Wie die Hunde den Winter überstehen

Rumänien: Tierschutz bei Eiseskälte

Wie die Hunde den Winter überstehen

Das Leben der Straßenhunde in Rumänien ist schon schwer genug: immer auf Futtersuche, sie müssen sich vor Gefahren wie dem Verkehr schützen und täglich ums Überleben kämpfen. Noch schwerer wird es im Winter, denn die sind in Rumänien lang und hart. Tierschützer haben es sich zur Aufgabe gemacht, Straßenhunde in ihren Tierheimen unterzubringen, damit sie über den harten rumänischen Winter kommen und nicht von Tierfängern eingefangen und getötet werden. Eine schwierige Aufgabe, denn oftmals wird es bis zu minus 40 Grad kalt und der Schnee liegt meterhoch.

Das Tierheim von BrunoPet

Vor allem im Norden des Landes sind ab Oktober die ersten frostigen Nächte im zweistelligen Minusbereich zu erwarten. Es ist der kälteste Teil Rumäniens. Hier gibt es ein Tierheim, das das ganze Jahr hindurch zwischen 300 und 350 Hunde – darunter bis zu 110 Welpen – beherbergt. Es wird von dem deutschen Verein BrunoPet e. V. und dem rumänischen Verein Fundatia Pro Animalia geleitet. Noch vor 13 Jahren gehörte das Tierheim der Stadt und die Hunde wurden regelmäßig getötet. Erst 2003 entdeckten zwei deutsche Tierschützer das Tierheim und sorgten für ein Ende der Tötungen. Seitdem unterstützt der Verein das Tierheim. Hier werden keine Hunde mehr getötet, sondern untergebracht und in Rumänien oder im Ausland vermittelt. Auch die städtischen Hundefänger bringen eingefangene Streuner in das Tierheim. Nach zwei Wochen in der Quarantäne gehen die Hunde in den Besitz des Tierschutzvereines über.

Ein Tierheim im Aufbau

Doch obwohl die Stadt mit den zwei Tierschutzvereinen gut zusammenarbeitet, ist die Leitung des Tierheims keine leichte Aufgabe. Es arbeiten fast nur bezahlte Hilfsarbeiter dort, die keine Ahnung von der richtigen Versorgung und Pflege der Hunde haben. Tierpfleger gibt es keine. Vor drei Jahren kam Sabine Hammans in das Tierheim, um die Einrichtung aufzubauen und die Mitarbeiter zur Selbstorganisation anzuleiten. Aber bis heute fehlt es immer noch an Eigenständigkeit und das Tierheim würde ohne ihre Unterstützung nicht gut laufen.

Wintervorbereitungen

Besonders in der kalten Jahreszeit ist vieles zu organisieren. Das Tierheim muss winterfest gemacht werden, damit die Hunde über den Winter kommen. Die Hunde benötigen im Winter mehr Futter. Deshalb fahren die Mitarbeiter jeden Tag in das städtische Gefängnis. Dort bekommen sie Essensreste, um sie an die Hunde zu verfüttern. Zudem werden die Zwinger jedes Jahr mit Kies aufgeschüttet. Ohne den Kies kann das Wasser nicht abfließen, wenn der Schnee taut. So standen die Hunde in der Vergangenheit oft kniehoch im Eiswasser. Unterkühlungen waren die Folge. Der Kies ist aber auch ein großer Kostenpunkt, denn es werden über 100 Tonnen davon benötigt, um alle Zwinger neu aufzuschütten. Und dann sind da noch die Hundehütten, die zwar vor Regen und Wind schützen, aber bei eisigen Temperaturen kaum ausreichen, um die Hunde warmzuhalten. Decken sind aber auch keine Lösung, denn die werden schnell nass und trocknen bei den Temperaturen nicht, die Hunde würden auf einer Eisschicht liegen. Deshalb werden die Hundehütten mit Stroh ausgelegt, das regelmäßig ausgetauscht werden muss. Eine kostspielige und zeitintensive Arbeit. Doch die Mühe lohnt sich. In den letzten Jahren hat es BrunoPet geschafft, die Abläufe so zu optimieren, dass das Tierheim immer rechtzeitig winterfest ist.

