Eigenbrötler und Exzentriker: Wer war Cornelius Gurlitt?

Klingelschild von Conrelius Gurlitt in Nahaufnahme

Eigenbrötler und Exzentriker: Wer war Cornelius Gurlitt?

Als Cornelius Gurlitt in die Schlagzeilen geriet, war er 80 Jahre alt – ein Eigenbrötler, der die Kunst liebte und die Menschen mied. Jahrzehntelang hatte er in einem Drei-Zimmer-Appartement in Schwabing gewohnt, inmitten von rund 1.300 Kunstwerken aus dem Nachlass des Vaters. Dass er ins Visier der Ermittler geriet, war Zufall. Zollfahnder hatten Steuerhinterziehung vermutet und seine Wohnung im Frühjahr 2012 durchsuchen lassen.

Fast zwei Jahre blieb der Kunstfund geheim. Bis ihn der "Focus" im November 2013 veröffentlichte. Die Medien überschlugen sich. Gurlitt, von Journalisten belagert, blieb stumm. Nur einer Reporterin gelang es, den Sonderling zu interviewen. "Was jetzt geschieht, versteht er nicht, auch nicht, warum er verfolgt wird", schrieb sie im "Spiegel". Erst kurz vor seinem Tod am 6. Mai 2014 stimmte er der Provenienzforschung und einer möglichen Rückgabe zu. Bereits im Januar hatte er seine Sammlung testamentarisch dem Kunstmuseum Bern vermacht.

War Gurlitt das Opfer übereifriger Ermittler, die Beschlagnahme seiner Sammlung rechtswidrig? Wurde der Fall Gurlitt instrumentalisiert, um von staatlichen Versäumnissen abzulenken? So jedenfalls sieht es Maurice Philip Remy, der gerade ein Buch zum "Fall Gurlitt" veröffentlicht hat. Sein Fazit: "Da wird letztendlich der Ruf eines alten Mannes weiter verramscht und verkauft."

Stand: 09.11.2017, 11:51