Ein Neuanfang für Flüchtlingskinder

Ein Schüler schreibt das Wort "Integration" auf eine Tafel

Integration in der Schule

Ein Neuanfang für Flüchtlingskinder

Die Schulen in Deutschland müssen immer mehr Flüchtlingskinder aufnehmen. Dabei stoßen viele Bildungseinrichtungen an ihre Grenzen. Die Sekundarschule Niederrhein in Geldern hat 20 Flüchtlingskinder aufgenommen. Sie alle müssen sich jetzt an eine neue Schule in einem für sie völlig fremden Land gewöhnen.

Die Kinder an der Sekundarschule Niederrhein in Geldern kommen aus aller Herren Länder. Ob aus Afghanistan, Syrien oder Südostasien - die 20 neuen Schüler werden hier herzlich aufgenommen. Sehr zufrieden sind die Lehrer über die Fortschritte im Fach Deutsch. Für das Fach "Deutsch als Fremdsprache" wurde der Schule eine zusätzliche Lehrerstelle bewilligt.

Schüler im Klassenraum

Die deutschen Kinder helfen den neuen Schülern die Sprache zu lernen

Der Schulalltag ist bunter und vielfältiger geworden, seitdem so viele Kinder aus dem Ausland hier sind. Allerdings stellt die kulturelle Vielfältigkeit der Kinder die Lehrer vor große Herausforderungen. "Die Integration ist für alle eine Herausforderung, aber sie klappt aus meiner Sicht wirklich wunderbar, weil die Kinder sehr offen sind und aufeinander zugehen", erzählt Elke Kirtz, Lehrerin an der Schule. Oft geht es im Unterricht der fünften und sechsten Klassen um grundlegende Fähigkeiten - da müssen die Lehrer ganz von vorne anfangen: "Viele Schüler kommen hierher, die sind noch nicht mal alphabetisiert. Die können noch nicht mal lesen und schreiben, oder beherrschen nicht die einfachsten Grundrechenarten", erzählt Katharina van der Wouw, ebenfalls Lehrkraft an er Sekundarschule Niederrhein.

Auch Schüler machen gute Erfahrungen

"Mir hat das geholfen," erzählt Schüler Sian, der schon seit drei Jahren in Deutschland ist, "weil meine Mitschüler mir Deutsch beigebracht haben. Die haben mit mir nur deutsch gesprochen". Angefangen mit den Kärtchen, auf denen Gegestände gezeichnet sind, hat Sian nach und nach die neue Sprache gelernt.

Neue Lehrstelle für Integrationskurs

Lehrerin mit Schülern im Klassenraum

Die Lehrer stellt die kulturelle Vielfalt vor Herausforderungen

16 Schulstunden in der Woche verbringen die neuen Schüler im sogenannten DaZ-Kurs. DaZ steht für "Deutsch als Zweitsprache". Für den Kurs durfte die Schule eine Lehrerstelle neu besetzen. Die neue Lehrkraft kümmert sich darum, dass Kinder aus elf verschiedenen Nationen möglichst gut und schnell Deutsch lernen. Und jeder neue Schüler bringt seine eigene Geschichte mit. Darüber reden wollen die meisten nicht. Kinder, die vor Krieg und Gewalt fliehen mussten, sind oft sehr verschlossen. "Zum einen ist da natürlich eine Sprachbarriere. Sie können häufig nicht das ausdrücken, was sie erlebt haben und was sie fühlen. Zum anderen merkt man den Kindern auch einfach an, dass sie viel durchgemacht haben", erzählt die Lehrerin.

Neue Stellen für Pädagogen wegen des starken Zustroms von Flüchtlingskindern

Ein Mädchen gibt einer anderen Schülerin Nachhilfe

Ziel der Politik ist es, die Kinder in den regulären Unterricht einzugliedern

Im vergangenen Jahr kamen knapp 40.000 schulpflichtige Flüchtlingskinder nach NRW, darunter auch Kinder ohne Begleitpersonen. Allein an Rhein und Ruhr werden derzeit über 12.000 junge Flüchtlinge von den örtlichen Jugendämtern betreut, die ohne Eltern oder Verwandte als Asylsuchende nach Deutschland eingereist sind. Das Schulministerium reagierte auf diesen starken Zustrom, indem zusätzliche Lehrstellen und rund 300 neue Integrationsstellen geschaffen wurden. Insgesamt sind deshalb weitere 70 Millionen Euro für Lehrer ausgegeben worden, um die Integration der Flüchtlingskinder voranzutreiben. Ziel sei es, laut Schulministerin Sylvia Löhrmann, die Kinder möglichst schnell in den regulären Unterricht zu bekommen.

Laut der Bundesagentur für Arbeit zählt besonders auf die Generation der Kinder unter den Flüchtlingen. Denn die Kinder, die jetzt in Deutschland in die Schule kommen, hätten gute Perspektiven, die Fachkräfte von übermorgen zu werden. "Wer unter 35 ist, hat gute Chancen, sich für eine Arbeit zu qualifizieren. Für Menschen, die deutlich über 40 sind, wird es schwierig", sagte Detlef Scheele, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, am Montag.

Stand: 03.02.2016, 11:43