Macht das Modell Altena Schule?

Die Lenne fließt durch die Innenstadt von Altena

Aufnahme von mehr Flüchtlingen

Macht das Modell Altena Schule?

Von Katja Goebel

  • Mehr Flüchtlinge als zugewiesen
  • Positive Bilanz nach drei Monaten
  • Bislang keine Nachahmer in Sicht

Das war eine ungewöhnliche Nachricht, die da im Oktober 2015 aus dem sauerländischen Altena kam. Während andere NRW-Kommunen nicht wissen wohin mit den vielen ankommenden Flüchtlingen, nahm die kleine Stadt an der Lenne sogar über 100 Flüchtlinge mehr auf als sie müsste.

Altena ist eine schrumpfende Stadt. Seit den 70er Jahren ist die Bevölkerung fast um die Hälfte zurückgegangen. Viele Wohnungen stehen leer. Mit der überproportionalen Aufnahme will Bürgermeister Andreas Hollstein dem Bevölkerungsschwund etwas entgegensetzen. Die Flüchtlinge sind nun nicht nur dezentral auf viele Wohnungen in der Stadt verteilt, sie haben auch Paten zur Seite bekommen: ehrenamtliche Helfer aus der Bevölkerung, die sich gezielt um ganze Wohngruppen kümmern. Das macht die Integration einfacher.

"Wir haben die besseren Netzwerke"

Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein steht vor der Burg

Bürgermeister Andreas Hollstein

Die erste Bilanz nach drei Monaten: "Es ist gut gelaufen", sagt Bürgermeister Andreas Hollstein (CDU), der sich vor allem darüber freut, dass die Zahl der "Kümmerer" - wie er sie nennt - ebenfalls gestiegen ist. Es fänden sich immer mehr Bürger, die bereit seien zu helfen."So werden aus anonymen Flüchtlingen Menschen mit Gesichtern."

Im nächsten Schritt müsse man sehen, was die Ankommenden für den Arbeitsmarkt mitbringen. "Wir erheben jetzt, was die Leute können. Vom Systemanalytiker einer Bank über den Arzt bis zum Analphabeten ist alles dabei." Bis die Menschen aber tatsächlich arbeiten könnten, verginge noch viel Zeit. Die wolle man nutzen, um die Flüchtlinge zum Beispiel gemeinnützig arbeiten zu lassen. Außerdem müssten sie Integrationskurse besuchen und die deutsche Sprache lernen. "Das ist keine heile Welt", sagt Hollstein und will die Geschichte seiner Stadt nicht romantisieren. "Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten. Unter den Menschen, die jetzt nach Deutschland kommen, sind immer auch welche, die nicht können oder nicht wollen." Doch bei der Integration hätten es kleine Städte einfacher. "Die haben einfach die besseren Netzwerke". Auch die benachbarten Unternehmen hätten zum Beispiel schon signalisiert, Praktikumspläze zur Verfügung zu stellen.

"Wer mehr aufnimmt, zahlt drauf"

Ob das Beispiel Altena Schule machen könnte? "Eher nicht", mutmaßt Hollstein. Und das habe auch viel mit der jetzigen finanziellen Verteilung zu tun. Städte, die mehr Flüchtlinge aufnehmen würden, zahlten am Ende drauf. Denn die Landesregierung zahle nicht pro Flüchtling. Die Gelder fließen nicht für die tatsächliche Aufnahme, sondern nach einem gesetzlichen Schlüssel, der sich nach Einwohnerzahl und Fläche richtet. So kann es sein, dass Städte Geld für eine bestimmte Anzahl an Flüchtlingen bekommen, die sie aber noch gar nicht aufgenommen haben. "Die Landesregierung zahlt dann für Flüchtlinge, die gar nicht da sind", ärgert sich Bürgermeister Hollstein. Gerade viele Großstädte bekämen Geld, obwohl sie ihr Soll noch nicht mal erfüllten.

Keine Nachahmer in Sicht

Zwar hatte auch Arnsberg im September 2015 angekündigt, mehr Flüchtlinge aufnehmen zu wollen - auch um einer Überalterung der Bevölkerung entgegenzuwirken - doch zu den Plänen wollte sich aktuell weder die Pressestelle der Stadt noch das dortige Büro für Zuwanderung äußern. Und auch Bürgermeister Hans-Josef Vogel (CDU) ließ ausrichten, dass es zu dem Thema derzeit nichts zu berichten gäbe.

Kein Thema ist die Aufnahme über Quote auch für andere Kleinstädte, wie zum Beispiel Höxter im Regierungsbezirk Detmold. Hier denkt man keineswegs über eine freiwillige Aufstockung der Flüchtlingszahlen nach. "Wir sind gerade immer noch dabei, Schulen umzubauen und Container zu kaufen, um die Menschen unterzubringen", so Stadtsprecherin Sabine Hasenbein. Auch Lüdge in Ostwestfalen schrumpft seit Jahren. Doch deshalb ist eine Mehraufnahme von Flüchtlingen noch lange kein Thema. Bürgermeister Heinz Becker begründet dies damit, dass seine Stadt 2015 zwar alle Flüchtlinge dezentral unterbringen konnte, man dies aber für 2016 nicht mehr garantieren könne. Dennoch ist auch Becker der Meinung, dass Integration in kleinen Städten besser gelinge: "Man kennt sich, das ist ein großer Vorteil."

Stand: 20.01.2016, 06:00