Das älteste Gewerbe - Prostituierte und Sexarbeit

Eine mit Dessous bekleidete Frau liegt in einem rot beleuchtetem Zimmer auf einem Bett

Das älteste Gewerbe - Prostituierte und Sexarbeit

Ob in der Hamburger Herbertstraße, im Pariser Bois de Boulogne oder in Amsterdam rund um die Oude Kerk - wer sich Sex kaufen will, weiß, wo er das tun kann. Das Geschäft mit der Prostitution blüht in Europa. Allein in Deutschland gehen nach neuesten Schätzungen rund 400.000 Frauen professionell dem ältesten Gewerbe der Welt nach.

Eine mit Dessous bekleidete Frau steht abends zwischen Autos

Alltag in Deutschland: Mehr als eine Million Männer suchen die Dienste von Prostituierten auf.

Was sind das für Frauen, die Sex gegen Geld anbieten? Was verkaufen sie: ihren Körper, eine Dienstleistung oder sogar Liebe? Und hat sich im Laufe der Jahrhunderte etwas an ihrem Ruf und ihrer Stellung in der Gesellschaft geändert, ist Sexarbeit nach Gesetzesreformen in einigen Ländern Europas für einige zu einem ganz normalen Job geworden?

Beruf in rechtlichen Grauzonen und im Verborgenen

Katja Esson und Uta Kolano sprachen mit Frauen in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien und Großbritannien und stellte fest: So unterschiedlich wie die Neigungen ihrer Kunden sind auch ihre jeweiligen Arbeitsbedingungen und persönlichen Einstellungen zu einem Beruf, der oft genug in rechtlichen Grauzonen und im Verborgenen ausgeübt werden muss.

Eine mit Dessous bekleidete Frau geht ueber den Flur des Wohnungsbordells

Handlungsreisende in Sachen Sex: Über die Hälfte der Sexarbeiterinnen sind Migrantinnen, die für eine zeitlang in Deutschland leben und dann wieder in ihre Heimat zurückkehren.

Pure finanzielle Not

Früher wie heute zwingt meist pure finanzielle Not die Frauen zur Prostitution. Und über die Jahrhunderte hinweg präsentiert sich ihr Erwerbszweig in den verschiedensten Erscheinungsformen, von der zerstörerischen Elends- bis hin zur teuren Edelprostitution. Im Gegensatz zu den angesehenen Hetären im alten Griechenland und den gebildeten Kurtisanen der höfischen Gesellschaft Europas gibt es von den Hafen- und Straßenhuren vergangener Zeiten allerdings kaum Zeugnisse.

Am Rande der Gesellschaft

Prostituierte bewegen sich durchweg immer am Rande der Gesellschaft. Egal, ob Prostitution in einer Gesellschaft akzeptiert, toleriert oder verfolgt wird, die Mehrheit betrachtet Huren durch alle Jahrhunderte als anstößig, unzüchtig, schmutzig und vulgär. Nicht die Kunden gelten als unmoralisch, sondern die Prostituierten.

Das Älteste Gewerbe der Welt: Die Kurtisane Madame Gourdan wird von ihrer Dienerin (rechts) angekleidet (Spielszene).

Prostitution im Aufwind: Schon im 18. und 19. Jahrhundert strömten in Europa die Menschen in die Städte, Sex gegen Geld wurde zum Massenphänomen.

Auch im aufgeklärten Deutschland der Gegenwart, in dem seit dem Jahr 2002 Sexarbeit per Gesetz straffrei und sozialversicherungswürdig ist, halten sich die Vorurteile. Der Dokumentarfilm "Das Älteste Gewerbe - Prostituierte und Sexarbeit" untersucht das Verhältnis von Macht, Geld und Moral und betrachtet die Stellung der Frau innerhalb dieses Spannungsverhältnisses im Verlauf der europäischen Geschichte. Geschildert wird der Umgang der Freier mit Prostituierten, gestellt werden Fragen nach Hygiene und Verhütung ebenso wie nach Entlohnung und Ausstiegsmöglichkeiten für die Frauen.

Ein Film von Katja Esson und Uta Kolano
Redaktion: Christiane Hinz

Stand: 25.04.2017, 16:46

Startseite

Alle Sendungen

Unsere Videos