Wie Haare helfen können

Einer Frau wird eine Perücke aufgesetzt

Wohltätige Haar-Spendenaktion in Dinslaken

Wie Haare helfen können

Von Birgit Pasz

Würden Sie für den guten Zweck spenden? Viele denken jetzt an Geld oder Sachspenden. Man kann aber auch Haare spenden. Ja, Haare. Damit Perücken für Menschen hergestellt werden, die wegen Krankheiten keine eigenen Haare mehr haben. In Dinslaken läuft gerade eine Spendenaktion.

Es gibt viele Menschen, die auf eine Perücke angewiesen sind, weil sie keine Haare haben. Sie haben vielleicht eine Chemotherapie hinter sich oder leiden an krankhaftem Haarausfall. Um für sie möglichst natürlich aussehende Perücken herzustellen, sind Perückenmacher auf Haarspenden angewiesen. Am Berufskolleg in Dinslaken haben jetzt zwei Lehrerinnen eine Haarspendenaktion gestartet.

"Sind Sie sicher?"

Lehrerin lässt sich die Haare schneiden

Lehrerin Katja Grappa will helfen

Lehrerin Katja Grappa rutscht etwas unsicher in dem Friseurstuhl herum. Sie hat sich entschlossen, ein gutes Stück ihrer langen Haare zu spenden. Der Friseur hinter ihr bemerkt das: "Frau Gappa, sind Sie sicher, dass Sie das machen möchten?" Und Frau Grappa antwortet: "Ja, auf jeden Fall!" Und ab ist der etwa 30 Zentimeter lange Zopf. Die umstehenden Lehrer und Schüler klatschen Beifall. Es ist ja auch für den guten Zweck.

Mut beweisen

Schülerin schaut sich ihren abgeschnittenen Zopf an

Und ab ist er! Der Zopf, der anderen helfen soll.

Mut beweisen heute nicht nur die Lehrerinnen. Tatsächlich spenden auch einige Schülerinnen ihr Haar für den guten Zweck. Zum Beispiel Carina Karußeit: "Ich hab die früher oft kurz getragen, auf Kinnlänge. Deswegen ist das nichts Neues."

"Eine tolle Sache"

Abgeschnittene Zöpfe liegen auf einem Tisch

Etwa 200 Gramm Haar braucht man für eine Perücke

Auf einem Tisch liegen rund 25 Zentimeter lange Zöpfe in allen möglichen Farben. Es ist schon einiges zusammen gekommen. Die Initiatorinnen wollen möglichst viele Menschen erreichen. Sie haben in sämtlichen Salons im Kreis Wesel Plakate aufgehängt. Doris Hecheltchen-Niesen ist eine der Initiatorinnen: "Es haben sich ehemalige Auszubildende gemeldet, die fleißig sammeln oder sammeln werden. Es ist eine tolle Sache. Es macht richtig viel Spaß."

200 Stunden pro Perücke

Frauen fertigen Perücken an

Mühevolle Arbeit: Perückenknüpfen

Die Perücken werden in einer Firma geknüpft, die darauf spezialisiert ist. Max Riewiek ist Perückenmacher in fünfter Generation. Es liegt ihm sehr viel daran, mit seinen Perücken kranken Menschen ein Stück Normalität zurück zu geben. "Das Besondere an einer Echthaarperücke ist, dass die Natürlichkeit der Frisur hundertprozentig ist", erklärt er. "Das Gefühl, echte Haare auf dem Kopf zu haben, ist gegeben." An einer Perücke arbeitet Max Rieswick im Schnitt 200 Stunden. Für die gespendeten Zöpfe überweist der Perückenmacher als Dank Geld an den Verein Gänseblümchen, der krebskranke Kinder unterstützt.

"Ohne Haar fühlt man sich nackt"

Nicole Schönebeck ist auf so eine Perücke angewiesen. Sie leidet an kreisrundem Haarausfall. Manchmal wachsen ihre Haare stellenweise wieder, dann fallen sie wieder aus. Alle zwei Jahre benötigt sie eine neue Perücke. Heute ist es wieder soweit. "Ohne Haar fühlt man sich nackt. Und mit der Perücke ist das, als wenn man angezogen ist. Man fühlt sich einfach wesentlich wohler."

Aktion noch bis Ende des Jahres

Einer Frau wird das Haar abgeschnitten

Diese Haare werden helfen

Wohl fühlen werden sich wahrscheinlich auch die, die ihre Zöpfe für den guten Zweck gespendet haben. Lehrerin Katja Gappa ist auf jeden Fall mit ihrer neuen Frisur zufrieden. Wenn Sie auch spenden möchten - noch bis Ende des Jahres können Zöpfe am Berufskolleg in Dinslaken abgegeben werden.

Stand: 21.10.2015, 10:10