regionalen Verteilung auf die einzelnen Gemeinden zeigen sich zum Teil große Unterschiede: Besonders deutlich wird dies bei der Anzahl von Flüchtlingen pro Einwohner. In den meisten NRW-Kommunen machen die Flüchtlinge weniger als ein Prozent der Einwohner aus. Doch während etwa in der Gemeinde Borgentreich auf 1.000 Einwohner knapp 70 Flüchtlinge kommen, sind es in Zülpich etwa 3,5.

Regionale Unterschiede

Eigentlich sollten diese deutlichen Unterschiede nicht auftreten. Denn die Flüchtlinge, die es nach NRW schaffen, werden zentral von der Bezirksregierung Arnsberg verteilt - zunächst kommen sie in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Dortmund, Bielefeld, Unna, Burbach und Bad Berleburg an und werden registriert. Von dort werden sie in die Zentralen Unterbringungseinrichtungen des Landes verlegt, die aktuell von einer Vielzahl kurzfristiger Notunterkünfte ergänzt werden. Nach einem bestimmten Schlüssel erfolgt anschließend die Verteilung auf die Kommunen im Land. Dieser Schlüssel orientiert sich insbesondere an der Bevölkerungsstärke einer Kommune.

Vorteile für einzelne Kommunen

Das NRW-Innenministerium begründet die ungleiche Verteilung unter anderem damit, dass gerade in ländlichen Kommunen Gebäude zur Verfügung stünden, die eine entsprechende Größe haben. Beispielsweise in Borgentreich: Dort sind die Flüchtlinge in einer Kaserne untergebracht. Der Vorteil für diese Kommunen: Sie werden aus der weiteren Verteilung von Flüchtlingen ausgenommen und zudem finanziell nicht belastet, da das Land für die Flüchtlinge in den Landeseinrichtungen aufkommt.

Darstellung inklusive der Notunterkünfte


Hellgrau: Kommunen mit weniger als 5 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern
Hellblau: Kommunen mit 5 bis 10 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern
Blau: Kommunen mit 10 bis 15 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern
Dunkelblau: Kommunen mit 15 bis 30 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern
Dunkelgrau: Kommunen mit mehr als 30 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohnern
Weiß: Keine Angaben der Kommunen

Abgesehen von den Flüchtlingen, die wir mit unserer Umfrage bei den Kommunen erfasst haben, leben mehrere Tausend Flüchtlinge in Notunterkünften. Die zweite Karte zeigt, wie sich die Angaben zu "Flüchtlingen pro 1.000 Einwohner" verändern. In einigen Gemeinden wie etwa Hövelhof im Kreis Paderborn. Die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge liegt dort bei 124. Aber allein in der Notunterkunft leben 780 Menschen.

Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Monaten in weiteren Kommunen wiederholen. So hat die Bezirksregierung Arnsberg vom 1. Oktober 2015 bis zum 31. Januar 2016 in den Jugendherbergen Finnentrop,  Meinerzhagen sowie Cappenberger See in Lünen insgesamt 474 Plätze für die Unterbringung von Asylbewerbern angemietet.

Mehr Notunterkünfte geplant

Eine solche Entwicklung wird es auch in anderen Gemeinden geben. Mittlerweile wurde eine Notunterkunft für 900 Menschen in Köln eröffnet. Fest eingeplant sind für den Herbst die Inbetriebnahme einer neuen Einrichtung in Euskirchen (320 Plätze) und Ende 2015 sollen große Einrichtungen in Essen und Mönchengladbach mit je 800 Plätzen eröffnet werden.

Stand: 01.09.2015, 06:00