Homs – Ein zerstörter Traum

Ein junger Mann sitzt in einem Gebäude und hält einen Raketenwerfer in der Hand. Entmutigt stützt er seinen Kopf mit der anderen Hand.

Homs – Ein zerstörter Traum

Im Frühjahr 2011 begann in Homs der syrische Bürgerkrieg. Innerhalb weniger Wochen eskalierte die Lage: Aus friedlichen Demonstranten wurden bewaffnete Kämpfer, aus jungen weltlich orientierten Männern, für die Religion kaum eine Rolle spielte, wurden im Angesicht des Todes gläubige Muslime. Wie konnte es so weit kommen?

Gebäude liegen in Trümmern. Vier junge Männer tragen eilig eine Trage mit einem Verletzen darauf aus der Gefahrenzone.

Keine Gewährleistung medizinischer Versorgung: Die Freiheitskämpfer richten notdürftige Feldlazarette ein, um ihre Kranken zu behandeln.

Einer der Anführer der ersten Stunde war der 19-jährige Torwart der Jugendnationalmannschaft Syriens, Abdul Baset al-Sarout, kurz Baset genannt. Er und seine Freunde organisierten jeden Tag Demonstrationen, zu denen immer mehr Menschen  strömten. Baset, ein charismatischer junger Mann, begeisterte die Menschen auch mit seinen revolutionären Songs.

Abdul Baset al-Sarout – Eine Ikone der Revolution

Die Aktionen des jungen Baset wurden im Laufe des Sommers 2011 für die Propagandisten des Regimes immer gefährlicher.

Ein völlig zerstörter Gebäudekomplex. In einigen Etagen ist noch Feuer zu sehen.

Im März 2011 begann in Homs der Aufstand: Heute ist die Stadt völlig zerstört.

Der Widerstand der mehrheitlich sunnitischen Bewohner von Homs wuchs, und die Armee des Diktators Baschar al-Assad begann mit brutaler Härte zurückzuschlagen. Baset stand ganz oben auf der Fahndungsliste des Geheimdienstes und des Militärs. Bei einem Angriff auf die Wohnung seiner Familie werden sein Bruder Walid und andere Angehörige getötet.

Wenn eine Kamera zur Waffen wird

Begleitet wurde Baset bei seinen Auftritten während der Demonstrationen und im Kreis seiner Freunde und anderer Aktivisten von Osama, einem Amateurkameramann und Reporter. Die mit einer kleinen Handycam aufgezeichneten Videos werden regelmäßig auf YouTube hochgeladen und so einer großen Öffentlichkeit, auch außerhalb des arabischen Raums, zugänglich gemacht.

Die Armee ist stark bewaffnet, während die Revolutionäre nur wenige Handwaffen besitzen. Die Waffen haben sie entweder erbeutet oder aus dem Ausland erhalten.

Ein Ungleichgewicht der Kräfte: Die Armee ist stark bewaffnet, während die Revolutionäre nur wenige Handwaffen besitzen.

Mehr als 300 Stunden gefilmtes Material wurden von dem syrischen Produzenten des Films, Orwa Nyrabia, außer Landes geschmuggelt. Daraus entstand der Film Homs – Ein zerstörter Traum. Ungefiltert und direkt zeigt er einen subjektiven Blick auf den arabischen Frühling in Syrien und sein Scheitern. Die Männer, die hier das Geschehen filmen, sind selbst Akteure und bieten deshalb eine emotionale Innenansicht eines blutigen Konflikts, der weltweit zu den brutalsten und schrecklichsten gehört.

Das Massaker von Khalidija

Im Februar 2012 töten syrische Truppen bei einem Mörserangriff mehr als 300 Menschen im Zentrum von Homs. Regimetreue Banden brechen in Wohnungen ein und richten ein Blutbad an. Das Massaker von Khalidija ist das erste von zahlreichen Massakern gegen die Zivilbevölkerung in Syrien. Baset richtet im Fernsehsender Al Jazeera einen dramatischen Appell an die Weltöffentlichkeit, endlich einzugreifen und dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten.

Eine Menschenmasse jubelt einem emporgehobenen Mann mit einem Mikro zu.

Der Star der Revolution: Der ehemalige Fußballtorwart Abdul Baset Al-Sarout wird für seine furchtlosen Protestgesänge gefeiert.

Baset selbst wurde während der Kämpfe der letzten Jahre dreimal angeschossen und schwer verletzt. Er verließ Homs Ende 2015. Regierungstruppen kesselten die Stadt ein und eroberten sie. Die Truppen setzten schwere Artillerie und die Luftwaffe ein. Am Anfang des Aufstands wohnten in Homs noch 799 000 Einwohner. Was von ihr nach der Eroberung durch die Syrische Armee übrig blieb, steht seit Dezember wieder vollständig unter Regierungskontrolle. Wie viele Einwohner das Trümmerfeld jetzt noch hat, weiß keiner.

Ein Dokumentarfilm von Talal Derki
Redaktion: Jutta Krug (WDR), Gudrun Hanke-el Ghomri (SWR)

"Homs – Ein zerstörter Traum" ist eine Koproduktion des inzwischen im Exil befindlichen syrischen Produzenten Nyrabia mit seiner Firma Proaction Film und der Berliner Produktionsfirma Ventana-Film von Hans Robert Eisenhauer mit dem Südwestrundfunk, ARTE und SVT. Des Weiteren waren beteiligt das RTS, der NHK und Radio Canada.

Festivals und Preise u.a.:

Opening Film des International Documentary Festival Amsterdam 2013
DOC DF Mexico City 2014
FIFDH Strasbourg 2014
Zürich Filmfestival 2014
HRWFF New York 2014

Sundance Festival 2014 in Utah (Großer Preis der Jury)
HOTDOCS 2014 (Official Selection)
FIFDH Geneva 2014 (Grand Prix du Festival)
Docs Barcelona 2014 (Winner Best Documentary)
Documenta Madrid 2014 (Winner Audience Award)
Krakow Film Festival 2014 (Winner Silver Horn Feature Documentary)
Middle East Now Film Festival 2014 (Audience Award, Best Film)

Stand: 27.02.2017, 21:22

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