Morgens niesen, abends röcheln

Volle Arztpraxen wegen grippaler Infekte

Morgens niesen, abends röcheln

Er hat Halsschmerzen, die Stimme ist weg, die Nase ist zu, der Husten reizt und die Glieder schmerzen: So wie dem Mann aus Littfeld geht es zurzeit vielen Menschen. Die Arztpraxen sind voll.

Mann gibt Krankenkarte in Praxis ab

Krank feiern oder sich auf die Arbeit schleppen?

Bei Joachim Büchler aus Kreuztal-Littfeld geht gar nichts mehr. Er hat, wie derzeit viele Menschen in der Region, einen typischen Atemwegsinfekt. Der breitet sich besonders schnell aus und überträgt sich durch Tröpfcheninfektionen. Schon am Wochenende ging es dem 45-Jährigen nicht gut, am Montag war er schon nicht mehr auf der Arbeit, am Dienstag hat er einen Arzt aufgesucht.

Volle Arztpraxen

Arzt tastet Hals von Patient ab

"Tut's da weh?"

So wie bei Dr. Klaus Mertens sieht es zurzeit in fast allen Arztpraxen aus: Volle Wartezimmer und lange Wartezeiten. Allein am Montag (01.02.2016) kamen in die Praxis nach Kreuztal-Krombach 260 Patienten. Für Dr. Klaus Mertens bedeutet das Überstunden und einen Zwölf-Stunden-Tag.

"Oft sind es virale Infekte. Die Patienten wollen sehr häufig ein Antibiotikum, aber das ist nicht immer die richtige Therapie", so der Mediziner. Einen Termin bekommt bei Weitem nicht mehr jeder Patient direkt am selben Tag. "Wir überprüfen schon ganz genau, was wirklich tagesaktuell sein muss und welche Krankheiten auch in ein, zwei Tagen noch behandelt werden können."

Krank schreiben nur wenn nötig

Der Trend zum Krankschreiben ist deutlich zurückgegangen. Viele Patienten sind sehr bemüht, ihren Arbeitsplatz möglichst schnell wieder aufzusuchen. "Die soziale Verantwortung spüren wir oft", bemerkt Mertens. Der Arzt schreibt bewusst nur zwei, drei Tage krank und vereinbart dann erst einmal einen neuen Termin – längere Krankschreibungszeiten sind bei solchen Symptomen eher die Seltenheit.

Schlangen auch in den Apotheken

Kunde, Mitarbeiter in der Apotheke

Finger weg von Antibiotika!

Auch die Apotheken sind voll. In der Siegener Engel-Apotheke stehen fünf Mitarbeiterinnen hinter dem Tresen und versorgen die Kunden mit Arzneimitteln. "Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen oder trockener Reizhusten werden jetzt wieder deutlich häufiger", bemerkt Benjamin Stimming, Pharmazeutisch-Technischer Assistent in der Siegener Apotheke.

Er geht am liebsten die Ursachen an: "Aufputschen ist auf Dauer die falsche Variante. Leider wollen das viele Patienten, aber wir versuchen aufzuklären und entsprechend zu beraten." Stimming rät eher zur Stärkung des Immunsystems: "Dauerhaft hilft das am ehesten."

Erkältung trotz milder Temperaturen

Es ist nicht kalt, aber dafür nass und windig. Viele Menschen sind zwar warm angezogen, schwitzen bei den milden Temperaturen aber schneller und holen sich dabei einen viralen Infekt. So ist es wohl auch Joachim Büchler passiert.

Klaus Mertens diagnostiziert bei seinem Patienten einen klassischen grippalen Effekt mit Rachenentzündung – es ist aber nichts, was antibiotisch behandelt werden muss. Er verschreibt ein übliches Grippemittel, um Kopf- und Gliederschmerzen einzudämmen und Fieber zu senken. Ansonsten: die Nasen- und Rachenwege freihalten, viel trinken, Kräuterbonbons lutschen, die Schleimhäute anfeuchten, und einfach mal einige Tage zu Hause bleiben.

Stand: 03.02.2016, 09:06