Alle feiern - nur Rheinberg nicht

Archiv: Eine Frau mit roter Pappnase

NRW-Karnevalszüge sollen stattfinden

Alle feiern - nur Rheinberg nicht

Die Absage des Karnevalsumzugs in Rheinberg, angeblich auch wegen der Nähe zu einer Flüchtlingsunterkunft, ist offenbar eine absolute Ausnahme. Andere Städte in NRW halten an ihren Planungen fest - und laden Flüchtlinge zum Mitfeiern ein.

Bei der Absage des Umzugs in Rheinberg, die am Donnerstag (14.01.2016) erfolgte, hatte nach Aussage der Stadt unter anderem eine Flüchtlingsunterkunft in Orsoy eine Rolle gespielt. Polizei und Stadt hielten ein Sicherheitskonzept für erforderlich, der Orsoyer Karnevalsverein konnte dieses so schnell aber nicht vorlegen. Neben dem Verkehr und möglicherweise randalierenden Zuschauern könnte auch das Zusammentreffen der Narren mit bis zu 500 Flüchtlingen aus der nahen Unterkunft zu "Schwierigkeiten" führen, so die Begründung. Eine WDR-Umfrage unter Kommunen mit vielen Flüchtlingen zeigt, dass solche Bedenken offenbar die absolute Ausnahme sind. Vielmehr sehen die Städte den Karneval auch als Chance, den Neuankömmlingen einen besonders schönen Teil der deutschen Kultur zu präsentieren und so einen Beitrag zur Integration zu leisten.

Urlaubsstopp beim Hammer Ordnungsamt

In Hamm etwa habe man keine Befürchtungen, dass es "kulturell bedingte Schwierigkeiten" mit den circa 1.000 Flüchtlingen geben könnte, die derzeit in der Stadt leben, sagte ein Stadtsprecher dem WDR. Dennoch hat man sich dort auf die veränderte Sicherheitslage eingestellt. Für die Mitarbeiter im Ordnungsamt wurde ein Urlaubsstopp zur Karnevalszeit verhängt, die Polizei hat nach ersten Absprachen mit der Stadtverwaltung zugesagt, mit mehr Kräften als in den Vorjahren vor Ort vertreten zu sein. Ähnlich sieht es in Essen und Münster aus. Auch dort soll die Polizeipräsenz verstärkt werden. "Wir werden unsere Beamten an bestimmten Brennpunkten gut verteilen", sagte eine Sprecherin der Polizei in Münster. Auch in Solingen, Attendorn und Menden sollen die Züge wie geplant stattfinden.

Bürgerantrag in Leverkusen

In Leverkusen ist der Antrag eines Bürgers auf die Verkürzung des Karnevalszuges eingegangen. Das Anliegen: Die Stadtverwaltung soll den Zug verkleinern, da den neuen Mitbürgern karnevalistisches Brauchtum fremd sei. Um eine weitere Traumatisierung von Menschen zu vermeiden, die womöglich aus Kriegsgebieten kämen, sollten entsprechende Maßnahmen durchgeführt werden. Große Erfolgsaussichten werden dem Antrag nicht eingeräumt, ist aus Leverkusener Verwaltungskreisen zu hören. Im sauerländischen Rüthen gibt es eine Zentrale Unterbringungseinrichtung für 550 Flüchtlinge, die somit ähnlich groß wie die in Rheinberg ist. Dort aber kein Grund, etwas an den Planungen für den Karnevalsumzug mit mehreren Tausend Besuchern zu ändern. Das Miteinander in der Stadt funktioniere gut, sagt Bürgermeister Peter Weiken, das hätten die Erfahrungen beim letztjährigen Karneval gezeigt. "Die Ereignisse am Kölner Bahnhof sind hier kein Thema."

Keine Bedenken in Rees

Auch im niederrheinischen Rees, knapp 40 Kilometer von Rheinberg entfernt, ist die Situation unverändert. Bei den beiden Umzügen am Rosenmontag werden insgesamt über 10.000 Menschen erwartet. In der Zentralen Unterbringungseinrichtung leben derzeit 150 Flüchtlinge. Für Josef Heyes, Bürgermeister in Willich, ist der Karneval eine "Form der Integration". In der niederrheinischen Stadt finden ebenfalls zwei Karnevalsumzüge statt, erwartet werden mehrere Tausend Narren. Eine Absage kommt für die Stadt nicht in Frage. "Unser Sicherheitskonzept steht, da gibt es keine Bedenken", so der Bürgermeister zum WDR. "Wir haben schon länger Flüchtlinge in der Stadt, da gab es noch nie Probleme." Für ihn ist der Karneval eine Möglichkeit, Distanz zwischen den Kulturen abzubauen. "Wir dürfen doch unsere Freiheit nicht einschränken. Im Gegenteil: Wir wollen den rheinischen Frohsinn, das rheinische Naturell weitertragen."

Stand: 15.01.2016, 13:54