Drei Hunde in einem mit Kies belegten Auslaufbereich eines rumänischen Tierheims

Im Tierheim verhindert der Kies Unterkühlungen im Winter

Organisation ist alles

Auch wenn das Tierheim ohne die Hilfe des deutschen Vereins noch nicht laufen würde, können die Tierschützer viele Erfolge verbuchen. Die Abläufe sind inzwischen gut organisiert und es gibt einen Bereich für die ausgewachsenen Hunde und einen für die Welpen und Junghunde. Die Hilfsarbeiter füttern die Tiere, säubern die Zwinger und helfen dabei, die Hunde umzusetzen. Zusätzlich versuchen die Tierschützer mit den Hunden spazieren zu gehen, damit sie in ihren Zwingern nicht vereinsamen, und sie spielen regelmäßig mit den Welpen. So sollen sie an Menschen gewöhnt werden, damit sie eine gute Chance auf eine Vermittlung haben. Um Neuankömmlinge, verletzte oder kranke Hunde kümmert sich täglich ein freiberuflicher Tierarzt. Er impft die Tiere und führt Kastrationen oder anstehende OPs durch. Zudem hat das Tierheim eine festangestellte Tierärztin, die kleinere Behandlungen und Impfungen durchführt.

Die Öffentlichkeitsarbeit, Vermittlungen im In- und Ausland und die Planung, welcher Hund mit welchem Artgenossen in einem Zwinger lebt, teilen sich vier Mitarbeiter. Das alles braucht viel Know-how und eine gute Zusammenarbeit. Nicht immer läuft alles reibungslos, aber die deutschen Tierschützer arbeiten daran, dass das rumänische Team eines Tages das Tierheim eigenständig leiten kann.

Rettungsaktionen

Im Süden Rumäniens kämpfen die Tierschützer mit ganz anderen Problemen. Mitten in der rumänischen Walachei ist jeden Tag ein Team aus deutschen und rumänischen Tierschützern unterwegs, die bei Notrufen aus der Bevölkerung sofort einschreiten. Manchmal sind es täglich bis zu sieben Einsätze. Sie werden gerufen, wenn Hunde ausgesetzt wurden, sich in misslichen oder lebensgefährlichen Situationen befinden. Oftmals sind die Tiere verletzt, krank oder schon tot. Die Tierschützer versuchen vor Ort erste Hilfe zu leisten und bringen die Hunde zur weiteren Versorgung in die tierheimeigene Klinik. Dort werden sie behandelt und kommen auf die Krankenstation oder in Quarantäne. Oftmals haben die Tiere hochansteckende Infektionskrankheiten, die sie sich auf der Straße geholt haben. Eine Behandlung über Wochen oder Monate ist dann keine Seltenheit.

Luckys Rettung

So auch im Fall der Hündin Lucky. Eine besorgte Frau rief die Tierschützer an, weil Nachbarn ihr einen kranken Hund über den Zaun geworfen hatten. Bei Ankunft der Retter war die Hündin ansprechbar, aber in einem lebensbedrohlichen Zustand. In der Klinik baute sie dann rasant ab, hatte Fieber, blutigen Durchfall und wurde apathisch. Die Tierärzte stellten Parvovirose fest – eine hochansteckende und oftmals tödlich verlaufende Viruserkrankung, insbesondere für Welpen, die noch kaum eine eigene Immunabwehr besitzen. Luckys Überlebenschancen standen bei nur 50 Prozent. Sie bekam Infusionen und wurde für die nächsten Wochen auf die Quarantänestation verlegt. Mittlerweile hat sie die Erkrankung fast vollständig besiegt und die Anruferin hat sogar angeboten, Lucky zu adoptieren. Sobald sie vollständig genesen ist, kann die Hündin in ihr neues Zuhause in Rumänien einziehen.

Autorin: Kati Kolbe

Stand: 08.01.2016, 09:00