Goldgräberstimmung bei Industrie in NRW

Deutsche Exporte in den Iran

Interview zum Ende der Iran-Sanktionen

Goldgräberstimmung bei Industrie in NRW

  • NRW-Betriebe hoffen auf gute Geschäfte mit dem Iran
  • Hohe Erwartungen bei Maschinenbau und Investitionsgütern
  • Auswirkungen auf Arbeitsmarkt ungewiss

Nach dem Wegfall der meisten Handels- und Finanz-Sanktionen wird sich der Iran wirtschaftlich öffnen. Viele Unternehmer in NRW reiben sich die daher Hände, sie wittern gute Geschäfte. Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen in Bielefeld, spricht von einer regelrechten Goldgräberstimmung. Die IHK Ostwestfalen ist NRW-Schwerpunktkammer für den Iran.

WDR: Die Sanktionen gegen den Iran sollen ein Ende haben - welche Betriebe in NRW profitieren davon besonders?

Harald Grefe: Eine gute Nachricht ist das vor allem für Firmen, die im Maschinenbau tätig sind, aber auch sogenannte Investitionsgüter produzieren: Anlagenbau, Fahrzeugbau, Baustoffe, Wassermanagement, Abfallwirtschaft, erneuerbare Energien und Gesundheitswirtschaft. Aber auch für Ölraffinerien. Wir gehen davon aus, dass die Ölproduktion wieder hochgefahren wird, dann werden auch Öltanks, Pumpen und Kompressoren benötigt, die können NRW-Betriebe zuliefern.

WDR: Die Freude bei den Betrieben ist also groß ...

Harald Grefe

Harald Grefe

Grefe: Ja, Deutschland hat traditionell gute Beziehungen zum Iran. Und NRW mit Ostwestfalen ist neben Baden-Württemberg - bedingt durch den dort ausgeprägten Fahrzeug- und Maschinenbau - da besonders stark. Vor den Sanktionen betrugen die Exporte Deutschlands in den Iran auf ihrem Höhepunkt im Jahr 2005 immerhin 4,4 Milliarden Euro, davon entfielen 1,1 Milliarden auf NRW. 2014 - das letzte Jahr, aus dem wir gesicherte Zahlen haben - waren es 2,1 Milliarden Euro bundesweit, davon entfielen Exporte in Höhe von 400 Millionen Euro auf NRW. Wir gehen davon aus, dass sich das deutlich erhöhen wird und wir bundesweit mittelfristig fünf Milliarden Euro erreichen. Wir hoffen schon, an die alten Zahlen anknüpfen zu können.

WDR: Was wird ganz konkret geschehen?

Grefe: Wir haben einen Vertreter der Auslandshandelskammer in Teheran, der sich um Kontakte kümmert. Im April oder Mai werden Industrievertreter aus NRW mit Wirtschaftsminister Garrelt Duin in den Iran reisen, um die Goldgräberstimmung zu nutzen. Es wird Zeit, dass wir die alten Geschäfte wieder aufleben lassen.

WDR: Werden dadurch neue Arbeitsplätze in NRW entstehen?

Grefe: Jede Ausweitung des internationalen Handels sichert Arbeitsplätze in Deutschland. Ob signifikant neue entstehen werden, lässt sich derzeit schwer abschätzen. Aber es kann durchaus sein, dass es eine leichte Belebung geben wird.

Die Fragen stellte Annika Franck.

Stand: 18.01.2016, 12:44