Das finanzielle Risiko bleibt

Das Deutsche Fußballmuseum von außen.

Bislang 22.000 Besucher im Fußballmuseum in Dortmund

Das finanzielle Risiko bleibt

Von Jürgen Kleinschnitger

Für die Stadt Dortmund bleibt das Deutsche Fußballmuseum ein finanzielles Risiko. Denn sie haftet weiterhin unbegrenzt bei Verlusten. Warum diese Klausel nicht - wie angekündigt - aufgehoben wurde, bleibt offen.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau sieht jedoch keinen Grund, Druck auf den DFB zu machen. Schließlich sei der erste Monat gut angelaufen. Das DFB-Fußballmuseum in Dortmund ist seit vier Wochen geöffnet - und bislang wurden 22.000 Tickets verkauft. Kein Überraschungsstart, aber ein ordentlicher erster Monat, der Stadt und DFB zuversichtlich stimmt, dass das Museum ein wirtschaftlicher Erfolg wird. Den braucht vor allem die Stadt Dortmund. Denn anders als der DFB haftet die Stadt bei einem Defizit unbegrenzt. Für diese Klausel im Vertrag hatte vor allem die Stadt viel Kritik einstecken müssen.

Stadt haftet unbegrenzt

Sierau hatte noch vor vier Wochen bei der Eröffnung des Museums angekündigt, die so genannte Risikoklausel werde gestrichen. Doch auf der Gesellschafter-Versammlung zwischen Stadt und DFB konnte man sich nicht darauf einigen. Damit gilt weiterhin: Schreibt das Museum Verluste, zahlt der DFB maximal 250.00 Euro, die Stadt haftet unbegrenzt.

"Wir lernen jeden Tag dazu"

Mit den 22.000 verkauften Tickets sind Stadt und DFB jedoch ganz zufrieden - auch wenn die Zahl etwas unter den Erwartungen liegt. Denn rechnet man dieses erste Monatsergebnis auf ein Jahr hoch, dann käme man auf etwa 250.000 Besucher pro Jahr. Damit läge man – wenn auch knapp - unter den erhofften 270.000 Besuchern. Aber, so Geschäftsführer Manuel Neukirchner, man dürfe den ersten Monat auch nicht überbewerten. "Wir lernen jeden Tag dazu", sagte er dem WDR. Stärker werden müsse man jedoch noch bei Gruppenangeboten und beim Tourismusgeschäft.

Auch Vermietungen sollen helfen

Deutsches Fußballmuseum

Das Fußballmuseum ist vom Bahnhof aus nicht zu übersehen

Für das Museum gibt es zwar einen Business-Plan, aber zu den genauen Inhalten haben sich Stadt und DFB bislang nie öffentlich geäußert. Allerdings haben sie Details zu den Einnahmequellen genannt. Viel Geld sollen Sponsorengelder bringen, aber auch Erlöse, die aus der Vermietung etwa durch größere Firmen-Feiern erzielt werden. Und auch zahlende Besucher sollen zur Finanzierung beitragen. Die Schätzung aus dem Jahr 2009 kam zu dem Ergebnis, dass das Museum mit 270.000 Besuchern deutlich im Plus sei. Damals hatte man noch mit neun Euro durchschnittlichen Ticketpreisen gerechnet. Jetzt aber spült jeder Besucher durchschnittlich 12,34 Euro in die Museumskasse. Das ist deutlich mehr als anfangs kalkuliert. Damit würde sich das Museum vermutlich auch mit knapp 200.000 Besuchern finanziell tragen. Vorausgesetzt die Betriebskosten schießen nicht nach oben.

Viele Kompromisse

In der Vergangenheit war immer wieder von ungleichen Partnern die Rede, und dass die Stadt viele Kompromisse - vor allem finanzielle - eingegangen sein soll, um das Museum nach Dortmund zu holen. Trotz aller Kritik, etwa vom Steuerzahlerbund, hat sich daran wenig geändert. Bei der Gesellschafter-Versammlung am Donnerstag (19.11.2015) wurde deutlich: Stadt und DFB sitzen zwar an einem Tisch, aber den Takt gibt der DFB vor. Oder besser gesagt, der DFB sitzt am längeren Hebel, ob die für die Stadt unbequemen Klauseln aus dem Vertrag neu vereinbart werden.

Zu wenig Sponsoren

Miniatur des Olympiastadions in Rom.

Eines der Ausstellungsstücke: Eine Miniatur des Olympiastadions in Rom mit Nachstellung des WM-Finales

Beispiel Sponsorengelder. Die Stadt hatte nicht - wie vertraglich - zugesichert, 350.000 Euro bei lokalen Werbepartnern eingesammelt, sondern nur 250.000. Der DFB willigte an diesem Tag ein, dass nicht die Stadt diese fehlenden 100.000 Euro jährlich zahlen muss, sondern der DFB. Allerdings war auch der DFB mit verantworltich dafür, dass die Stadt nicht genug Sponsor-Partner gefunden hatte, weil er an vielen Sponsoren-Vorschlägen etwas auszusetzen hatte - etwa bei Autofirmen oder Versicherungen. Deshalb gibt es nur einen einzigen privatwirtschaftlichen Sponsor aus Dortmund. Und zwei Konzerne, die jedoch - zumindest zu großen Teilen - der Stadt Dortmund gehören.

Ob zukünftig andere Kulturprojekte in Dortmund darunter leiden, weil städtische Firmen weniger Geld für Kultur geben - etwa für das Konzerthaus - ist offen, erscheint aber wahrscheinlich.

Stand: 24.11.2015, 14:06