Das größte Tierheim der Welt mit 5.400 Hunden

XXL-Tierheim in Rumänien: die Smeura

Das größte Tierheim der Welt mit 5.400 Hunden

Ein Tierheim in Rumänien zu führen und zu unterhalten ist keine leichte Aufgabe. In der Smeura – dem größten Tierheim der Welt – leben mehr als 5.400 Hunde, Tendenz steigend!

Die Smeura

Das größte Tierheim der Welt liegt in der rumänischen Walachei, etwa 120 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bukarest. Das fünf Hektar große Grundstück ist eine ehemalige Fuchsfarm und gehört dem deutschen Verein Tierhilfe Hoffnung e.V. Die ersten Hilferufe aus der Gegend um Pitesti erreichten die Tierschützer vor 15 Jahren. Tierliebe Menschen berichteten von grauenvollen Zuständen und dem Plan des Bürgermeisters, tausende Straßenhunde zu vergiften oder zu erschlagen. Der Verein engagierte sich und vereinbarte mit der Stadt, sich um die herrenlosen Tiere zu kümmern. Seitdem nehmen die Tierschützer Streuner auf und versorgen sie.

Tonnenweise Futter

Eine echte Herausforderung stellt die Fütterung der über 5.400 Hunde dar. Täglich werden mehr als zweieinhalb Tonnen Futter benötigt. Dreimal täglich verteilen mehr als 20 Mitarbeiter das Futter. Die erste Fütterung startet morgens um halb acht. Jeder Mitarbeiter kümmert sich um eine Zwingerreihe und zwar immer um die gleiche. Das hat einen einfachen Grund: Sie kennen die Hunde in den Gehegen mit Namen und wissen mit ihnen umzugehen.

Die Tiere werden in Gruppen gehalten. Deshalb ist es wichtig, dass alle Hunde gleichzeitig gefüttert werden, damit sie sich nicht aus Futterneid beißen. Die Mitarbeiter verteilen das Futter mit Hilfe von Schubkarren, die jeweils ca. 80 bis 90 Kilo wiegen. Die Hunde bekommen hauptsächlich Trockenfutter, aber auch gekochtes Fleisch sowie Zusätze. Jeder Hund hat seinen eigenen Napf, damit kein Streit entsteht. Das klappt auch in der Regel gut.

Die Mitarbeiter bleiben beim Fressen dabei, beobachten die Hunde und können sie im Fall der Fälle auch trennen. Zudem schauen sie genau nach, ob die Hunde Verletzungen haben und ob es ihnen gut geht. Sie streicheln sie und beschäftigen sich mit ihnen. Dem Verein ist es wichtig, dass die Tiere nicht abgefertigt, sondern gut und auch bei der Menge individuell versorgt werden. Deshalb kann ein Fütterungsdurchgang manchmal zwei bis zweieinhalb Stunden dauern.

Überblick über die Hundezwinger der Smeura

Mehr als zweieinhalb Tonnen Futter werden jeden Tag in der Smeura verfüttert.

Rettungsaktionen

Trotz der unglaublichen Anzahl von 5.400 Hunden bringen es die Tierschützer nicht übers Herz, auch nur ein Tier in Not abzuweisen. Ganz gleich, ob es ausgesetzt wurde, von den Besitzern abgegeben oder von der nur 200 Meter entfernten städtischen Tötungsstation übernommen wurde. Der Tierschutzverein hat einen eigenen Rettungswagen für Tiere, um in akuten Fällem schnell Hilfe leisten zu können. Bei Anrufen aus der Bevölkerung über das tierheimeigene Notfalltelefon können die Tierschützer sofort reagieren. In den meisten Fällen müssen sie ausgesetzte oder verunfallte Tiere sichern. Die ausgebildeten Tierpfleger leisten, wenn nötig, erste Hilfe vor Ort und bringen die Tiere dann zur Untersuchung in die Klinik des Tierheims. Dort kümmern sich festangestellte Tierärzte und Assistenten um die Notfälle.

