Polizei holt Aktivisten aus der Erde

Räumung des Hambacher Forstes

Polizei holt Aktivisten aus der Erde

Freitagabend (16.11.2012) um viertel nach elf wurde der seit Tagen unter der Erde verschanzte Besetzer im Hambacher Forst aus seinem Schacht geholt. Er war der letzte verbliebene Aktivist des Camps, das errichtet wurde, um gegen den geplanten Braunkohle-Abbau in dem Waldgebiet zu protestieren.

"Der Mann ist gesund, leidet aber unter einem Erschöpfungszustand", sagte ein Sprecher in der Nacht zum Samstag. Nach Angaben der Polizei hätten die Beamten ihm gut zugesprochen und dann eine "günstige Gelegenheit ergriffen", um ihn aus dem Erdloch zu ziehen. Nach einer Vernehmung bei der Polizei sei der Aktivist noch am Samstag freigelassen worden. Er sei gesund, aber erschöpft, so die Polizei. Die Höhle des Mannes lag sechs Meter tief unter der Erdoberfläche und war nach Angaben der Einsatzkräfte einsturzgefährdet. Alle Versuche der Polizei, ihn auszugraben, waren seit Tagen gescheitert.

Vorwurf: Nötigung und versuchte Körperverletzung

Der 27 Jahre alte Umweltschützer protestierte mit seiner Aktion dagegen, dass bei Niederzier nahe Köln Wald für die Braunkohlegewinnung abgeholzt werden soll. Die Polizei hatte am Dienstag (13.11.2012) mit der Räumung des Camps begonnen. Am Samstag kündigte ein Polizeisprecher an, die Aktion werde für den Aktivisten ein juristisches Nachspiel haben: Dem Mann werde Hausfriedensbruch, Nötigung und versuchte gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Es werde außerdem geprüft, ob der Aktivist für den Großeinsatz bezahlen muss. Die Kölner Staatsanwaltschaft teilte mit, dass gegen den Mann nicht wegen der Gefährdung von Einsatzkräften ermittelt werde.

Erster Bergungsversuch scheiterte

Am Freitagnachmittag war ein erster Versuch der Bergung gescheitert: "Er möchte offenbar nicht von uns gerettet werden", sagte ein Polizeisprecher WDR.de. In dem Moment als die Rettungskräfte einen sicheren Zugang zu dem Erdloch gegraben hatten, habe sich der Aktivist tiefer in den Schacht zurückgezogen. Dabei soll er auch Stützen weggetreten haben, mit denen der Tunnel gesichert war.

Aktion sorgfältig geplant

Offenbar hatte sich der Demonstrant aus Protest gegen den geplanten Braunkohletagebau im Hambacher Forst bereits zu Beginn der Räumung am Dienstag in die selbst gebaute, sechs Meter tiefe Erdhöhle zurückgezogen. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks hatten am Donnerstag eine Hütte bis zum Erdgeschoss abgetragen, die über dem Eingang zu dem Bunker stand.

Aktivist: "Räumungsversuch setzt mein Leben aufs Spiel"

Auch der Aktivist hatte sich zu Wort gemeldet - im Blog der Waldbesetzer. Dort bezeichnete er seine Aktion als "praktizierten Klimaschutz von unten". Die Protestaktion im Hambacher Forst wendet sich gegen den dort geplanten Braunkohletagebau. Am Dienstag hatten mehrere Hundertschaften der Polizei damit begonnen, das Gelände zu räumen, in dem seit April 2012 Umweltschützer ausharren. Außer dem Mann, der sich noch in dem Bunker befand, hatte die Polizei alle Demonstranten entfernt. Der Wald soll gerodet und an den Energiekonzern RWE übergeben werden, um die Fläche für den Braunkohleabbau zu erschließen.

Stand: 17.11.2012, 10:49

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