Auf einem guten Weg

Flüchtling Amadou Diallo macht ein Praktikum

Siegener IHK-Projekt für Flüchtlinge

Auf einem guten Weg

Von Stephan Müller

Ein Flüchtlingsprojekt macht Unternehmen und Industrie- und Handelskammer in Siegen froh: Über ein Praktikum sollen Asylbewerber in Beschäftigung gebracht werden. Die ersten 14 von 40 Flüchtlingen machen gerade ein Praktikum - und das verläuft bisher gut.

"Wir haben drei Firmen, die ihre Praktikanten behalten wollen. Zwei sollen Produktionshelfer werden, und eine möchte einem Flüchtling eine Ausbildung anbieten“, freut sich IHK-Projektleiterin Uta Fiedler über die Entwicklung der ersten 14 Flüchtlinge, die noch bis Ende Januar ein Praktikum absolvieren. Sie schränkt aber ein: "Das wird noch viel Arbeit. Für eine Ausbildung fehlt leider oft schlicht das schulische Wissen."

Im nächsten halben Jahr müsse sich der betreffende Schützling noch viele Kenntnisse aus den Bereichen Mathe und Wirtschaft aneignen, die Schüler aus Deutschland regulär bis zur zehnten Klasse lernen. "Damit er auch in der Berufsschule mitkommt."

"Schon viel gelernt"

Flüchtling Ali Nasso macht ein Praktikum

Stolz: Flüchtling Ali Nasso aus Syrien

So weit ist Ali Nasso aus Syrien noch nicht. Der 23-Jährige ist einer von vier Flüchtlingen, die aktuell bei der Firma Hering Bau in Burbach ein Praktikum absolvieren. Wie alle anderen auch hat er zuvor im Berufsbildungszentrum BBZ in Siegen erstmals mit Metall gearbeitet, Theorieunterricht gehabt und intensiv Deutsch und Mathe gelernt. Nun das Praktikum. Derzeit arbeitet Nasso in der Montagehalle für WC-Anlagen.

"Wir machen hier Anlagen für einen Hauptbahnhof“, sagt er. "Man kann aber auch mit Beton arbeiten und als Elektriker. Es gibt so viele Sachen hier, also ich habe schon viel gelernt." Nasso ist seit 13 Monaten in Deutschland. Er kann sich vorstellen, später als Elektriker oder Anlagenmechaniker zu arbeiten. Bislang hinterlässt er bei der Firma einen guten Eindruck.

Mit Dialekt auf einem guten Weg

Das gilt auch für Ali Moradi. "Er ist sehr engagiert, zeigt Einsatzwillen, bleibt auch mal länger und möchte was lernen", sagt Bauhofleiter Tino Lukas und fügt hinzu. "Teilweise kommt bei ihm auch das Siegerländer Platt durch." Moradi ist seit vier Jahren in Deutschland. Einen Schulabschluss hat er nicht, aber auch er hofft auf Job oder Ausbildung.

Wieder in einer anderen Halle schneidet Amadou Diallo in der Sitzbrillenreinigungs-Fertigung Taster auf genau 9,5 Zentimeter ab. "Die Leute sind offen, wir reden viel. Das gibt mir immer Motivation", sagt er und wendet sich wieder seiner Arbeit zu. "Leichte Montagetätigkeiten sind kein Problem", zieht auch Abteilungsleiter Udo Russmann ein positives Zwischenfazit von der gemeinsamen Arbeit mit Diallo.

"Nach dem Praktikum zusammensetzen"

Siegener IHK-Projekt für Flüchtlinge

Zufrieden mit ihren Schützlingen: Isabelle Kirschke (links) und Uta Fiedler

Ob sich für die Flüchtlinge auch eine Zukunft bei der Firma Hering Bau bietet, ist noch offen. Isabelle Kirschke aus dem Marketing sagte, man sei positiv überrascht gewesen, wie gut die Deutschkenntnisse seien. Und: Die Flüchtlinge wollten arbeiten. Am Ende des Praktikums werde man sich zusammensetzen und durchsprechen, wie es weitergeht: "Es wird ja für Unternehmen nicht einfacher Auszubildende zu finden, gerade im Bau. Aber mit dem Praktikum wollen wir jetzt erst einmal schauen: Wie können sich die jungen Leute beweisen."

Projektleiterin Uta Fiedler sagt, dass alleine im Bezirk der IHK Siegen 200 Firmen Interesse hätten, die Arbeit mit Flüchtlingen aufzunehmen. Deshalb ist sie zuversichtlich, dass noch weitere Flüchtlinge aus dem Projekt eine Arbeit finden.

Stand: 12.01.2016, 15:55