Göttliche Lage - Eine Stadt erfindet sich neu

Blick auf den Phoenix-See in Dortmund

Göttliche Lage - Eine Stadt erfindet sich neu

Dortmund war bis 2001 einer der wichtigsten Stahlstandorte der Welt. Aber die Zukunft soll anders aussehen: Das riesige Gelände des Stahlwerkes Phoenix-Ost, das nach der Schließung wirkt wie eine Mondlandschaft, soll in einen neuen Stadtteil umgewandelt werden. Den Mittelpunkt bildet ein künstlicher See, an dessen Ufern luxuriöse Wohnbebauung entstehen soll. Ein Film über den Wandel der Industrie- zur Freizeitgesellschaft.

Im September 2006 beginnen im Dortmunder Stadtteil Hörde die Bauarbeiten für ein ehrgeiziges Projekt: Auf dem ehemaligen Gelände eines Stahlwerks von ThyssenKrupp entsteht der Phoenix-See.

Dieser neue See liegt in einem Stadtteil, der bisher von Industrie geprägt war. Das Ziel ist eine "Verbesserung der Dortmunder Lebensqualität". Doch denkt die "Phoenix-See-Entwicklungsgesellschaft" mit all ihren Bau- und Werbemaßnahmen wirklich an alle Dortmunder? Und was sagen die Einwohner von Hörde zu all dem? Freuen sie sich über die steigenden Miet- und Baupreise, die "Erlebnisgastronomie" an der Promenade, das neue Außenbild ihres Stadtteils?

Ruhr-Ästhetik trifft auf Luxusvilla

Der Film von Ulrike Franke und Michael Loeken ist eine Langzeitbeobachtung eines komplexen Projektes. Porträtiert werden eine Stadt und deren Einwohner, mit all den Problemen und auch Möglichkeiten, die sich durch die Baumaßnahmen ergeben. Franke und Loeken werten dabei nie, sie zeigen. Zum Beispiel die engagierte Projektplanerin, die Werbung für etwas macht, von dem sie gar noch nicht weiß, wohin es sich entwickeln könnte.

Sie zeigen den Vorsitzenden des Heimatvereins, der scheinbar gegen Windmühlen kämpft, um ein Relikt der Stahlindustrie davor zu bewahren, im wörtlichen Sinne "unterzugehen". Und sie zeigen den alten Kern von Hörde, die Anwohner, die Ladenbesitzer, den Straßenpolizisten, die auf das Projekt schauen, mit Angst und Argwohn über mögliche Konsequenzen für ihr Leben. Und die dennoch mit Gleichmut abwarten wollen, was passiert.

Ein Polizist steht auf der Straße und unterhält sich mit einem Mann und einer Frau am Fenster

Gespannte Erwartung: Für die Anwohner ist das Projekt immer ein Thema.

Zwischen Modernisierungswahn und Industriekultur

GÖTTLICHE LAGE erzählt seine Geschichte völlig unaufgeregt und mit einer wohltuenden Ruhe, ohne zu urteilen und ohne Schwarz-Weiß-Malerei. Eine Kritik am System der Planung ist immer spürbar, wird aber nie plakativ zum Ausdruck gebracht. Der Film endet im Jahr 2013. Den See gibt es schon, doch die teils unfreiwillig komischen Probleme der Planung bestehen weiterhin. Ein lehrreicher und kluger Film über ein Langzeitprojekt, der Parallelen zur Städteplanung in Deutschland ganz allgemein zulässt.

Ein Dokumentarfilm von Ulrike Franke und Michael Loeken
Redaktion: Sabine Rollberg (WDR/ARTE), Jutta Krug (WDR)

GÖTTLICHE LAGE ist eine WDR-Koproduktion mit Filmproduktion LoekenFranke in Zusammenarbeit mit ARTE, gefördert von der Filmstiftung NRW, BKM und dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF).

Preise und Auszeichnungen

  • Grimme Preis (Wettbewerb Information & Kultur/Spezial), 2016
  • Herbert Quandt Medien-Preis 2016
  • Nonfiktionale Preis der Stadt Bad Aibling (Hauptpreis), 2015
  • Saratov Sufferings (Best Film Panorama Kino.Doc), 2015
  • Jean Rouch IFF Paris (Mention spéciale Anthropologie et développement durable), 2015

Prädikat "besonders wertvoll" der Deutschen Film- und Medienbewertung.

Stand: 26.08.2016, 12:36

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