Beratung für arbeitssuchende Flüchtlinge

Integration Point

Beratung für arbeitssuchende Flüchtlinge

Von Anke Spiess

Die Wirtschaft beklagt einen Mangel an Fachkräften - gleichzeitig würden viele gut ausgebildete Flüchtlinge gerne arbeiten, wissen aber nicht, wie sie das anstellen können. Jetzt haben Arbeitsagentur und Jobcenter einen speziellen Service eingerichtet. Den sogenannten Integration Point. Dort arbeiten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die in Sprachen wie zum Beispiel englisch, französisch und arabisch beraten können.

Die meist jungen Männer, die hier her kommen sind hochmotiviert, sagt eine Mitarbeiterin des Mettmanner Integration Points. Sie wollen schnell lernen und bald arbeiten. Vor allem Syrer kommen mit Hochschulabschlüssen nach Deutschland.

Keine Schule während des Krieges

Ein Schild mit der Aufschrift "Integration Point"

Integration Point

Nach einer ersten Welle mit gut ausgebildeten Flüchtlingen kommen jetzt allerdings viele, die weder eine Ausbildung noch Schulabschlüsse haben, heißt es. Die Gründe sind hart: In den Kriegsgebieten gibt es schon seit Jahren keine Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten mehr. Zunehmend flüchten Menschen auch aus ländlichen Regionen. Zwischen 80 und 90 Prozent der Flüchtlinge kommen zurzeit ohne eine Qualifikation.

Arzt aus Syrien

Ein dunkelhäutiger Mann mit Jacke

Ahmad Osman

Ahmad Osman ist vor drei Monaten aus Syrien geflohen. Der 25-jährige ist Arzt und musste wegen des Krieges seine Ausbildung zum Facharzt für Hals, Nasen und Ohren abbrechen. Jetzt ist er in Wuppertal und würde auch hier gerne als Arzt arbeiten und wenn möglich auch seine Ausbildung zum HNO-Arzt beenden.

Der junge Arzt hat seine Zeugnisse und Studienunterlagen schon übersetzen lassen Das freut seine Beraterin, sonst würden das die Mitarbeiter des Integration Points veranlassen. Jetzt will sie mit der Ärztekammer sprechen und schauen, welche Voraussetzungen der Syrer für eine Arbeitserlaubnis erfüllen muss. Und sie will ihm ein Praktikum in einem Krankenhaus oder in einer Praxis organisieren.

Am Anfang steht die Sprache

Ahmad Osman hat schon in Syrien etwas Deutsch gelernt - er weiß, dass er gerade als Arzt die Sprache der Patienten sehr gut verstehen und sprechen muss. Deshalb ist er froh, dass ihm seine Sachbearbeiterin direkt einen Kurs anbietet. Nach einem Grundkurs wird er später auch einen speziellen Kurs zu medizinischen Fachbegriffen bekommen. Und dann kann er vielleicht irgendwann einmal als Arzt arbeiten.

"Ich heiße Mohamud"

Ein dunkelhäutiger Mann steht vor dem ABC

Mohamud Nour Osoble

Auch der Somalier Mohamud Nour Osoble besucht einen Sprachkurs. Noch beantwortet er Fragen nach seinem Namen, seiner Adresse, seiner Familie und seiner Herkunft in gebrochenem Deutsch. Möglichst praktisch und alltagsbezogen soll der Unterricht sein. Und so lernt der 27-jährige wichtige Sätze wie: "Ich wohne in Wuppertal", "ich brauche einen Arzt" oder auch "wo bitte ist die Bushaltestelle". Neben der Sprache lernen die Flüchtlinge auch, dass Frauen und Männer in Deutschland gleichberechtigt sind, dass sie die gleichen Rechte haben und beide arbeiten oder studieren können. Die Chefin des Bildungsträgers ist eine Frau, für manche Flüchtlinge etwas Besonderes: Eine Frau als Boss - das haben einige noch nie gesehen.

LKW-Fahrer ohne Führerschein

Mohamud Nour Osoble war in Somalia LKW-Fahrer. Allerdings brauchte er dort keinen Führerschein, er fuhr einfach Lastwagen in allen Größen. Das ist in Deutschland natürlich anders. Deshalb träumt er davon, nach seinen Sprachkursen den deutschen Führerschein zu machen. Auch dabei können die Leute vom Integration Point helfen.

Eine Chance für Precious

Ein dunkelhäutiger Mann steht vor einer Drehmaschine

Precious Omaifo

Im Blaumann und ein Stück Metall in der Hand. So fühlt sich der Nigerianer Precious Omaifo wohl. Mit Hilfe seiner Integrationsberaterin hat er ein Praktikum in einer Wuppertaler Werkzeugfabrik bekommen. Schon in seiner Heimat hat er als Schweißer gearbeitet und zum Beispiel kunstvolle Geländer geschmiedet. Auch bei ihm hapert es noch mit dem Deutsch. Aber er ist hochmotiviert und will schnell lernen. Ein besonderer Ansporn: Der Chef des Unternehmens würde ihn sofort als AZUBI nehmen. Seit Monaten schon ist eine Stelle unbesetzt. Vorrausetzung ist allerdings die Beherrschung der deutschen Sprache.

Geld von Bund und Land

Und genau deshalb vermitteln die Integration Points die Sprachkurse. Geld gibts dafür vom Land. Die Stellen bei den Arbeitsagenturen und den Job-Centern für die Integration Points werden dagegen vom Bund finanziert.

Stand: 02.02.2016, 06:00