Ein Tag auf dem ödesten Platz des Rheinlandes

Hogeda-Teilnehmer

"Hogesa"-Treffen in Köln

Ein Tag auf dem ödesten Platz des Rheinlandes

Von Christian Wolf und Benjamin Esche

Scharfe Kontrollen, langes Warten und eine übermächtige Polizei: Hooligans und Rechtsradikalen ist bei der Wiederauflage der "Hogesa"-Demo die Stimmung vergangen. Bei den Gegendemonstranten sah das hingegen anders aus.

Schön ist der Barmer Platz nicht. Eine ungepflasterte große Fläche, eingekesselt zwischen einem Bahndamm und den hohen Mauern der Kölner Messehallen. Freiwillig hält sich hier niemand auf. An diesem Sonntag (25.10.2015) sind aber etwa 1.000 Menschen versammelt. Viele von ihnen sind in dunkler Kleidung gekommen, haben Kapuzen auf und tragen trotz Nieselregen Sonnenbrillen. Sie alle sind dem Aufruf der Gruppierung "Hooligans gegen Salafisten" gefolgt und wollen ein Jahr nach den Krawallen bei der ersten "Hogesa"-Demo wieder dabei sein.

Für die Hooligans, unter die sich auch zahlreiche Rechte mischen, wird bereits die Anreise erschwert, da linke Gegendemonstranten die Zugänge im Deutzer Bahnhof zum direkt daneben liegenden Barmer Platz blockieren. Über ein Megafon werden sie dann von Linken, die es in die Nähe geschafft haben, sarkastisch begrüßt. "Willkommen auf dem ödesten Platz des Rheinlandes. Sieht ja nach einer richtig spannenden Party aus." Bis zum verspäteten Beginn der Veranstaltung stehen sich die Teilnehmer dann stundenlang die Füße in den Bauch. Und obwohl viele von ihnen noch vor dem Ende der Kundgebung den Platz wieder verlassen wollen, müssen sie da bleiben. Die Polizei öffnet erst nach Einbruch der Dunkelheit die Reihen der Absperrgitter.

Polizei zeigt Stärke

Teilnehmer der Hogesa-Demonstration stehen am 25.10.2015 in Köln, bewacht von Polizisten, auf dem Barmer Platz vor der Messe

Der Platz war stark von der Polizei gesichert

Das Konzept der Polizei scheint an diesem Tage - anders als vor einem Jahr - aufzugehen. Mehr als 3.500 Beamte sind im Einsatz, ein halbes Dutzend Wasserwerfer stehen parat und in der Luft kreisen Hubschrauber. Wer auf den Barmer Platz will, muss sich einer genauen Kontrolle unterziehen. Taschen und Rucksäcke werden kontrolliert, jeder Teilnehmer einzeln durchsucht. Flaschen, Waffen und Pyrotechnik sind verboten. Nach den Straßenschlachten von 2014 soll dieses Mal nichts dem Zufall überlassen werden.

Wohl auch angesichts der massiven Polizeipräsenz sind deutlich weniger Hooligans zur Wiederauflage gekommen. Denen, die da sind, wird eine Mischung aus kruden Reden mit altbekannten Verschwörungstheorien sowie grölender Amateurmusik geboten. Eine Rednerin, die sich als Jackie vorstellt, bezweifelt, dass es die Deutschen angesichts der momentanen Flüchtlingsbewegung in zwei Jahren überhaupt noch gibt. "Wir kämpfen hier um unseren blanken Arsch", sagt sie. Eine andere jongliert mit so vielen angeblichen Zahlen und Statistiken, um ihre rechten Thesen zu belegen, dass sie am Ende selbst ganz durcheinander kommt. Und ein Musiker schreit ins Mikrofon, dass es "keine Zukunft mehr für uns" gebe und Deutschland sterbe. Zwischendurch wird die Masse immer wieder mit Schlachtrufen bei Laune gehalten. Denen, die am Ausgang schon zu Dutzenden auf das Ende warten, ruft der Veranstalter fast schon genervt zu, sie sollten doch bitte wieder zurückkommen - schließlich sei man doch eine Familie.

Gegendemos deutlich besser besucht

Mit einem Wasserwerfer geht die Polizei am 25.10.2015 in Köln (Nordrhein-Westfalen) gegen die Gegendemonstranten der Hogesa-Demo vor

Auch Wasserwerfer kamen in Köln zum Einsatz

Die deutlich größere und buntere Familie trifft sich dagegen auf der anderen Seite des Bahnhofs in Deutz. Mit mehr als 10.000 Menschen ist die Gegendemonstration auf dem Ottoplatz, die von Initiativen wie der AG "Arsch huh" und "Köln stellt sich quer" organisiert wurde, deutlich besser besucht. Neben bürgerlichen Demonstranten ist es auch eine große Gruppe von Linksautonomen, die ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen will – vereinzelt auch mit aggressiven Parolen. Besonders mit mehreren Hundert vermummten Linken gibt es Auseinandersetzungen. Die Polizei muss zwischenzeitlich sogar Wasserwerfer und Pfefferspray einsetzen. Trotzdem bleibt es insgesamt eher ruhig. "Es waren kleinere Scharmützel, nichts großes", sagt eine Polizeisprecherin. Nur bei der Anreise treffen beide Lager kurzzeitig mal aufeinander.

Polizei und Gegendemonstranten stehen sich am 25.10.2015 in Köln (Nordrhein-Westfalen) gegenüber

Mehr als 10.000 Menschen demonstrierten gegen "Hogesa"

Auf der Bühne von "Köln stellt sich quer" gibt es an diesem Tag ein umfangreiches Musikprogramm. Die Besucher klatschen und singen bei den Auftritten von den Höhnern und Brings. Kölns Ex-Oberbürgermeister Jürgen Roters ruft den Besuchern dann auch noch mal das Attentat auf seine Amtsnachfolgerin Henriette Reker ins Gedächtnis. "Eigentlich müsste sie hier heute stehen und zu euch sprechen", so Roters. "Wir hoffen, dass es ihr schnell wieder besser geht." Viel Applaus brandet auf. Dazu gibt es viele bunte und freundliche Gesänge, ehe sich der Veranstaltungsort zum späten Nachmittag hin immer mehr leert. Nach einem gemeinsam Demonstrationszug Richtung Hauptbahnhof lösen sich die Gegendemonstranten schließlich auf.

Ende bleibt friedlich

Auch auf dem Barmer Platz lichten sich gegen Abend die Reihen. Umzingelt von der Polizei werden die "Hogesa"-Teilnehmer in kleinen Gruppen zu den Bahngleisen geführt. Sortiert wird dabei fein säuberlich nach dem Zielort. "Bitte alle, die nach Paderborn möchten, die Hand heben", hallt es aus dem Polizeilautsprecher und Dutzende Hände steigen in die Höhe. Von den martialischen Parolen des Tages ist da nicht mehr viel zu hören.

Stand: 25.10.2015, 19:43