Schwere Vorwürfe gegen European Homecare

European Homecare

Skandal um Misshandlung von Flüchtlingen

Schwere Vorwürfe gegen European Homecare

Das Unternehmen European Homecare wusste von Gewalt gegenüber Flüchtlingen in den von ihm betriebenen Flüchtlingsheimen, schlimmer noch: Es war mit daran schuld. Das sagen Mitarbeiter verschiedener Sicherheitsfirmen, mit denen das WDR-Magazin "WESTPOL" gesprochen hat.

Das Magazin hatte bereits in der vergangenen Woche auf die Missstände in mehreren Flüchtlingsheimen hingewiesen, die im Auftrag der Bezirksregierung Arnsberg von European Homecare betrieben werden. In der Sendung vom Sonntag (05.10.2014) kommen jetzt Mitarbeiter der Subunternehmen zu Wort, die von European Homecare als Wachdienst eingesetzt werden. Das Personal von European Homecare (EHC) sei "total unqualifiziert", lautet ein Vorwurf. Mitarbeiter der Sicherheitsfirmen würden betreuerische Aufgaben übernehmen, EHC würde auch Sicherheitspersonal abwerben und als Betreuer einsetzen.

Stadt Dortmund: Betreuer sind ausgebildete Kräfte

Bereits vor einer Woche hatte eine Sprecherin von European Homecare gegenüber WESTPOL zugegeben, dass die vorgeschriebenen Standards und der Personalschlüssel zurzeit nicht eingehalten werden können. Dagegen betonte beispielsweise Dortmunds Sozialdezernentin Birgit Zoerner in der Lokalzeit am 29. September, in der von European Homecare für die Stadt betriebenen Flüchtlingssiedlung in Dortmund würde klar zwischen Sicherheits- und Betreuungspersonal unterschieden: "Die Wachdienstfirmen sind nicht diejenigen, die mit den traumatisierten Menschen umgehen. Dafür haben wir 17 Leute, die von European Homecare direkt beschäftigt sind. Das sind Sozialpädagogen, das sind Menschen, die soziale Arbeit leisten, die dafür eine Ausbildung haben, das ist medizinisches Personal."

Nachts auf die Straße gesetzt

Ein weiterer Vorwurf, den die Mitarbeiter der Sicherheitsfirmen gegenüber WESTPOL erheben: European Homecare wisse von den Sanktionen, mit denen Flüchtlinge bestraft würden, wenn sie gegen Regeln verstießen. Das Unternehmen würde dafür sogar Anweisungen geben. So würden etwa in Essen Flüchtlinge nachts auf die Straße gesetzt. Flüchtlinge aus der Noteinrichtung in Essen hatten der Lokalzeit Essen bereits am 1. Oktober berichtet, dass sie vom Sicherheitspersonal grundlos geschlagen worden seien und anschließend draußen vor dem Haus hätten übernachten müssen.

Keine Stellungnahme vom Heimbetreiber

WESTPOL konfrontierte European Homecare mit den neuen Vorwürfen. Das Unternehmen sah sich bis heute aber "nicht in der Lage, dazu Stellung zu nehmen". Zu Wort meldete sich indes "Pro Asyl":  Man dürfe sich nicht auf die Rolle der Sicherheitsdienste allein konzentrieren, und: Es müsse sicher gestellt sein, dass die betroffenen Flüchtlinge ein sofortiges Bleiberecht bekämen. Denn nur dann, wenn sie keine Angst vor Abschiebung haben müssten, würden sie bereit sein, als Zeugen vor Gericht aufzutreten.

Stand: 05.10.2014, 16:59

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