Der Hafen von oben

Den besten Blick auf den Hafen gibt es vom Verladekran

Der Hafen von oben

Von Frank Wolters

Wenn er morgens mit der Arbeit anfängt, schaut sich Abdelghani Boutahiri erst mal einen Moment lang die Gegend an. Den Ausblick aus rund 20 Metern Höhe über den Duisburger Hafen hat nicht jeder.

Abdelghani Boutahiri klettert die Leiter zum Führerhaus hinauf

Dieser Weg zum Arbeitsplatz ist nicht leicht

Bis Abdelghani Boutahiri allerdings in der gläserenen Fahrerkanzel angekommen ist, dauert es eine Weile. Bei Wind und Regen muss er nämlich die steile Treppe rauf. "Wenn es windig ist, brauche ich schon viel Kraft. Ein anstrengender Weg". Und er muss ihn mehrmals am Tag gehen. Denn hier oben gibt es weder Kaffeemaschine noch Toilette.

Präzisionsgerät Kran

Abdelghani Boutahiri schaut vom Führerhaus auf die Stahlträger hinab

Abdelghani Boutahiri verlädt Stahlträger

Die Logistikfirma Haeger und Schmidt hat sich auf Stahltransport spezialisiert. Der Kran kann bis zu 50 Tonnen Gewicht heben. Federleicht sieht es aus, wenn Abdelghani Boutahiri Stahlträger anhebt, sie hin und her fährt, den Kran dabei dreht und die Last zentimetergenau da ablädt, wo sie hin soll. Dabei sitzt er in einer High-Tech-Kabine, alles ist computergesteuert, es gibt eine Klimanlage - ein viel Millionen Euro teures Präzsionsgerät.

Geduld und ein gutes Auge

Per Funk bekommt der Kranführer seinen Aufträge. Die Stahlträger sind für einen Kunden in Norwegen bestimmt. Wofür genau, weiß Abdelghani Boutahiri nicht, aber: "Wir haben hier schon viel für den Bohrinselbau verladen." Weil der Rhein immer noch Niedrigwasser führt, hat sich allerdings das Schiff verspätet, auf das die Stahlträger verladen werden sollten. Sie müssen jetzt auf dem Gelände so sortiert werden, dass Platz für die nächste Ladung ist. Dafür braucht Boutahiri viel Geduld und ein gutes Auge. Damit unten alles passt.

Verantwortung und Spaß

Abdelghani Boutahiri steht vor dem Führerhaus

Abdelghani Boutahiri macht seine Arbeit Spaß

Abdelghani Boutahiri hat viel Verantwortung. Er muss immer die Kollegen im Auge behalten, gleichzeitig auf den Wind achten und den Kran nicht zu schnell bewegen. Aber Feinarbeit kennt er ja: Der Deutschmarrokaner ist nämlich gelernter Friseur. "Das war aber nichts mehr für mich. Ich wollte was ganz anderes machen. Und das hier macht mehr Spaß", sagt Abdelghani Boutahiri, der Mann ganz oben.

Stand: 08.01.2016, 10:26