Polizei will wenig Toleranz zeigen

Rosenmontagszug in Düsseldorf

Sicherheit an Karneval

Polizei will wenig Toleranz zeigen

Die Vorfreude auf den Karneval mischt sich in diesem Jahr bei vielen Jecken mit Unsicherheit. Diebesbanden, sexuelle Übergriffe, Terrorgefahr - die Polizei steht angesichts der tollen Tage landesweit vor Herausforderungen.

"Wir bereiten uns intensivst vor", versichert André Hartwich, Sprecher der Polizei in Düsseldorf, "mit ziemlich hohem Kräfteeinsatz". Wieviele Beamte genau für die Karnevalstage eingeplant sind und mit welchen Strategien sie vorgehen, wolle man aus taktischen Gründen nicht sagen. Bis unmittelbar vor Weiberfastnacht werde am Konzept gefeilt, sagt Hartwich. "Der Donnerstag ist ohnehin der schwierigste Tag", sagt er, "wenn da alles gut geht, läuft der Rest auch". Der Grund: "Alles, was nicht genau vorbereitet ist - so, wie der Straßenkarneval eben - ist für uns schwierig abzuschätzen." Der Rosenmontagszug dagegen sei durchorganisiert und damit auch für die Polizei besser kalkulierbar.

"Karneval muss möglich sein!"

Spielzeugpistole im Strumpfband

Besser nicht: Spielzeugpistolen

Kostümempfehlungen, will die Düsseldorfer Polizei nicht ausgeben. Jeder, der "ein bisschen gesunden Menschenverstand hat", wisse selber, "was provoziert und was nicht", meint der Sprecher. Zielvorgabe in Düsseldorf sei jedenfalls: "Karneval muss möglich sein!" Dazu gehöre unbeschwertes Feiern "und auch mal ein Bützchen". Da die Zeiten aber "angespannt" seien, werde die Polizei mit sehr niedriger Einsatzschwelle vorgehen, sagt Hartwich: "Wir werden sehr dünnhäutig und wenig tolerant sein, wer randaliert, bekommt nicht erst die gelbe Karte, sondern direkt die rote."

In Mönchengladbach hat die Polizei zumindest den Rat ausgegeben, bei der Kostümwahl "Fingerspitzengefühl" zu zeigen: Wer sich unbedingt als Dschihadist oder auf andere Art und Weise martialisch verkleiden wolle, "der hat aus unserer Sicht eindeutig am Ziel vorbeigeschossen", so Polizeisprecher Jürgen Lützen.

Im niederrheinischen Rheinberg dagegen war der geplante Karnevalsumzug bereits Mitte Januar abgesagt worden. Der örtliche Karnevalsverein, der den Umzug organisiert, hatte kein ausreichendes Sicherheitskonzept vorlegen können. Nach den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht aber könne man nicht ausschließen, dass die im Stadtteil Orsoy lebenden Flüchtlinge den Umzug besuchen und es zu ähnlichen Szenen komme, hieß es.

Keine Angst vor Karneval - auch für Flüchtlinge

Ein mit einer Pistole bewaffneter Polizeibeamter steht in Düsseldorf während des Rosenmontagszuges auf der Königsallee (2015)

Mehr Einstzkräfte sollen den Karneval sichern

Alle anderen Rosenmontagszüge in der Region würden wie geplant stattfinden, sagt Franz-Josef Kuhmann, Sprecher der auch für Rheinberg zuständigen Polizeibehörde Wesel: Beispielsweise der in Moers, größter Rosenmontagszug der Region, der alljährlich bei gutem Wetter bis zu 100.000 Besucher anzieht. Oder der in Voerde mit rund 40.000 Teilnehmern. Man werde die Zahl der Einsatzbeamten "etwas erhöhen", ansonsten aber laufe alles wie in den Vorjahren auch. In Wesel hätten freiwillige Helfer in den Flüchtlingsunterbringungen bereits damit begonnen, den Flüchtlingen vom Karnevalsbrauchtum zu erzählen, sagt Kuhmann: "Auch, dass man keine Angst davor haben muss und ruhig auch teilnehmen kann."

Karneval in Attendorn 2014

Karneval in Attendorn

Als "Hochburg" des Karnevals in Südwestfalen gilt das sauerländische Örtchen Attendorn. Über 1.100 Mitglieder zählt die Karnevalsgesellschaft Attendorn nach eigenen Angaben, im traditionellen Veilchendienstagszug ziehen knapp 2.000 Teilnehmern und mehr als 30 Wagen mit. Dort sieht man den jecken Tagen mit Aufmerksamkeit, aber offenbar noch entspannt entgegen: Mehr Polizeipräsenz als in den vergangenen Jahren und Urlaubssperre für die Kollegen seien schon beschlossen, sagt Polizeisprecher Klaus Hochstein. Ein genaues Konzept wollen die Attendorner aber erst noch erarbeiten.

Asylbewerber vorbreiten auf Karneval

2.400 zusätzliche Polizisten sollen während der Karnevalstage für Sicherheit in NRW sorgen, hat Innenminister Ralf Jäger (SPD) bereits verkündet. Rekrutiert würden dazu auch sämtliche Kommissaranwärter des vorletzten und letzten Studienjahres. Aus der Bezirksregierung Arnsberg heißt es, man überlege derzeit, ob und wie man Flüchtlinge in den Unterbringungen darauf vorbreiten könnte, mit welchen ungewöhnlichen Szenen und Verhaltensweisen der Einheimischen das Brauchtum Karneval verbunden ist.

Stand: 22.01.2016, 06:00

Weitere Themen