Auszug aus Europa - Was die Briten bewegt

Auszug aus Europa - Was die Briten bewegt

Sie hat sich verzockt, Theresa May. Sie hat keine Mehrheit mehr in Großbritannien. Trotzdem hat die britische Premierministerin den Antrag gestellt, die neue Regierung bilden zu wollen. Dieses Ergebnis der Wahl haben die Konservativen so nicht erwartet. Jetzt wird das Regieren schwieriger und auch die Frage, wie wird es mit dem Brexit weitergeht. Trotzdem bleibt der Antrag vom 29. März dieses Jahres bestehen. An diesem Tag hat Theresa May offiziell der Austritt Großbritanniens aus der EU eingereicht. Damit läuft das Brexit Verfahren und auch wenn die britische Regierungschefin immer wieder versichert dies sei kein Austritt aus Europa sondern nur aus der EU, werden sich die europäische Union und Großbritannien drastisch verändern.

Premier David Cameron steht an einem Pult und hält eine Rede.

Pro Europa: Premier David Cameron war Unterstützer der Europäischen Union und für einen Verbleib Großbritanniens als Mitglied.

Viele Menschen wollen den Austritt, andere haben große Angst, um die Zukunft der britischen Wirtschaft und um ihre eigene Die Schotten diskutieren bereits wieder um eine neue Volksabstimmung und auch in Nordirland würde man lieber in der EU bleiben.

Europa oder nicht?

Die Briten und Europa – das war eine schwierige Beziehung von Anfang an. Seit jeher zeigen die Briten ein grundlegendes Misstrauen gegenüber allem, was vom Festland - "the Continent" - kommt. Für Großbritannien ist nämlich keinesfalls geklärt, ob ihr Land wirklich zu Europa gehört oder ob die Briten auf ihrer Insel nur Nachbarn Europas sind. "Wir stehen zu Europa, gehören aber nicht dazu, wir sind verbunden, aber nicht umfasst, wir sind interessiert und assoziiert, aber nicht absorbiert." Churchills Definition ist für viele Briten bis heute schlüssig.

Die Queen zusammen mit Ihrer Ehrenwache.

Weltmacht Großbritannien: Großbritannien ist stolz auf seine Queen, seine Traditionen und politischen Einfluss in der Welt.

Warum nur sind sie so anders? Wir Kontinentaleuropäer haben unsere vorgefertigten Meinungen über das Land jenseits des Kanals: mieses Wetter, schlechtes Essen, warmes Bier. Gleichzeitig kamen jedoch immer wieder bahnbrechende Impulse von den Briten zu uns auf den Kontinent: die industrielle Revolution, Popmusik, Mode. Wir hegen eine heimliche Bewunderung für dieses Land, das beides zugleich ist: rückständig und modern, altmodisch und avantgardistisch.

Splendid Isolation

vom Meer umgeben und Europa vorgelagert war Großbritannien nie gezwungen, wie die Kontinentaleuropäer mit zahllosen angrenzenden Nachbarländern einen Interessenausgleich zu finden, sich anzupassen. Eine romantische Sehnsucht nach einem einigen, friedlichen Europa hat sich in Großbritannien deshalb auch nie entwickelt. David Cameron brachte es 2013 auf den Punkt: "Europa ist für die Briten eine praktische und keine emotionale Angelegenheit."

Einige Briten stehen in einer Reihe und warten auf den Bus.

Splendid Isolation: Ist die Inselnation Nachbar oder Teil Europas?

Als einstige Kolonial- und Weltmacht ist Großbritannien gewohnt, den Ton anzugeben und nicht, sich ein- geschweige denn unterzuordnen: "Die Engländer sehen es als einen Affront gegen Gott und die Natur an, von Ausländern beherrscht zu werden", brachte es George Orwell auf den Punkt. Von einem europäischen Superstaat geschluckt zu werden – ein britischer Alptraum.

Eine schwierige Beziehungsgeschichte

Doch als Großbritannien um Aufnahme in die EWG ersuchte, wurde es zunächst von Frankreich zurück gewiesen. Was für ein Affront! Und als sie dann schließlich 1973 beitraten, legten sie schon zwei Jahre später das erste Referendum über den Verbleib nach. Damals stimmten knapp 67 % der Briten dafür. Dennoch blieb die europäisch-britische Beziehung auch weiterhin eine nicht enden wollende Kette von Rangeleien, Missverständnissen und enttäuschten Hoffnungen – von Beginn an. Immer wieder irritierten die Briten im Laufe dieser Beziehungsgeschichte mit Extrawürsten und Sonderwegen ihre europäischen Partner.

David Cameron und Angela Merkel

David Cameron, Angela Merkel und sehr unterschiedliche Perspektiven: Deutschland hat 9 Nachbarländer, die Briten als Inselvolk keine.

Experten, wie der berühmte britische Historiker Timothy Garton Ash und der London-Korrespondent Thomas Kielinger erklären die historischen Hintergründe der britischen Europaskepsis. Britische und deutsche Journalisten und Comedians berichten von ihren Erfahrungen mit Klischees und Vorurteilen. Eine augenzwinkernde Zeitreise in ein ebenso problematisches wie amüsantes Kapitel europäischer Geschichte – voller Sehnsucht und Stolz, voll unerwiderter Liebe und bitterer Zurückweisung.

Ein Film von Carsten Günther
Redaktion: Barbara Schmitz

Stand: 21.06.2017, 22:55

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