Antoni Gaudí - Baumeister ohne Ecken

Antoni Gaudí - Baumeister ohne Ecken

Seine Gebäude gehören zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt; Touristen aus aller Welt kommen, um sie zu sehen. Gleich sieben Gaudí-Gebäude stehen auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Der Architekt war der berühmteste Vertreter des Modernisme, die katalanische Ausprägung des Jugendstils. Die Natur war seine wichtigste Inspirationsquelle, sie diente als Vorlage für seine Arbeiten, gab ihnen ihre unverwechselbaren Formen. Für alle Gaudì-Gebäude empfiehlt es sich, Online-Tickets zu buchen, sonst können unnötig lange Wartezeiten entstehen.

Die Sagrada Familia, eine Kirche mit vielen Türmen, von außen

Gaudí hat einmal gesagt: „Gott ist mein Kunde und er ist nicht in Eile - also kann ich mir auch Zeit nehmen.“

Wahrzeichen Barcelonas - die Sagrada Familia

Seit über 134 Jahren wird am „Temple Expiatori de la Sagrada Família“, der Sühnekirche der Heiligen Familie, gebaut. Von den 18, vom Architekten geplanten Türmen stehen bis heute gerade mal acht. Wenn alles gut geht, soll die Sagrada 2026 vollendet sein - zu Gaudís hundertstem Todestag. Dann wird sie das Ulmer Münster überragen, die derzeit höchste Kirche der Welt. Das Innere der Sagrada ist fertig. 2010 wurde sie von Papst Benedikt XVI. geweiht. Der Bau wird ausnahmslos durch Eintrittsgelder und Spenden finanziert. Täglich kommen zwischen fünf- und neuntausend Besucher. Spektakulär ist die Architektur: Gelobt werden immer wieder Größe und Strahlkraft dieser ausgeklügelt geometrischen Konstruktion. Die Sagrada ruht auf Säulen wie aus einem weißen Wald aus Stein. Die Natur war Lehrmeister, sagte Meisterarchitekt Gaudí. Die Baupläne und meisten Aufzeichnungen wurden im spanischen Bürgerkrieg zerstört. Wissenschaftler brauchten Jahrzehnte, um das Bauprinzip zu verstehen. Heute zweifelt niemand mehr an Gaudís Genialität. Er starb 1926, als er auf dem Weg zur Sagrada von einer Straßenbahn erfasst wurde.

Blick in den Innenraum der Kathedrale mit vielen weißen Säulen

Die Kirche ruht auf einem Wald aus weißen Säulen.

Buntes Scherbenglück im Parque Güell

Eigentlich hatte Gaudí eine Gartensiedlung im Grünen nach englischem Vorbild geplant. Um 1900 hatte der Industrielle Eusebi Güell den Architekten mit dem Bau beauftragt. Das Vorhaben wurde aber zu teuer, für die vorgesehenen 60 Villen fanden sich keine Käufer und so wurden nur der Park selbst und drei Häuser gebaut. In einem davon lebte Gaudì. Mittelpunkt des Parks ist die große Aussichtsplattform mit der berühmten, geschwungenen Bank aus bunten Keramikscherben. Darunter liegt die „Markthalle“, deren Säulen an einen römischen Tempel erinnern. Den Aufgang zur Markthalle bewacht eine kunstvoll gestaltete Echse, die das Wahrzeichen und Aushängeschild des Parks ist. Gaudìs Märchenpark ist bei den Touristen so beliebt, dass vor einiger Zeit der Besucherstrom geregelt werden musste. Seit 2013 kostet die sogenannte Monumentalzone Eintritt, der Rest des Parks ist frei zugänglich. Ein Tipp für Frühaufsteher: Bis acht Uhr morgens muss man nichts bezahlen, hat den fantastischen Blick auf die Stadt fast für sich allein und das Licht ist um diese Uhrzeit ohnehin bezaubernd.

Blick über skurril geformete Dächer auf weitere Gebäude

Gaudìs Zuckerbäckerarchitektur im Parque Güell

Symmetrie adé: die Casa Milà

Der Bau dieses besonderen Wohnhauses war Gaudìs letztes Werk, bevor er mit seiner Kathedrale, der Sagrada Familia begonnen hat. Die damaligen Auftraggeber, die großbürgerliche Familie Milà, waren mit dem Ergebnis aber nicht besonders glücklich. Zu ungewöhnlich war ihnen das Haus, das komplett ohne Kanten und Ecken auskommt. Der Meister des Modernisme setzte beim Bau viele architektonische Regeln außer Kraft: Es gibt beispielsweise keine tragenden Wände, das Haus stützt sich auf Säulen und Träger. Eine Tiefgarage führt bis in den Innenhof, der als Belüftungssystem für das gesamte Haus dient. Bei den Wohnungen gleicht kein Grundriss dem anderen. Aber wie in allen Gebäuden Gaudìs gibt es nichts Zufälliges, jede Form hat Sinn. Eine Musterwohnung, mit Originalmöbeln des Modernisme eingerichtet, ist heute im ersten Stock zu besichtigen. Das Highlight der Casa Milà ist die Fußballfeld große Dachterrasse mit skurrilen Schornsteinen und Luftschächten. An den Sommerabenden werden sie oft mit einer künstlerischen Videoprojektion zu Gaudís Schaffen bespielt. Ein besonderes Erlebnis im nächtlichen Barcelona.

Skurril geformte Außenfassade eines mehrstöckigen Hauses mit verzierten Balkongeländern

Wegen der eigenwilligen Fassade aus Naturstein wird die Casa Milà auch „La Pedrera“ - der Steinbruch - genannt.

Das Event „Gaudí's Pedrera: The Origins“ beinhaltet eine Führung durch das Haus mit vielen interessanten Details über das Schaffen des Architekten und die audiovisuelle Show auf der spektakulären Dachterrasse.

Weitere Informationen im Internet

Autorin: Carolin Wagner

Stand: 17.04.2016, 20:15