Alle zwei Wochen übernimmt der Verein Hunde aus dem städtischen Tierheim. Diese Tiere werden von Hundefängern der Stadt mit Drahtschlingen eingefangen und 14 Tage verwahrt, bevor sie dort getötet werden. Laut rumänischem Gesetz ist das erlaubt. Zwar hat ein großer Tierschutzverein mittlerweile Einspruch gegen das 2013 erlassene Gesetz und dessen Anwendungsnormen eingelegt und aktuell läuft eine Prüfung durch die rumänischen Behörden, aber trotzdem werden in der Praxis weiterhin streunende Hunde eingefangen und nach Ablauf der Frist getötet. Denn es ist ein schwebendes Verfahren mit ungewissem Ausgang. Es ist derzeit noch strittig, ob das Gesetz ausgesetzt werden muss, solange das Verfahren läuft. Und solange die Regierung keine konkreten Aussagen macht, wenden die städtischen Tierheime das Tötungsgesetz weiterhin an.

Um die Tötung der Tiere zumindest in Pitesti zu verhindern, übernehmen die Tierschützer der Smeura regelmäßig die Hunde aus der Tötung, wenn deren Frist von 14 Tagen abläuft. Viele der Tiere sind bei ihrer Rettung körperlich und seelisch in einem sehr schlechten Zustand. Oft sind sie völlig abgemagert, voller Parasiten, haben Wunden und reagieren panisch auf jede Berührung. Deshalb gehen die Tierpfleger so behutsam wie möglich vor. Sie versuchen die Hunde mit Futter abzulenken und mit sanften Berührungen zu beruhigen. Das klappt nicht immer, denn viele der traumatisierten Hunde verstehen nicht, dass die Tierschützer ihnen helfen wollen. Sie sind durch die Fangschlingen, die oftmals brutale Behandlung durch die Mitarbeiter des städtischen Tierheims oder Beißereien untereinander häufig so traumatisiert, dass sie panisch schreien, vor Angst urinieren oder koten und sogar um sich beißen. Im schlimmsten Fall müssen die Tierschützer die Tiere mit einem Betäubungspfeil sedieren, um sie in die Smeura zu bringen. Zum Glück ist das nur sehr selten der Fall.

Die geretteten Hunde werden danach sofort von den Tierärzten untersucht und, wenn es der Zustand erlaubt, gechipt, geimpft und entwurmt. So soll eine Ansteckung von anderen Hunden verhindert werden. Hunde, die sehr abgemagert oder krank sind, werden zuerst mit Infusionen sowie den nötigen Medikamenten behandelt und aufgepäppelt. In jedem Fall kommen die Tiere für 10 bis 14 Tage in Quarantäne, um zu beobachten, ob sie ansteckende Krankheiten haben.

Organisation ist alles

Um bei über 5.400 Hunden den Überblick zu behalten, sind die Abläufe optimal organisiert. Damit kein Tier untergeht und jederzeit identifizierbar ist, bekommt jeder Neuankömmling einen weißen Laufzettel in zweifacher Ausführung. Hier wird handschriftlich der Name, die Chipnummer, der Impfstatus, der Ankunftstag und -grund notiert. Ein Laufzettel wird an der Box oder dem Zwinger des jeweiligen Tieres befestigt, der andere wird in das Büro des Tierheims gebracht. Dort werden die Daten im Computersystem erfasst und die Hunde bekommen jeweils einen eigenen EU-Ausweis, auf dem wiederrum alle Impfungen und alle wichtigen Informationen über das Tier vermerkt sind. Über die Chipnummer ist die Identität des Tieres immer abrufbar. Denn die ist einzigartig auf der Welt und schließt eine Verwechslung praktisch aus. So stellen die Tierschützer sicher, dass die Geschichte jedes einzelnen Tieres jederzeit abrufbar ist und keiner der 5.400 Hunde in der Masse untergeht.

Zwei Hunde in einem Zwinger der Smeura

Es ist ein großer Verwaltungsakt, das Tierheim mit über 5400 Hunden zu führen.

