Prozessauftakt gegen IS-Terrorhelfer

Der Kampf des IS

Prozessauftakt gegen IS-Terrorhelfer

Von Martin Höke

Wegen Unterstützung islamistischer Terrormilizen in Syrien müssen sich von heute an vier Männer und eine Frau aus NRW vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten. Sie sollen deutsche Kämpfer nach Syrien geschleust sowie den IS und die radikale Gruppe Ahrar-al-Sham unterstützt haben. Der Verteidiger eines Angeklagten fordert, Bundesaußenminister Steinmeier als Zeugen zu laden.

Schleppender Auftakt

Der Prozess begann schleppend. Bis zum frühen Nachmittag war gerade mal die Anwesenheit der fünf Angeklagten geklärt. Grund waren drei kurzfristig eingereichte Befangenheitsanträge gegen die vorsitzende Richterin des Staatsschutzsenats. Dazu mussten die Bundesanwälte Stellung nehmen, dazu wiederum die Verteidiger und dann musste das Gericht darüber entscheiden.

Freundlich winkend auf der Anklagebank

Der Angeklagte in einem Youtube-Video

Der Angeklagte "Bruder Timur" wirbt auf youtube für Spenden

Der 59-Jährige Hauptangeklagte Mirza Tamoor B., auch bekannt als "Bruder Timur", gilt als Schlüsselfigur eines 40-köpfigen Netzwerks, das zwischen Anfang 2013 und September 2014 den Krieg in Syrien und im Irak mit neuen Rekruten und Geldmitteln unterstützt haben soll. Laut Anklage hatte er 15 Fahrzeuge für die Terrormiliz IS besorgt und sie nach Syrien überführt. "Als Beweismittel haben wir unter anderem umfangreiche Abhörprotokolle", so Bundesanwalt Dieter Killmer. Das seien allein 150.000 Seiten. Das Netzwerk war seit Mai 2014 rundum überwacht worden. 

Zum Prozessauftakt wirkte der Hauptangeklagte sichtlich entspannt. Lächelnd und in den Zuschauereraum winkend, ließ er sich offen fotografieren und filmen. Neben ihm sitzt der 32-jährige Kais Ben O. aus dem Siegerland. Er verbirgt sein Gesicht hinter einem Aktenordner. Vor den Beiden und flankiert von den Anwälten sitzen die drei Mitangeklagten im Gerichtssaal. Darunter auch die 27-jährige Schwester von Kais Ben O.. Der Verteidiger des 32-jährigen Angeklagten Kais Ben O. hat derweil beantragt, dass Bundesaußernminister Frank-Walter Steinmeier als Zeuge geladen wird. Michael Murat Sertsöz meint: "Es ist paradox, dass der Bundesaußenminister mit der gleichen radikalen Gruppe Ahrar-al-Sham in Genf über den Frieden in Syrien verhandeln will, für deren Unterstützung mein Mandant angeklagt wird."

Den eigenen Sohn geopfert 

Tamoor B. wird außerdem vorgeworfen, zwei deutsche Islamisten an die syrische Front geschleust zu haben. Beide wurden bei Gefechten getötet, darunter auch sein eigener Sohn Jakub. Als Mirza Tamoor B. von dessen Tod erfuhr, soll er den Ermittlern zufolge in Jubel ausgebrochen sein. Bekannten soll der Deutsch-Pakistani stolz erzählt haben, sein Sohn sei den Märtyrertod gestorben.

Kirchenarub für den IS

Die St. Augustinus Kirche im Siegerland

Einbrüche in Kirchen wie St.-Augustinus-Kirche im Sauerland

Der 32-Jährige Kais Ben O. muss sich außerdem seit Oktober wegen bandenmäßigen Diebstahls vor dem Landgericht Köln verantworten. Er soll einer achtköpfigen Bande radikal-islamischer Salafisten angehört haben, die zwischen 2011 und 2014 in Raum Köln und Siegen in Kirchen und Schulen eingebrochen war. Dabei wurden fast 20.000 Euro erbeutet. Mit dem Geld wurde laut Anklage unter anderem die Terrormiliz in Syrien unterstützt.  Bisher haben die Angeklagten zu den Vorwürfen geschwiegen, "und so wird es vorerst bleiben", betont Anwalt Sertsöz. Für den Prozess sind bis Ende September 54 Verhandlungstage angesetzt worden.

        

Stand: 09.02.2016, 16:29

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