"Unter Beschuss - auslösen!" - der Bang-Bang Club

"Unter Beschuss - auslösen!" - der Bang-Bang Club

Ken Oosterbroek, Joao Silva, Kevin Carter und Greg Marinovic: Sie waren Anfang zwanzig, als sie in die schwarzen Townships Südafrikas zogen, um die Gewalt dort zu zeigen. Dort, wohin sich vor ihnen noch kein weißer Fotograf gewagt hatte. Gemeinsam riskierten sie täglich ihr Leben. Es ist die Geschichte eines grandiosen Erfolges, einer Tragödie und einer großen Freundschaft im Freiheitskampf Südafrikas.

Ein Kind schaut durch eine Autoscheibe, am Auto ist eine Blutlache

Ihre Aufgabe: Die vier Fotografen gingen täglich in die Kämpfe und zeigten die Gewalt der Apartheit.

Ihre Bilder sind schnell auf den Titelseiten der New York Times, der Washington Post und des Time Magazine. Und gehen so um die Welt. "Ihre Fotos haben den Wechsel in diesem Land, das Ende der Apartheit sicher beschleunigt. Die Bilder zeigten der ganzen Welt, was hier passiert. Der Druck auf das Apartheitsregime wurde immer größer", erzählt Peter Sullivan, damals Chefredakteur des "Star" in Johannesburg. "Ich habe ihnen jeden Tag gesagt: Kein Bild ist wichtig genug oder es wert, dafür erschossen zu werden. Doch sie haben über mich gelacht, ich konnte sie nicht aufhalten", sagt Sullivan.

Erfolg. Und sein Preis. 

Die vier Fotografen heißen bald nur noch "Bang Bang Club", sie werden zur Legende. Sie haben unglaublichen Erfolg, gewinnen zwei Pulitzer Preise und den World Press Foto Award.

sw-Foto: Ken Oosterbroek lehnt an einer Wand, neben ihm ein Graffito "FUCK"

Ken Oosterbroek: Er galt bis zu seinem Tod als der Kopf des Bang Bang Clubs.

Doch am Ende bezahlen sie einen hohen Preis: nur zwei von ihnen überleben. Ken Oosterbroek wird im Einsatz erschossen. "Ich muss nur in Bildern denken.", sagte Kevin Carter einmal über die Gefahr und die Gewalt vor seiner Kamera. "Ich sehe den Kampf, ich zoome in all das Blut, die Leichen, die Khakiuniformen. Das Gesicht der toten Männer ist grau. Aber jetzt ist es Zeit, zu arbeiten, Bilder zu schießen. Mit dem Rest musst du später klar kommen. Wenn du es nicht schaffst, verlasse das Spiel."

Straßenszene, Menschen tragen einen Schwerverletzten

Ihre Fotos gehen um die Welt: 1990 startet der Krieg in den Townships, täglich sterben Menschen. Am Ende sind es rund 40.000.

Zwei Monate nachdem er den Pulitzer Preis gewann, begeht Kevin Carter Selbstmord. Joao Silva zieht weiter und fotografiert die Kriege unserer Zeit. Als er in Afghanistan auf eine Mine tritt und beide Beine verliert, fotografiert er einfach weiter. Dann lässt er sich ein Satellitentelefon geben und ruft seine Frau an. Es folgen siebzehn Operationen. Silva erhält künstliche Beine und trainiert jeden Tag. Er will zurück. Und er schafft es. Im Mai 2013 ist Nelson Mandela schwer erkrankt. Silva schießt eine Fotoreportage für die New York Times, seine Bilder sind wieder auf der Titelseite.

Nur zwei Monate später fotografiert er eine Demonstration in einem Township Johannesburgs. Plötzlich eskaliert die Situation. Joao Silva ist mitten in einem Aufstand und wird wieder verletzt. Doch er schießt seine Bilder und beweist sich, er kann es immer noch. Die Gewalt dokumentieren. "Die Leute halten mich für verrückt. Aber das ist mein Leben. Ich will weiter Kriege fotografieren, mir nach dem Unfall mein altes Leben wieder aufbauen." Joao Silva gilt nicht nur einer der besten Kriegsfotografen der Welt. Er ist nach seiner Rückkehr ein Star unter ihnen.

Ein aufregendes Portrait von vier Fotografen, die an ihren Auftrag glaubten. Und den Preis dafür zahlten.

Ein Film von Marc Wiese | Redaktion: Christiane Hinz

Stand: 23.02.2016, 11:48

Mehr zum Thema

Startseite

Alle Sendungen

Unsere Videos