Rat für ein Leben bis zum Schluss

Montage: Hand mit Telefonhörer

Erstes regionales Hospiztelefon in NRW

Rat für ein Leben bis zum Schluss

Von Arnd Zickgraf

Von Schmerzen gepeinigt, kommen unheilbar kranke Menschen und ihre Angehörigen oft nicht mehr mit dem Alltag zurecht. Das ist ein Thema des Deutschen Hospiztags am Sonntag (14.10.2012). In Bonn wurde gerade ein Hospiz-Notruf eingerichtet.

Am anderen Ende der Leitung mit der Nummer 0800-7236489 ist die Stimme eines Mannes um die Fünfzig zu hören. Er sei Orchestermusiker,sagt der Mann. Und er sei unheilbar an Krebs erkrankt. Er müsse letzte Dinge regeln. Seine Wohnung sei verwahrlost, aber er selbst könne sie wegen der großen Schmerzen nicht mehr aufräumen. Die größte Sorge des alleinstehenden Mannes: "Sind die Mitarbeiter des ambulanten Hospizdienstes junge Frauen?" Er würde sich schämen, wenn er von ihnen betreut werden müsste, denn er sei stark abgemagert und unattraktiv geworden.

Wenn die Familie am Ende ist

Viele unheilbar kranke Menschen haben Hemmungen, direkt bei einem Hospiz anzurufen. Darum haben die Initiatoren von der Peter Windeck Stiftung in der Bürgerstiftung Bonn seit Mittwoch (10.10. 2012) im Zentrum für Palliativmedizin des Bonner Malteserkrankenhauses das erste Hospiztelefon für den Bonn-Rhein-Sieg-Kreis freigeschaltet. Unter der kostenlosen Nummer gehen Monika Müller, Vorstandsvorsitzende der Peter Windeck Stiftung, und eine Kollegin jeweils freitags von 10 bis 13 Uhr und montags von 17 bis 20 Uhr auf alle Fragen ein, die mit Sterben, Tod und Trauer zu tun haben.

Die Tage, an denen das Telefon besetzt ist, haben die Stifter bewusst gewählt. "Die Zeit um das Wochenende herum kriselt es in den Familien oft. Man trifft sich und merkt: So geht es nicht mehr weiter!", erläutert Müller. Da das Telefon montags bis 20 Uhr besetzt ist, hätten auch Berufstätige die Chance, anzurufen.

Leben bis zum Schluss

Hospiztelefon

Auch Angehörige, die mit der Pflege Sterbender überfordert sind, erhalten Rat am Telefon.

Unheilbar kranke Menschen können hier Rat suchen genauso wie Angehörige von Sterbenden, die sich der Pflege zuhause nicht mehr gewachsen fühlen. Auch Mitarbeiter von Altenheimen, Krankenhäusern und Hospizen, die selbst Unterstützung benötigen, und ehrenamtliche Sterbebegleiter finden Gehör. Die neue Nummer versteht sich als Nottelefon und Informationsangebot. Denn viele Menschen haben nur eine ungenaue Vorstellung über die Möglichkeiten hospizlicher Arbeit.

"Sterben ist heute ein Vorgang, der länger dauert als früher - es ist ein Leben bis zum Schluss", sagt Monika Müller. Verzweifelte Menschen fragen oft: "Können Sie mir sagen, wo ich Sterbehilfe bekomme?" Dabei hat sie die Erfahrung gemacht, dass schwerstkranke Menschen eigentlich bis zum Ende leben wollen - aber ohne Schmerzen. Sie wissen nur nicht, wie das möglich ist.

Wer kauft ein, mäht den Rasen, führt den Hund aus?

Jemand umschliesst mit seinen Händen die rechte Hand einer im Bett liegenden Person

Informationen darüber, wer hilft

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu unterstützen. Palliativmediziner können Symptome behandeln und Schmerzen lindern, Ehrenamtliche helfen, den Alltag zu bewältigen. Sie helfen etwa beim Einkaufen, Rasenmähen oder können auch den Hund Gassi führen. Die Unterstützung richtet sich nach den Bedürfnissen der schwerstkranken Menschen. Die ehrenamtlichen Helfer sind häufig mittleren Alters. Welche Berufsgruppen wie helfen können - das wissen die Beraterinnen des Hospiztelefons.                                                   

Laut Monika Müller ist das Hospiztelefon Bonn einzigartig in Deutschland, weil es unabhängig ist und neutrale Beratung anbietet. Möglich ist das durch die Kooperation der neuen Nummer mit dem Hospizforum Bonn / Rhein-Sieg, in dem sich rund 20 hospizliche Einrichtungen der Region zusammengeschlossen haben. Es gibt bereits Hospiztelefone etwa in Aachen und Dortmund. Aber sie richten sich nicht an eine ganze Region. "Hinter dem Hospiztelefon Bonn steht eine gemeinnützige Stiftung, die keine finanziellen Interessen verfolgt", erklärt Jürgen Reske, Geschäftsführer der Bürgerstiftung Bonn.

Stand: 13.10.2012, 12:30