Das Auge des Jahrhunderts – Das Vermächtnis des Fotografen August Sander

Schwarz-Weiß-Fotografie von August Sander: Jungbauern, 1914

Das Auge des Jahrhunderts – Das Vermächtnis des Fotografen August Sander

Was für ein phantastisches Projekt! Fotograf August Sander hat die Idee, ein Abbild der deutschen Gesellschaft zu schaffen. In über sechs Jahrzehnten entstehen Tausende Fotos. Er entschließt sich, von den unterschiedlichen Menschen eine Art Jahrhundertporträt zu machen und nennt es "Menschen des 20. Jahrhunderts".Er wird es selbst nicht zum Abschluss bringen. Doch ist es lebendig geblieben und beeinflußt bis heute viele Fotografen.

Geboren in einem kleinen Ort im Siegerland, taucht August Sander 1910 in Köln auf. Porträts sind seine Spezialität. Er gibt den Menschen das Gefühl, dass sie vor seiner Kamera gut aufgehoben sind. Er fährt in den Westerwald und bietet als mobiler Fotograf den Bauern seine Dienste an. Anfang des 20. Jahrhunderts entstehen dort wunderbar poetische Porträts der Menschen, die dort leben.

Vom Handwerker zum Künstler

In den 20er Jahren macht Sander den entscheidenden Schritt vom Handwerker zum Künstler. Er kommt auf die Idee, den riesigen Berg an Fotos in Gruppen zu ordnen und jeder Gruppe eine Überschrift zu geben - "Der Bauer", "Der Handwerker", "Die Frau", "Die Künstler", "Die Großstadt" - und so ein Porträt seiner Zeit zu entwerfen.

Schwarz-Weiß-Fotografie von August Sander: Photographin, um 1926

Photograph und Photographin: August Sander hat in den 20er Jahren auch eine Kollegin portraitiert.

Wie sieht ein Handlanger zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus, wie ein Bauer, wie eine Sekretärin? Sander hat all diese Menschen fotografiert. Was Sanders intensive Porträts unsterblich macht, ist ihre Präsenz. Alle sind Typus und Individuum zugleich. Das Wesen der Zeit in Gesichtern zu spiegeln, auf diesem Konzept fußt das Lebenswerk von August Sander.

Die Dokumentation “Das Auge des Jahrhunderts“ spürt der DNA des Künstlers nach. Seine berührenden Bilder sind Inspiration und Maßstab auch für die heutige Fotografen-Generation. Im August Sander Archiv der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln lagern 11.000 Negative und werden dort wissenschaftlich aufbereitet - die Hardware des legendären Fotografen. Die Leiterin der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln, Gabriele Conrath-Scholl, ermöglicht einen Einblick in das Handwerk des Meisters.

Wie wegweisend Sanders Weg bis heute ist, zeigen die Beteiligten an der Dokumentation: Fotografin Hilla Becher in ihrem letzten Interview vor ihrem Tod im Oktober 2015; Oliver Sieber, spezialisiert auf Porträts von Subkulturen; Modeblogger Gunnar Hämmerle; Architekturfotograf Reinhard Matz - sie alle erzählen von der Bedeutung und der Inspiration durch August Sander. Und dann lüftet Sanders Urenkel Julian Sander das Geheimnis, warum dessen berühmtes Motiv eines Konditors zwischen 1,50 und einer Million Euro kosten kann.

Ein Film von Anke Rebbert | Redaktion: Christiane Hinz

Stand: 25.02.2016, 11:30

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