Bessere medizinische Versorgung für Flüchtlinge

Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Gesundheitskarte für Asylbewerber

Bessere medizinische Versorgung für Flüchtlinge

  • Start in Alsdorf, Bonn, Bochum, Gevelsberg, Monheim und Mülheim
  • Wermelskirchen, Oberhausen und Sprockhövel wollen folgen
  • Städte wie Duisburg und Erkrath lehnen die Gesundheitskarte ab

Sechs Kommunen in NRW versichern zu Jahresbeginn bei ihnen untergebrachte Flüchtlinge direkt bei einer Krankenkasse. Alsdorf, Bonn, Bochum, Gevelsberg, Monheim und Mülheim wollen bereits ab Freitag (01.01.2016) die neuen Gesundheitskarten für Flüchtlinge einführen. Noch läuft die Produktion der Plastikkarten mit einem Foto der Versicherten allerdings noch. Bisher mussten Asylbewerber vor dem Arztbesuch noch einen Behandlungsschein beantragen. Dabei mussten städtische Mitarbeiter - ohne eine medizinische Ausbildung - entscheiden, ob eine akute Erkrankung vorliegt und ein Arztbesuch erforderlich ist und später auch die einzelnen Arztrechnungen prüfen. Diese Prozedur soll in Zukunft wegfallen. Drei weitere Städte haben die Einführung der Gesundheitskarte vorerst verschoben: Wermelskirchen ist erst am 1. Februar dabei, Oberhausen und Sprockhövel wollen zum 1. April folgen. Zu diesem Termin wollen unter anderem auch Düsseldorf und Herdecke mitmachen, ergab eine aktuelle Umfrage bei den Städten. Wann die Gesundheitskarte in weiteren NRW-Kommunen ausgegeben werden kann, ist derzeit noch unklar.

Manche Städte lehnen Einführung ab

Einige NRW-Städte haben dagegen Bedenken, ob die Gesundheitskarte tatsächlich zu der versprochenen finanziellen Entlastung führt. Insbesondere die Behandlungskosten könnten zu einem unkalkulierbaren Risiko werden, wenn die örtlichen Behörden nicht mehr überprüften, ob die gewährte ärztliche Leistung unbedingt notwendig ist, lautet die Kritik aus mehreren Rathäusern. Auch die von den Krankenkassen erhobenen Gebühren seien viel zu hoch angesetzt, so der Vorwurf. Gewöhnlich verlangten die Kassen von den Städten eine Verwaltungsgebühr in Höhe von acht Prozent der entstandenen Behandlungskosten, heißt es zum Beispiel in einem Verwaltungspapier der Stadt Erkrath. Dieser Betrag stehe in keinem Verhältnis zum Leistungsvolumen. Schließlich fürchten die Städte, dass die Umstellung selbst so aufwändig wird, dass sie in der Übergangszeit zusätzliches Personal abstellen müssen. In Duisburg, Euskirchen und Erkrath soll deshalb vorerst alles beim Alten bleiben. Wenn andere Kommunen gute Erfahrungen mit der Gesundheitskarte machen, könne man auch noch später einsteigen, heißt es dort.

Die meisten Kassenleistungen sind gedeckt

Das Land hatte Ende August die neue Krankenversicherung für Flüchtlinge und Asylbewerber beschlossen. Dadurch sollen die bisher allein für die Behandlungskosten zuständigen Städte entlastet werden. Die Karte selbst unterscheidet sich dabei kaum von anderen Krankenkassenkarten. Die Patientendaten sind auf einem Chip gespeichert, es gibt ein Foto des Inhabers, und die Ärzte rechnen die Behandlung direkt mit der Kasse ab. Der Leistungsumfang ist im Asyl-Gesetz geregelt. Enthalten sind nahezu alle regulären medizinischen Behandlungen, die auch anderen Kassenpatienten zustehen. Besondere Leistungen wie Zahnersatz oder bestimmte Vorsorge-Behandlungen sind nicht gedeckt.

Gesundheitsministerium will System nach sechs Monaten prüfen

Gesundheitsministerin Barbara Steffens

Gesundheitsministerin Steffens will prüfen, ob sich das System bewährt

Bezahlt wird die Behandlung von den Kommunen, so wie jetzt auch. Liegen die tatsächlichen Kosten plus Verwaltungsaufwand höher, müssen die Kommunen nachzahlen. Sind die Kosten niedriger, erhalten sie Geld zurück. Nach einem halben Jahr will Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) prüfen, ob sich das System bewährt hat. Wann die Karte eingeführt wird, hängt von den Kommunen ab. Sie müssen einen entsprechenden Beschluss fassen und einen Vertrag mit einer Krankenkasse abschließen.

Ärztepräsident: Flüchtlinge überdurchschnittlich gesund

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, hält die Befürchtungen vor einer Überforderung des Gesundheitssystems durch Flüchtlinge für falsch, das sagte er der Zeitung "Die Welt". Die Flüchtlinge seien in der Regel überdurchschnittlich gesund, ihre Impfbereitschaft hoch. "Sie schleppen keine Infektionskrankheiten ein, und es kommen keine chronisch Kranken", betonte der Ärztevertreter. Die durchschnittlichen Gesundheitskosten lägen pro Flüchtling bei 2.300 Euro - 600 Euro weniger als bei einem Deutschen, so Montgomery. Wegen des geringeren Verwaltungsaufwands hält Montgomery die Gesundheitskarte für Flüchtlinge für sinnvoll.

Stand: 31.12.2015, 11:24