Klaipeda und die Kurische Nehrung

Klaipeda und die Kurische Nehrung

Blick über flache Küste mit Segelboot auf gegenüberliegende Küste mit hohen Sanddünen

Die Landschaft am Kurischen Haff

Klaipeda

Andrea Grießmann startet ihre Reise von Klaipeda aus. Die alte Hafenstadt hieß früher Memel und war zu preußischer Zeit die Hauptstadt des Memellandes. In Klaipeda dreht sich fast alles um Schiffe. Die Kreuzfahrtschiffe auf ihrer Reise durch die Ostsee legen hier an. Und von hier fahren die Fähren zur Halbinsel Kurische Nehrung; im Sommer im 20-Minuten-Takt. Denn die Kurische Nehrung ist das Sehnsuchtsziel schlechthin in ganz Litauen. 

Hafenbecken mit kleineren Kuttern und zwei zu Hotels umgebaute Lagerhäuser

Der Hafen von Klaipeda

Die Kurische Nehrung - Sehnsucht nach Natur

Wegen der einzigartigen Landschaft kommen die meisten Touristen auf die Kurische Nehrung. Über fast 100 Kilometer zieht sich die Landzunge wie ein Faden zwischen Ostsee und Kurischem Haff. Und so lang ist auch der Strand. Der nördliche Teil gehört zu Litauen, der südliche zu Russland. Andrea Grießmann bereist den litauischen Teil mit den vier Orten Jóudkrante, Pervalka, Preila und Nida. Wer die russische Enklave Kaliningrad besuchen will, benötigt dafür ein Visum.

Weitläufige Sanddüne, teilweise mit Wald bewachsen

Die Wanderdüne bei Nida wird auch „Große Düne“ genannt.

Der Ferienort Nida

Nida ist der größte und auch beliebteste Ort der Kurischen Nehrung und liegt eingebettet zwischen Haff und Ostsee. Andrea Grießmann trifft die Chefin des Nationalparks, Ausra Feser, die hier mit ihrer Familie lebt. Die beiden erkunden mit dem Fahrrad den Ferienort. Radfahren kann man sehr gut überall auf der Nehrung. Typisch für Nida sind die alten Häuser der Fischer, von denen es noch viele gibt. Und typisch für ganz Litauen ist die kalt servierte „Rote Bete Suppe“, die Andrea Grießmann zum ersten Mal probiert.

Luftaufnahme eines Ortes am Wasser mit kleinem Yachthafen und vielen Bäumen

Der Ferienort Nida liegt zwischen Haff und Ostsee.

Die Wanderdüne bei Nida

Um die einzigartige Natur zu schützen, wurde die Nehrung zum Nationalpark erklärt und gehört heute zum UNESCO-Welterbe. Mit Ausra Feser fährt Andrea Grießmann zu einer besonderen Attraktion. Die „Große Düne“ bei Nida ist 55 Meter hoch und sehr beeindruckend. Vor rund 500 Jahren holzten die Menschen auf der Nehrung die Kiefernwälder ab. Die Dünen begannen zu wandern und begruben 14 Dörfer unter sich. Man hat wieder Bäume gepflanzt, aber diese Düne steht unter Schutz. Sie wird auch „litauische Sahara“ genannt. Die Große Düne, direkt an der Russischen Grenze, ist ein streng bewachtes Gebiet und für Touristen nicht zugänglich. Kleine Besuchergruppen können jedoch eine Tour über den Nationalpark buchen.

Andrea Grießmann (r) und Ausra Feser  wandern über eine helle Sandfläche

Andrea Grießmann (r) wandert mit Ausra Feser in der „Litauischen Sahara“.

Segeltour auf dem Kurischen Haff

Von Mitte Mai bis Mitte September, bei guten Wind- und Wetterbedingungen sind sie auf dem Haff unterwegs: Aurelijus Armonavicius und seine Frau Sofija. „Kursis“ heißt das alte Holzsegelboot, mit dem sie Touristen durchs Haff schippern. Vor acht Jahren rettete das Ehepaar den alten Kahn vor dem Verfall. Früher dienten solche Kurenkähne als Fischerboote oder zum Transport von Vieh, Holz und Heu. Als junger Mann war Aurelijus Matrose auf einem der größten Segelschiffe der Welt: der russischen „Krusenstern“. Heute ist er Skipper auf der „Kursis“, einem der letzten Kurenkähne in Litauen. Wer an Bord das Kommando hat - da sind sich er und seine Frau Sofija nicht immer ganz einig.

