Nach Chaos am Airport Düsseldorf

Koffer neben Sitzreihe

Nur Mehl statt Drogen im herrenlosen Koffer

Nach Chaos am Airport Düsseldorf

Sprengstoff? Nein. Drogen? Auch nicht. Der verdächtige Koffer, der am vergangenen Dienstag (24.09.2013) den Düsseldorfer Flughafen lahmgelegt hatte, enthielt laut Polizei lediglich "Mehl sowie eine dunkle Gewürzmischung". Die Justiz streitet, ob weiter gefahndet werden darf.

140 Flüge fielen aus, zehntausende Passagiere blieben am Boden: Der Großalarm wegen eines verdächtigen Koffers, der am vergangenen Dienstag (24.09.2013) am Düsseldorfer Flughafen gefunden wurde, hatte weitreichende Folgen. Die Ermittler waren zunächst von einer Bombe ausgegangen und sperrten den Flughafen zur abendlichen Hauptreisezeit komplett ab. Tausende Reisende mussten das Gebäude verlassen, Dutzende Flüge wurden umgeleitet. Erst nach drei Stunden kam die Entwarnung: Der Koffer enthalte keinen Sprengstoff, sondern Rauschgift: "Nach der Öffnung des Koffers konnten drei Pakete mit jeweils drei Kilogramm synthetischer Drogen gefunden werden. Eine vorläufige Analyse ergab, dass es sich um Amphetamin handeln könnte", hieß es noch vergangene Woche in einer Mitteilung der Polizei.

Polizei muss zurückrudern

Reisende warten am 24.09.2013 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) vor einem Parkhaus am Flughafen Düsseldorf. Das Terminalgebäude wurde nach dem Fund eines herrenlosen Gepäckstückes geräumt.

Das Rätsel um den Koffer von Düsseldorf geht weiter

Auch dieser Verdacht war falsch. Schon am Freitag ruderten die Ermittler zurück und meldeten, dass sich der Verdacht auf ein mögliches Drogendelikt nicht bestätigt habe. Am Dienstag (01.10.2013) teilte die Düsseldorfer Polizei nun mit, dass es sich bei den Substanzen in dem Koffer "um Mehl sowie eine dunkle Gewürzmischung" handelte. "In dem herrenlosen Koffer befanden sich drei Pakete mit jeweils circa drei Kilogramm einer weißen Pulversubstanz sowie ein Beutel mit dunklem Pulver. Erste Vortests hatten zunächst den Hinweis auf synthetische Drogen ergeben", hieß es. Wissenschaftler des Kriminaltechnischen Instituts (KTI) beim Landeskriminalamt hätten den Inhalt im Labor jetzt aber korrekt analysiert. Von einer Polizeipanne wollen die Düsseldorfer Ordnungshüter dennoch nicht sprechen. "Der Drogenschnelltest war ja angeschlagen. Darum waren vermutlich Drogenreste an dem Koffer", sagte ein Polizeisprecher zu WDR.de.

Amtsgericht: Wohl keine erhebliche Straftat

Die Polizei sucht weiter nach der Person, die den Koffer am Flughafen abgestellt hat. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüfe "eine Strafbarkeit des Sachverhaltes und das Vorliegen der Voraussetzungen für eine Öffentlichkeitsfahndung", teilte die Polizei weiter mit. Nach Angaben eines Behördensprechers liegen Aufnahmen der Flughafen-Videoüberwachung vor, auf denen eine verdächtige Person im Zusammenhang mit dem Koffer zu sehen sei. Eine öffentliche Fahndung mit diesem Video lehnte das Amtsgericht am Mittwoch (02.10.2013) ab. Es gebe keine ausreichenden Verdachtsmomente für eine erhebliche Straftat. Die Staatsanwaltschaft will gegen diese Entscheidung nun Beschwerde beim Landgericht Düsseldorf einlegen, wie ein Sprecher mitteilte.

Testversuch von Drogenschmugglern?

Es stellt sich vor allem die Frage, wer einen Koffer mit drei Paketen voller Pulver und einem Handy-Ladekabel in der Flughafen-Abflughalle deponiert. Drei Theorien sind im Umlauf. Erstens: Der Unbekannte wollte Chaos auslösen. Einen ähnlichen Fall hatte der Flughafen vor einigen Jahren, als eine Studentin Bombendrohungen absetzte, weil sie nicht mehr mit ihrem Freund in Urlaub fliegen wollte. Zweite Version: Ein Drogendealer führt einen anderen mit wertlosem "Stoff" hinters Licht oder versucht dies zumindest. Die "Ware" wird einfach stehen gelassen. Dritte Version: Drogendealer wollen einen neuen Schmuggelweg oder einen neuen Schmuggler testen und beladen den Koffer als "Testballon". Aus irgendeinem Grund bleibt dieser dann im Airport stehen. Ein Polizeisprecher bezeichnete alle drei Theorien als "denkbar".

Stand: 02.10.2013, 14:59

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