Der Sport sucht nach Lösungen

Flüchtlinge in Turnhallen

Der Sport sucht nach Lösungen

Von Stefan Göke

Die Unterbringung von Flüchtlingen in Sporthallen stellt die Vereine vor große Probleme, weil Training und Wettkämpfe nicht mehr möglich sind. Der Landessportbund NRW sucht daher nach Lösungen.

Der Landessportbund hatte am Montag (02.11.2015) zu einem ersten runden Tisch nach Essen geladen. Und dort verkündet, dass die Anzahl der Hallen, in denen Flüchtlinge untergebracht sind, bis Weihnachten von jetzt 400 auf 600 in NRW steigen könnte. Verbandsfunktionäre und Vertreter der Sportbünde aus Dortmund, Duisburg, Ennepe-Ruhr-Kreis und Gelsenkirchen waren sich einig: man muss die Vereine intensiver beraten, um alternative Räumlichkeiten wie Gemeindesäle zu finden und zur Verfügung zu stellen. Denn die Situation in den Städten ist alarmierend: laut Landessportbund haben Vereine teilweise bis zu 30 Prozent ihrer Mitglieder verloren. In Dortmund müssen bis Weihnachten 200 Ligaspiele in verschiedenen Sportarten verlegt werden.

"Wir wollen nicht, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippt"

Um Missverständnissen gleich vorzubeugen, machten alle betroffenen Sportvereine eines deutlich:  "Die Flüchtlinge sind willkommen. Wir wollen ja gerade nicht, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippt", sagt etwa Lazar Simikic, Vereinschef des TV Kupferdreh in Essen vor dem Runden Tisch. Man weiß auch, wie schwierig die Lage für die Kommunen ist. Nur seien die Hallen schlicht der falsche Ort. Für den Verein von Simikic aus Kupferdreh etwa fiel von heute auf morgen die Sporthalle im Stadtteil weg, die Kommune benötigte die Halle für die Unterbringung von Flüchtlingen.

600 Sportler des Clubs können dort bis etwa Februar weder trainieren noch Wettkämpfe austragen. Handballer, Turner, Kampfsportler, sie alle müssen ausweichen – in weit entfernte Hallen in der Stadt, Taekwondo findet gar in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Gaststätte statt. Der Verein sieht das Vereinsleben in Gefahr. Und mehr noch: "Der Breitensport ist ein ganz wichtiges Integrationsmodell für die Zukunft", ergänzt Lazar Simikic. Ein Stück des Kitts, der die Gesellschaft zusammenhält.

Priorität Kinder und Jugendliche 

Lazar Simikic, 1. Vorsitzender TV Kupferdreh

Für Lazar Simikic sind Sporthallen nicht der richtige Unterbringungsort

Der TVK ist nur ein Verein, der in der Halle trainiert. Insgesamt dürften tausende Sportler in der Stadt betroffen sein. Gerade bei den reinen Hallensportarten fürchten die Vereine vor allem um den Nachwuchs. "Wir müssen zusehen, dass die Kinder und Jugendlichen weiter  machen können, sonst verlieren wir sie dauerhaft", sagt Stephan Krebietke, Ex-Handball-Nationalspieler vom Tusem. Kinder und Jugendliche könnten sich auf Dauer andere Hobbies suchen, wenn sie über Monate kilometerweit in andere Hallen kutschiert werden müssen. Die Vereine in Essen versuchen zusammenzurücken und sich die Hallenzeiten zu teilen.

Die Politik reagiert

Mittlerweile hat die Politik in Essen reagiert und angekündigt, die drei großen Hallen im Süden der Stadt an den Sport zurückzugeben. Die erste wohl schon in vier Wochen. Andere Vereine müssen jedoch noch mehrere Monate warten. Der Landessportbund sieht das Treffen nur als einen Anfang, dem weitere runde Tische auch mit Vertretern aus der Politik folgen sollen. Insgesamt machen alle Vertreter deutlich: gerade der Sport sei geeignet, die Flüchtlinge zu integrieren. Die Situation ist daher paradox, wie ein letztes Beispiel beim TV Kupferdreh zeigt: Im Club gab es auch eine Gruppe von Flüchtlingskindern, die dort trainierten und das jetzt nicht mehr können. Obwohl sie so gerne wollen. Denn: Sport kann verbinden. Eigentlich.

Stand: 02.11.2015, 21:34