"Ab in die Grube und zuschütten die Affen"

Demonstranten wollen Braunkohlebagger blockieren

RWE-Mitarbeiter gegen Klimaaktivisten

"Ab in die Grube und zuschütten die Affen"

Von Jürgen Döschner

Die Hass-Postings gegen Flüchtlinge im Internet nehmen zu, besonders auf Facebook. Doch gehetzt wird im Netz nicht nur gegen Ausländer und Flüchtlinge. Auch Umwelt- und Klimaaktivisten im Rheinland sind das Ziel solcher verbalen Attacken.

"Hetze im Internet führt zu Taten", warnte jüngst NRW-Verfassungsschutzpräsident Freier. Anlass waren die zunehmenden Hass-Postings gegen Flüchtlinge im Internet, besonders auf Facebook. Doch gehetzt wird nicht nur gegen Ausländer und Flüchtlinge. Auch Umwelt- und Klimaschützer im Rheinland sind zunehmend das Ziel solcher verbalen Attacken. Auf zwei Facebook-Gruppen, initiiert und überwiegend getragen von Mitarbeitern des Energiekonzerns RWE, finden sich immer häufiger drastische Kommentare gegen Braunkohlekritiker und Klimaaktivisten.

Gruppengründung als Reaktion auf Garzweiler-Proteste

"Immer diese Scheiße Ökoterroristen" oder "Ich hasse dieses dreckige, kriminelle Pack immer mehr! (...) Es wird Zeit sich zu wehren!" lauten zwei von mehreren Postings, wie sie auf den Facebook-Gruppen "Für Braunkohle und Arbeit - gegen Ökoextremismus" und "RWE-Mitarbeiter für eine faire Berichterstattung" zu lesen sind. Gegründet wurden die beiden Facebook-Gruppen Mitte August, nach den großen Braunkohleprotesten in Garzweiler. Und mit jeder neuen Aktion der Klimaaktivisten wurde der Ton in den Kommentaren aggressiver.

Screenshot, Hassposts auf Facebook

"Es wird Zeit das endlich mal zurückgetreten wird, dieses Kriminelle Dreckspack!" oder "Bin für Selbstjustiz - 'smile' " oder "Das sieht man wieder wie asozial diese Berufskranken sind - ab in die Grube und zuschütten die Affen", lauten weitere Posts auf Facebook.

Wo endet Meinungsfreiheit?

Nicht selten wird dabei die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Aufforderung zur Gewalt gegen Menschen überschritten, wird sogar der Tod von Klimaaktivisten bewusst in Kauf genommen. So nach den jüngsten Besetzungen von Braukohlebaggern und der Blockade einer Bahnstrecke in Hambach. "Nix da Vorsicht! Augen zu und durch! Voll rein in die Menge! Wer auf den Gleisen spielt, ist selber Schuld!" und "Wenn die sich festketten einfach den Bagger mal unter Strom setzen…", schrieben Mitglieder der Gruppe.

Screenshot, Hassposts auf Facebook

Im Zusammenhang mit den Hasspostings gegen Flüchtlinge hatte NRW-Verfassungsschutzpräsident Burkhard Freier erst kürzlich eine Verrohung der Sprache im Internet konstatiert. Aus Worten, so hatte er im WDR gewarnt, könnten schnell Taten werden.

RWE nimmt Gruppenleiter in die Pflicht

Die Hasspostings gegen die Klimaaktivisten erhalten zusätzlich dadurch Brisanz, dass sie dem Anschein nach in enger Verbindung zu einem der größten deutschen Unternehmen, der Essener RWE stehen. Die meisten Autoren dieser Kommentare sind RWE-Mitarbeiter, beide Facebook-Gruppen wurden von RWE-Beschäftigten gegründet, eine davon trägt sogar den Namen des Unternehmens im Titel.

Screenshot, Hassposts auf Facebook

Auf Anfrage erklärte das Essener Unternehmen, dass es weder an der Gründung noch am Betrieb der Gruppen beteiligt gewesen sei. Konfrontiert mit den diversen Hass-Kommentaren erklärte das Unternehmen schriftlich, man wolle den Konflikt nicht eskalieren. Den übermittelten Posts gehe man nach. "Die Posts sind als Reaktion hierauf inzwischen durch die Betreiber der Facebook-Gruppen entfernt worden. Mit den Leitern der Facebookgruppen ist diskutiert worden, derartige Posts künftig nicht mehr zu tolerieren", teilte das Unternehmen mit.

Postings der Braunkohlegegner

Natürlich haben auch die Braunkohlegegner ihre Foren im Internet und bei Facebook. Sie heißen zum Beispiel "Für Ökologie und Zukunft, gegen Braunkohle und Egoismus", "Nicht wir - Braunkohle untenlassen, nicht Proteste unterlassen" oder "Hambacher Forst Besetzung". Hier finden sich Posts, die zumindest Gewalt gegen Sachen rechtfertigen, beispielsweise wenn einer der User schreibt: "Ist jetzt kein Vorschlag, aber man könnte ja mal ein bisschen Zeit mit den Leitungsmästen verbringen... Vielleicht nimmt man zu dem Rendezvous einfach mal eine Kettensäge mit".

Screenshot, Hassposts auf Facebook

Allerdings fanden wir in allen drei Facebook-Gruppen bei einer stichprobenartigen Untersuchung keine Postings, die unmittelbar zu Gewalt gegen Personen oder Personengruppen aufforderten. Insgesamt sind dort die User zurückhaltender mit Kommentaren, und wenn, dann beschäftigen diese sich meist mit technischen Hinweisen oder politischen Statements.

Screenshot, Hassposts auf Facebook

Stand: 23.10.2015, 15:46