Holzsegelboot mit einem Mast auf dem Wasser

Der Kurenkahn „Kursis“ auf dem Haff

Bernstein - das Gold Litauens

In Litauen wird Bernstein hoch geschätzt. Besonders im Herbst, wenn der Wind die Wellen an den Strand peitscht, ist die Zeit der Bernsteinfischer. Audrius Lukauskas zieht es dann an den Ostseestrand. Seine Eltern und die halbe Verwandtschaft haben schon mit dem fossilen Harz gearbeitet; als kleiner Junge hat Audrius mit dem Sammeln angefangen. Die Bernsteine liegen am Boden des Meeres und werden durch die raue See aufgewirbelt. Mit einem Kescher fischt Audrius die Brocken aus dem Sand. Bernstein bezaubert und fesselt ihn, er sei ein echter Bernsteinfanatiker. Audrius ist nicht nur ein guter Bernsteinfischer, er macht daraus auch außergewöhnliche Schmuckstücke.

Mann mit Gummistiefeln und einem großen Kescher wandert am Sandstrand entlang

Bernsteinfischer Audrius Lukauskas auf der Jagd nach dem „Gold Litauens“

Thomas Mann

Literaturnobelpreisträger Thomas Mann verbrachte mit seiner Familie drei Sommer in Nida, in einem eigens für ihn erbauten Haus. Von seinem Arbeitszimmer aus konnte er auf das Kurische Haff blicken und nannte diese Aussicht seinen „Italienblick“. Heute ist in dem Haus ein kleines Museum eingerichtet. Regelmäßig finden Lesungen statt und im Sommer das Thomas-Mann-Festival.

Vier Besucher gehen auf ein reetgedecktes Holzhaus unter Bäumen zu

Im ehemaligen Sommerhaus von Thomas Mann in Nida ist heute ein Museum untergebracht.

Nida Art Colony

Die Kurische Nehrung zog von jeher Künstler an. Im modernen Gebäude der Nida Art Colony kommen Studierende, Kunstschaffende und Kunstinteressierte aus aller Welt zusammen. Manche der Stipendiaten leben und arbeiten nur für ein paar Wochen in den Wohnwerkstätten, andere mehrere Monate. Wie die Künstlerin Franziska Nast aus Hamburg, Stipendiatin des Goethe-Instituts, wie die Bühnenbildnerin Jana Barthel und der Bildhauer Jay Gard aus Berlin. In den Räumen der Nida Art Colony finden häufig interessante Ausstellungen statt.

Zwei Besucher in einem Ausstellungsraum mit Videowand und moderner Skulptur

Eine Ausstellung in der Nida Art Colony

Das Kastonas

Das Kastonas - auf Deutsch: Kastanie - ist der Treffpunkt in Nida und gehört Martyna Feser, der Tochter von Ausra und Werner Feser. Mit dem Kastonas hat sie angefangen, weil es für Touristen keine Möglichkeit gab, spät abends zu essen und zu trinken. Das Kastonas lief so gut, dass Martyna mittelweile noch zwei weitere Läden betreibt. Martyna ist 26 Jahre alt und war vor Kurzem recht erfolgreich bei der Weltmeisterschaft im Cocktail-Mixen in Mexiko. Ihre Drinks kreiert sie mit Rosenblättern, Kieferzweigen und Lavendel. Ein Stückchen litauische Heimat im Glas.

Martyna Feser in einer Bar beim Cocktail mixen

Martyna Feser bietet im Kastonas Cocktails mit Rosenblättern, Kieferzweigen und Lavendel an.

Der Urwald bei Joudkrante

Die Kurische Nehrung besteht zum größten Teil aus Wald. Bei Joudkrante stehen die wohl ältesten Bäume. Bekannt ist vor allem der Hexenberg mit seinen Holzfiguren. Ganz neu ist der „Stimmenfänger“, ein riesiger Trichter aus Holz. Wer hineinkriecht und sich Zeit nimmt, hört die Geräusche des Waldes besonders intensiv. Ausra Feser und das Nationalparkteam ließen den Stimmenfänger im Wald von Joudkrante bauen.

Andrea Grießmann und Ausra Feser stehen vor einer übermenschhohen Röhre aus Holzbalken im Wald

Der „Stimmenfänger“ im Wald bei Joudkrante

Weitere Informationen im Internet

Autorin: Beate Höfener

Stand: 16.10.2016, 20:15