Geheimoperation Ostpolitik

Willy Brandt kniet vor dem Mahnmal für die Opfer des Warschauer Ghettos nieder

Geheimoperation Ostpolitik

Am 7. Dezember 1970 machte eine Geste Schlagzeilen in aller Welt: Bundeskanzler Willy Brandt kniete während eines Staatsbesuchs in Polen vor dem Ehrenmal im Warschauer Ghetto nieder. Das wurde als deutliches Signal für eine neue Politik gegenüber den Ländern des Ostblocks verstanden.

Willy Brandt sitzt neben Egon Bahr

Das Vertrauensverhältnis: Egon Bahr war der engste Vertrauensmann an der Seite von Bundeskanzler Willy Brandt und gemeinsam schrieben sie ein Stück Europa-Geschichte.

Diese neue Politik war so brisant und so umstritten, dass sie nur in aller Heimlichkeit angebahnt werden konnte. Der Film erzählt die erstaunliche Geschichte dieser Diplomatie hinter den Kulissen. Friedenssicherung, Entspannung und vorsichtige Annäherung – das waren die Ziele einer neuen Ostpolitik, die von der sozialliberalen Koalition unter ihrem Kanzler Willy Brandt in den Ostverträgen ab 1970 umgesetzt wurde.

Der SPD-Politiker Egon Bahr spricht am 24.05.2013 in Berlin bei einer Veranstaltung zu Berliner Orten des Volksaufstandes in der DDR vor 60 Jahren

Politik in aller Heimlichkeit: Egon Bahr konnte als Strippenzieher und Wegbegleiter von Willy Brandt auf einige Geschichten zurückblicken.

Die Grundlagen dafür wurden in einem "geheimen Kanal" zwischen Willy Brandt und Leonid Breshnew gelegt, über eine konspirative Verbindung zwischen Brandts engstem Vertrautem Egon Bahr und den KGB-Agenten Wjatscheslaw Keworkow und Walerij Lednew.

Verhandlungen in kleinen Schritten

Die Gesprächspartner trafen sich jeweils unter größter Geheimhaltung, auch der Deutschland-Experte des sowjetischen Außenministeriums Valentin Falin nahm an vielen Gesprächen teil. Die CIA verfolgte aufmerksam, was hier geschah, die DDR ahnte einiges und war nicht amüsiert. In den direkten deutsch-sowjetischen Geheimkontakten wurde nicht nur der Moskauer Vertrag vorbereitet. Keworkow rückte zum Beispiel auch mit einer großen Aktentasche voller Dollarscheine an, um durch Zahlungen an Abgeordnete das Misstrauensvotum gegen Brandt zum Scheitern zu bringen…

sw-Foto: Egon Bahr steht mit einer Delegation auf dem Roten Platz in Moskau

Ein großer Erfolg: Egon Bahr trug als Geheimdiplomat zum Erfolg der Ost-Politik bei.

Die Dokumentation von Jürgen Bevers schildert, was in aller Heimlichkeit tatsächlich passierte. Egon Bahr und seine entscheidenden Gesprächspartner, Wjatscheslaw Keworkow und Valentin Falin, erzählen ein Kapitel europäischer Politik, das in seinen Details bis heute kaum bekannt ist. Ein Stück Geschichte, das bei aller Ernsthaftigkeit mitunter Züge eines James-Bond-Films trug…

Ein Film von Jürgen Bevers
Redaktion: Beate Schlanstein

Schwerpunkt bei WDR.DOK: Die 70er

Der WDR sendet den Film in der Reihe „Die 70er“. Zehn Wochen lang rückt WDR.DOK Ereignisse und Menschen in den Fokus, die Deutschland und die Welt in den 70er Jahren gesellschaftspolitisch bewegt haben. Immer mittwochs ab 23:25 Uhr vom 16.8. bis zum 18.10.2017.

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Stand: 31.07.2017, 23:39

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