Gurlitt: Der Skandal um die NS-Kunst und seine Folgen

Eine Westartreportage von Katja Lüber und Jörg Jung

Gurlitt: Der Skandal um die NS-Kunst und seine Folgen

Im Frühjahr 2012 entdeckten Ermittler in der Schwabinger Wohnung von Cornelius Gurlitt einen sagenhaften Kunstschatz, rund 1.300 Objekte, darunter Werke von Beckmann, Klee, Kokoschka, Chagall und Picasso. 2014 kamen noch einmal rund 200 Werke aus seinem Salzburger Haus dazu. Der etwas verschrobene ältere Herr hatte sie von seinem Vater, dem NS-Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, geerbt. Viele der Werke galten seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen. Dabei hatte Gurlitt sie nur niemandem gezeigt. Der Wert wurde vollmundig und voreilig auf Millionen-, wenn nicht gar Milliardenhöhe geschätzt.   

Von Anfang an stand der Verdacht im Raum, dass es sich zumindest bei einem Teil der Werke um Raubkunst handelt. Eine Taskforce wurde mit der Klärung beauftragt. Doch die Untersuchungen kamen nur schleppend voran. Auch fünfeinhalb Jahre nach dem Schwabinger Kunstfund ist ein zweifelsfreier Herkunftsnachweis in nur sechs Fällen gelungen. Und die Behörden stehen in der Kritik.

Jetzt wird die Sammlung Gurlitt zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Das Kunstmuseum Bern, nach Gurlitts Tod sein Alleinerbe, und die Bundeskunsthalle Bonn zeigen noch bis Anfang März 2018 in einer Doppelausstellung eine Auswahl der Werke.

Die beiden Westart-Autoren Katja Lüber und Jörg Jung rollen den Kunstkrimi noch einmal auf, geben Einblick in die verwickelten Hintergründe und fragen nach den Folgen für den Umgang mit der Raubkunst.

Stand: 13.11.2017, 09:37