Prozess um Hungertod wird neu aufgerollt

Das Amtsgericht Medebach

Prozess um Hungertod wird neu aufgerollt

Der Prozess um den Hungertod eines zweijährigen Jungen aus Winterberg muss neu aufgerollt werden. Das Amtsgericht in Medebach geht davon aus, dass der 38-jährigen Mutter keine fahrlässige Tötung, sondern vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge vorzuwerfen ist.

Der Prozess gegen die neunfache Mutter ist am Dienstag (16.02.2016) in Medebach zu Ende gegangen. Ein Urteil gab es aber nicht - denn das Landgericht Arnsberg muss das Verfahren jetzt neu aufrollen. Ausschlaggebend ist die Einschätzung des Amtsrichters nach der Beweisaufnahme: Weil der Frau jetzt eine höhere Strafe droht, muss sich nun eine Strafkammer des Landgerichts mit dem tragischen Hungertod befassen.

Kind war völlig abgemagert

Das Drama hatte sich in einem Dorf bei Winterberg ereignet, wo die Frau mit ihren neun Kindern lebte. Im Februar 2014 brachte sie zunächst ihre sieben Monate alte Tochter zum Notarzt, weil das Mädchen auszutrocknen drohte. Einen Tag später kam die 38-Jährige mit ihrem völlig abgemagerten Sohn in eine Kinderklinik. Die Ärzte konnten dem Jungen nicht mehr helfen, er wog nur noch rund ein Drittel des Normalgewichtes.

Das - so hatten Gutachter im Prozess deutlich gemacht - konnte nicht nur an einem Magen-Darm-Virus liegen, unter dem der Junge litt. Er muss auch schon vorher Wochen oder gar Monate nicht genug zu essen bekommen haben.

Die Staatsanwaltschaft in Arnsberg eröffnet nun auch ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen gegen eine Mitarbeiterin des Jugendamtes beim Hochsauerlandkreis. Die Frau war für die alleinerziehende Mutter aus Winterberg und zuständig. Im Verlauf des Prozesses hatten sich Hinweise auf Versäumnisse beim Jugendamt ergeben.

mit Informationen von Jörg Taron

Stand: 16.02.2016, 15:21

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