Todesursache: Schweigen – Die deutschen Opfer der argentinischen Diktatur

Zwei Soldaten lesen die Tageszeitung.

Todesursache: Schweigen – Die deutschen Opfer der argentinischen Diktatur

Im März 1976 putschte in Argentinien das Militär und übernahm die Macht. In den folgenden Jahren der Diktatur wurden rund 30.000 Menschen verhaftet, hauptsächlich Linke und Gewerkschafter. Sie verschwanden in den Folterkellern und Konzentrationslagern des Regimes.

Bewaffnete Soldaten vor dem Präsidentenpalast Casa Rosada in Buenos Aires am 24. März 1976, nachdem die Militärs die Präsidentin Isabel Peron gestürzt hatten.

Bewaffnete Soldaten vor dem Präsidentenpalast: Die Militärs haben gerade die Präsidentin Isabel Peron gestürzt.

Zu diesen Opfern gehören auch 100 deutsche und deutschstämmige Bürger. Die um Hilfe gebetene deutsche Botschaft in Buenos Aires stieß, nach eigener Aussage, damals beim herrschenden Regime auf eine "Verschwörung des Schweigens". Aber wie verhielten die deutschen Behörden sich selbst? Wie intensiv versuchten sie, das Leben ihrer Staatsbürger zu retten? Tatsache ist, dass keines der deutschen Opfer – im Unterschied zu anderen Europäern – überlebt hat.

Stille Diplomatie

Die Filmemacher Elvira Ochoa und Frieder Wagner gehen diesen Fragen nach. Im Mittelpunkt ihrer Spurensuche steht der Fall des deutschen Studenten Klaus Zieschank, der bereits wenige Tage nach dem Putsch verschleppt wurde und verschwand. Zahlreiche Zeugen, darunter die Mutter von Zieschank, argentinische Schulfreunde sowie überlebende Mithäftlinge widerlegen mit ihren Aussagen, dass die deutsche Regierung "alle zur Verfügung stehenden Mittel" einsetzte, um die Verschwundenen zu retten.

Klaus Zieschank

Klaus Zieschank: Der deutsch-argentinische Student wurde unter der argentinischen Militärdiktatur entführt und ermordet.

Obwohl es eindeutige Hinweise auf ihre Aufenthaltsorte gab und die Todesgefahr offensichtlich war, beschränkte man sich auf angebliche diplomatische Bemühungen im Hintergrund. Doch diese "stille Diplomatie" unter dem damaligen Kanzler Helmut Schmidt und seinem Außenminister Hans-Dietrich Genscher erlitt nicht nur schrecklich Schiffbruch. Es ergibt sich auch der Verdacht, dass die deutsche Regierung sich aus Rücksicht auf gute Wirtschaftsbeziehungen – Deutschland war der wichtigste Waffenlieferant für Argentinien – und unter dem Eindruck der allgegenwärtigen Terroristenfurcht an der "Verschwörung des Schweigens" beteiligt hat.

Die argentinischen Militärs wurden nach dem Ende der Diktatur vor Gericht gestellt, bald danach amnestiert und erst spät doch noch zur Rechenschaft gezogen. Das Verhalten der Bundesregierung aber wurde nie überprüft – ein heute noch andauernder Skandal.

Ein Film von Frieder Wagner und Elvira Ochoa
Redaktion: Beate Schlanstein

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