Das rumänische Hundegesetz und seine Folgen

Die große Anzahl der Hunde sprengt schon jetzt fast alle Kapazitäten der Smeura. Doch aufgrund des rumänischen Tötungsgesetzes und des Einfangens durch die städtischen Hundefänger ist es nicht möglich, die Hunde nach der Kastration in ihrer gewohnten Umgebung wieder auszusetzen, was für einige Hunde sicherlich auch eine bessere Alternative wäre als ein Leben im Tierheim.

In Rumänien finden nur sehr wenige Menschen den Weg ins Tierheim, um sich einen Hund anzuschaffen. Sie holen sich lieber direkt einen Hund von der Straße. Das geht schneller und einfacher. Zudem werden die Hunde in den meisten Fällen als Wachhunde gehalten – oftmals im Zwinger, an der Kette oder in den besten Fällen auf einem eingezäunten Grundstück. Diese Haltung ist in Rumänien legal. Deshalb bleibt den Tierschützern oft nur die Vermittlung der Hunde ins tierfreundliche Ausland, um den Tierbestand zu verringern.

Die Tierhilfe Hoffnung e.V. arbeitet mit Partnertierheimen in ganz Deutschland zusammen, die regelmäßig Hunde zur Vermittlung übernehmen. Die Tierschützer vermitteln niemals direkt in private Hände, sondern zuerst in ein Tierheim, wo die Hunde erst einmal charakterlich eingeschätzt werden können. So soll verhindert werden, dass ein Hund vermittelt wird, der gar nicht zu den Besitzern passt.

Transporte

Jede Woche starten von der Smeura aus Hundetransporte ins Ausland. Dafür werden die ausgewählten Hunde anhand ihrer Chipnummer identifiziert und mit der Nummer auf der Transportliste verglichen. Erst wenn alles übereinstimmt, bekommt jeder Hund ein Halsband mit der jeweiligen Transportnummer darauf. Jeder Hund hat eine bestimmte Nummer, die jeweils wiederrum einem bestimmten Tierheim im Ausland zugeordnet ist. Wenn mehrere Tierheime auf einem Transport angefahren werden, verhindert das, dass einer der Hunde im falschen Tierheim landet. Eine zweistellige Nummer am Halsband ist schneller zu überprüfen als eine mehrstellige Chipnummer mit Lesegerät.

Alle Hunde, die mitkommen, haben einen gültigen EU-Ausweis, den gesetzlich vorgeschriebenen Impfstatus, sind seelisch und körperlich stabil genug, um die lange Reise zu überstehen und werden von dem zuständigen Amtsveterinär begutachtet. Er überprüft alle Unterlagen und gibt die zu transportierenden Hunde in das elektronische TRACES-System ein. Das ist eine Kontrollplattform, die es Behörden wie dem Zoll oder dem Veterinäramt in allen Ländern der EU ermöglicht, alle notwendigen Informationen über das jeweilige Tier einzusehen, sobald es eine Ländergrenze übertritt. TRACES ist gesetzlich vorgeschrieben und soll insbesondere verhindern, dass Tiere, die innerhalb der EU transportiert werden, ansteckende Krankheiten oder Seuchen über die Grenzen bringen.

Erst wenn alle Unterlagen geprüft und beisammen sind, kann der Transport starten. Nach Deutschland dauert die Reise ungefähr zwei Tage. Auf dem Transport sind eine ausreichende Belüftung, sowie eine Versorgung der Hunde mit Futter und Wasser sichergestellt. Zudem wird den Hunden kontrolliert Bewegung an einem mehrfach gesicherten Geschirr gewährt und der Fahrer kontrolliert regelmäßig den körperlichen und seelischen Zustand der Tiere. Schließlich sollen die Hunde gut und sicher in den Tierheimen ankommen und auf ihr neues Zuhause vorbereitet werden.

Autorin: Kati Kolbe

Stand: 14.01.2016, 09:00