Im Keller – Versteckte Hobbys und Obsessionen

Eine Frau und ihr Freier in Unterwäsche

Im Keller – Versteckte Hobbys und Obsessionen

In Kellern spielen sich nicht nur banale und alltägliche Szenen ab. Das ist spätestens seit den Fällen Priklopil und Fritzl klar, durch die vor allem der österreichische Keller als ein besonders bedrohlicher gebrandmarkt wurde. Der Zuschauer taucht ein in die dunkle Welt der Keller sowie der seelischen Abgründe ihrer Bewohner und kommt unmittelbar in Berührung mit verschiedensten Obsessionen.

Ein Mann auf seiner privaten Schießbahn

Unsichtbar für das öffentliche Auge: ein Mann auf seiner privaten Schießbahn.

Sei es die Frau, die mit Puppen spricht, der Opern singende Waffennarr oder die Musikkapelle, die sich inmitten von Relikten des Dritten Reiches amüsiert, - Seidl versteht es, dem Zuschauer auf provokative Art das Erschreckende und Andersartige in den Kellern unserer Mitmenschen vor Augen zu führen.

Der Keller – Ein Ort, der buchstäblich unter der Oberfläche liegt

Während das Wohnzimmer repräsentativen Zwecken dient, können die Leute in ihren Kellern ihren geheimen und perversen Gelüsten oder aber auch ihren nicht gesellschaftsfähigen Hobbies nachgehen. Dort findet oft das wirkliche Leben statt.

Regisseur Ulrich Seidl im Portrait

Ein Ort der Gefahr, ein Ort der Angst, aber auch ein Ort des Alltags: Regisseur Ulrich Seidl nimmt bürgerliche Wohnstrukturen auseinander.

Ulrich Seidl begibt sich in seinem Dokumentarfilm auf die Suche nach dem Außergewöhnlichen und Abgründigen.

Seidl gewährt unangenehm private Einblicke

Abstruses verbindet sich mit Komischem und regt zum Nachdenken und Schmunzeln an. Unterstützt durch die unverblümte Kameraarbeit von Martin Gschlacht bleibt dabei keines der schmerzlichen Details ungesehen. So findet sich der Zuschauer bei SM-Ritualen zweier Protagonisten in einer unangenehm intimen Situation wieder und weiß zuweilen nicht, ob er erschrecken, lachen oder wegsehen soll.

Ein Ehepaar sitzt auf einem Sofa mit Leoparden-Muster. An der Wand hinter ihnen hängen zahlreiche ausgestopfte Tiere.

Selbst geschossen und selbst gegessen: Kudus, Oryx, Impalas, Gnus und Paviane zieren die Kellerwände des Einfamilienhauses der Ellingers in Niederösterreich

Ohne zu werten gewährt Seidl Einblicke in eine ganz spezielle Welt des Privaten, welche durch die lose Anordnung einzelner Szenen bewegt und menschliche Tragik transportiert. Ein Film, der in Erinnerung bleibt.

Ein Dokumentarfilm von Ulrich Seidl
Redaktion: Jutta Krug

"Im Keller" wurde vom Österreichischen Filminstitut, den Filmfonds Wien und dem Land Niederösterreich unterstützt und in Koproduktion mit dem WDR, ORF und coop99 Filmproduktion sowie in Zusammenarbeit mit ARTE produziert. Seine Premiere hatte "Im Keller" auf den Filmfestspielen in Venedig 2014.

Festivals und Auszeichnungen

Politiken’s Audience Award - Internationalen Dokumentarfilmfestival, Kopenhagen (Nominierung)
Best Central and Eastern European Documentary - Jihlava International Documentary Film Festival, Tschechien (Nominierung)
71. Filmfestspiele Venedig, Italien (Nominierung)

Stand: 19.02.2017, 11:38

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