Straftäter nutzte heimlich EC-Karte

Eine Person hält sich von innen an einem Fenstergitter fest

Neue Erkenntnisse zur Flucht von Peter B.

Straftäter nutzte heimlich EC-Karte

Von Judith Koch

Nach viertägiger Flucht ist der Sexualstraftäter Peter B. am Samstag (23.01.2016) gefasst worden. Viele Fragen sind noch offen: Hatte er seine Flucht geplant? Wieso konnte er eine EC-Karte mit sich führen? Welche Folgen hat seine Flucht jetzt für ihn persönlich und mit welchen Konsequenzen müssen die beiden JVA-Beamten, die ihn beaufsichtigt hatten, rechnen?

Peter B. war am vergangenen Mittwoch (20.01.2016) während seiner Ausführung in Köln zwei JVA-Beamten während eines Toilettengangs entwichen. Er konnte am vergangenen Samstagmittag (23.01.2016) nach seiner viertägigen Flucht in einem Fahrradgeschäft in Brühl bei Köln gefasst werden. Zuletzt hatte er in der JVA Aachen in Sicherungsverwahrung gesessen. Inzwischen wurde er in der JVA in Werl untergebracht.

EC-Karte heimlich mitgenommen

Der 58-Jährige war in einem Fahrradgeschäft in Brühl gefasst worden, wo er mit seiner EC-Karte ein Fahrrad gekauft hatte. Peter B. habe in der JVA Aachen in einer Beschäftigungsmaßnahme im Monat rund 600 Euro verdient, so Reina Blikslager, Leiterin der JVA Aachen. Dass er in Besitz einer EC-Karte gewesen sei, habe man jedoch nicht gewusst. Grundsätzlich dürften Sicherungsverwahrte eine EC-Karte besitzen und diese auf Antrag bei Ausführungen auch mitnehmen, sagte Blikslager dem WDR. Dass die Mitnahme der Kontokarte allerdings ein Indiz für eine länger geplante Flucht sei, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch "reine Spekulation", so die Leiterin der JVA Aachen.

Die Flucht selbst ist keine Straftat

Doch mit welchen Konsequenzen muss Peter B. jetzt rechnen? Flieht ein Täter aus der Sicherungsverwahrung, so wie Peter B. bei seiner Ausführung in Köln, gilt dies zunächst nicht als Straftat. Nur, wenn der Flüchtige auf der Flucht eine Straftat begeht, kann er dafür auch erneut bestraft werden. Peter B. bestreitet, auf seiner Flucht ein weiteres Sexualdelikt begangen zu haben. Wie der Sprecher der Bonner Polizei mitteilte, war eine 21-jährige Frau aus Bornheim am Freitagabend von einem Mann sexuell belästigt worden. Die Polizei hatte nicht ausgeschlossen, dass es sich bei dem Täter um Peter B. gehandelt haben könnte, weil einige äußere Merkmale wie die Körpergröße dazu passten. Es werde dennoch weiterhin in alle Richtungen ermittelt, so die Polizei am Montag (25.01.2016).

Konsequenzen für die Sicherungsverwahrung

Die Flucht von Peter B. kann Konsequenzen für künftige Ausführungen nach sich ziehen: Nach Angaben von Detlef Feige, Pressesprecher des NRW-Justizministeriums, könnten sich die Auflagen dahingehend verschärfen, dass er beispielsweise Fesseln tragen müsse. Ihm die Ausführungen zu verwehren, sei sehr schwierig, er könnte dagegen klagen. Grundsätzlich müsse ein Sicherungsverwahrter "zur Aufrechterhaltung der Lebensfähigkeit" pro Jahr mindestens vier Ausführungen machen.

Eine Person steckt in eine rote Sicherheitstür einen großen Schlüssel.

Peter B. ist jetzt in der JVA Werl

Welche konkreten Folgen Peter B. zu erwarten hat, werden Gutachter in der JVA Werl jetzt entscheiden. Er wird nach Angaben der dortigen JVA-Leitung weiterhin geschlossen untergebracht werden. Vorerst darf er keine Ausführungen mehr unternehmen. Er wird dennoch, wie gesetzlich vorgeschrieben, dieses Jahr insgesamt vier dieser Maßnahmen in Anspruch nehmen dürfen. Allerdings soll er während der Ausführungen Fesseln tragen.

Flucht hat auch Folgen für die beiden JVA-Beamten

Gegen die beiden JVA-Beamten, denen Peter B. in einem Kölner Brauhaus entwischt war, hat die Leiterin der JVA Aachen, Reina Blikslager, vergangene Woche Strafanzeige erhoben. Aktuell wird geprüft, ob sich die beiden Beamten der Gefangenenbefreiung strafbar gemacht haben, indem sie Peter B. ohne Aufsicht zur Toilette des Brauhauses gehen ließen. Beide Beamten sind weiterhin im Dienst, dürfen vorerst aber keine Ausführungen mehr begleiten.

Stand: 26.01.2016, 10:30

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