Karnevalszug in Rheinberg abgesagt

Polizei fordert Sicherheitskonzept

Karnevalszug in Rheinberg abgesagt

  • In Rheinberg ist der Karnevalszug abgesagt worden
  • Ordnungsamtsleiter fürchtet Probleme mit Flüchtlingen
  • Polizei dementiert Zusammenhang zu Ereignissen in Köln

Die Nachricht erreichte den Karnevalsclub 1. OKK 99 ganz kurzfristig am Mittwoch (14.01.2016). "Bei uns meldete sich das Ordnungsamt", so der Präsident Paul von Holt, "und verlangte ein Sicherheitskonzept für den Karnevalszug, den wir am Rosenmontag im Stadtteil Orsoy ausrichten wollten." Das Amt habe auf ein "gesteigertes Gefahrenpotenzial" hingewiesen - und die Forderung gestellt, ein Konzept für die Sicherheit des Zugs vorzulegen. Der Verein hat daraufhin entschieden, den gesamten Zug abzusagen. "Wir sind ein ganz kleiner Verein", sagt van Holt. "In der Kürze der Zeit können wir das nicht stemmen."

Angst vor kulturellen Missverständnissen?

Die Nähe des Umzugs zu einer Flüchtlingsunterkunft mit rund 500 Bewohnern habe bei der Forderung nach einem neuen Sicherheitskonzept eine Rolle gespielt, sagte Jonny Strey, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung, der Deutschen Presse-Angentur (dpa). Den Menschen in der Flüchtlingsunterkunft sei Karneval nicht vertraut. Sie könnten sich möglicherweise "falsch" verhalten, sagte Strey. 4500 Deutsche träfen auf 500 Ausländer, "das ist bisher auch nicht dagewesen". Man könne nicht ausschließen, dass sich Übergriffe wie in Köln wiederholten.

Beigeordneter dementiert Zusammenhang

Einsamer Karnevalsjeck

Rheinberger Karnevalisten müssen woanders feiern

Dagegen will Karnevalist van Holt von solchen Überlegungen noch nie gehört haben. Auch bei der Stadt gibt es offenbar noch Kommunikationsbedarf. Denn auch Dieter Paus, erster Beigeordneter der Stadt Rheinberg, dementiert einen Zusammenhang zwischen dem abgesagten Karnevalszug und der Flüchtlingssituation in dem Stadtteil. "Warum aber die Polizei vom Ordnungsamt derartig kurzfristig ein Sicherheitskonzept verlangt hat, kann ich auch nicht sagen", sagt er.

Der Beigeordnete mutmaßt stattdessen, dass die Forderung der Polizei mit der Verlegung des Zugs von Sonntag auf Rosenmontag zusammengehangen haben soll. "Am Rosenmontag ist mit einer weitaus größeren Zahl von Menschen als am Sonntag zu rechnen und große Menschenmengen können eben zu Problemen führen", führt Paus aus. Nach Darstellung von Karnevalspräsident Paul van Holt ist jedoch bereits vor Monaten bekannt gewesen, dass der Karnevalzug dieses Jahr am Rosenmontag stattfinden sollte.

Polizei sieht in Flüchtlingen kein Sicherheitsrisiko

Bei der Kreispolizeibehörde Wesel gibt es derweil Irritationen über die Begründung für die Absage, die der Leiter des Ordnungsamts genannt hatte. Mit den Bewohnern des Flüchtlingsheims habe die Forderung der Polizei nach einem Sicherheitskonzept am Rande etwas zu tun gehabt, sagte Behördensprecherin Sabine Vetter dem WDR. Vielmehr habe die Stadt die Polizei erst am 6. Januar 2016 um eine Einschätzung zur Sicherheit der Veranstaltung gebeten, obwohl der Karnevalsvereins den Zug bereits im November 2015 angemeldet hatte. In der Anmeldung sei der Verein nur von 2500 Besuchern ausgegangen. "Wir dagegen hielten es für sehr wahrscheinlich, dass die Besucherzahl eher bei rund 5000 liegen wird", erklärt Vetter, "und ab dieser Größe muss der Verein zwingend ein Sicherheitskonzept vorlegen - das ist die Regel".

Die Ausschreitungen von Köln hätten bei diesen Überlegungen keine Rolle gespielt. Vielmehr gehe es dabei um Themen wie fehlende Parkmöglichkeiten und alkoholisierte Jugendliche. "Das Flüchtlingsheim wurde deshalb erwähnt, weil es 500 Bewohner hat, die eventuell die Besucherzahl erhöhen."

Stand: 15.01.2016, 15:13