Welpenflut in Rumänien: Kein Ende ist in Sicht

Tierschutz in Rumänien Smeura

Welpenflut in Rumänien: Kein Ende ist in Sicht

Jeden Tag kämpfen Tierschützer in Rumänien für die Hunde. Doch es gibt ein großes Problem: Die Schwemme an ungewollten Hundewelpen ist kaum einzudämmen.

Jeden Tag kämpfen Tierschützer in Rumänien dafür, dass die Situation für Hunde besser wird. Doch ein Problem scheint kaum lösbar zu sein: Die Schwemme an ungewollten Welpen einzudämmen. Dabei sind herrenlose Streuner inzwischen weniger die Ursache als freilaufende Besitzerhunde. 

Hundehaltung in Rumänien

In Rumänien gibt es immer noch viele herrenlose Straßenhunde. Und wenn sie nicht von Tierschützern kastriert werden, vermehren sich diese weiterhin unkontrolliert.

Doch zu der Überpopulation an Hunden tragen mittlerweile weniger die Streuner und vielmehr die Privathunde bei. Denn in Rumänien gibt es den klassischen „Familienhund“, der im Haus gehalten wird, kaum. In der Regel leben sie draußen. Entweder werden sie im Zwinger oder an der Kette als Wachhunde oder als freilaufende Besitzerhunde gehalten. Kastriert sind die Hunde fast nie. Werden die Hündinnen läufig, finden sie so gut wie immer einen Rüden, der sie deckt. Ganz gleich ob Streuner oder freilaufender Besitzerhund, eine Hündin kann bis zu zwei Mal im Jahr werfen und im Durchschnitt bekommt sie pro Wurf drei bis vier Welpen.

Der Kampf der Tierschützer

Tierschützer versuchen schon seit Jahren, durch flächendeckende Kastrationen die Hundepopulation einzudämmen. Und Erfolge sind sichtbar: Der Verein Tierhilfe Hoffnung e. V. konnte mit Hilfe von Kastrationsaktionen innerhalb von ein paar Jahren die Anzahl der Straßenhunde von über 30.000 auf unter 5.000 verringern.

Tierhilfe Hoffnung e.V.

Allerdings betreffen die Aktionen die herrenlosen Streuner. Denn um Privathunde zu kastrieren, brauchen die Tierschützer erst einmal die Genehmigung der Halter. Und das ist eine sehr schwierige Aufgabe. Viele Hundehalter, insbesondere in den ländlichen Gegenden, lehnen die Kastration völlig ab. Sie haben Angst, die Tierschützer würden ihre Hunde mitnehmen und nicht mehr wiederbringen oder sie könnten bei der OP sterben. Oftmals ist es auch so, dass sie den Sinn von Kastrationen nicht verstehen. Sie sind überzeugt, dass ihre Hunde kaum Kontakt zu anderen haben und sich deshalb auch nicht vermehren.

Unterwegs in Rumänien: Eine emotionale Reise in Bildern

Hier können Sie einen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten für unsere Reportage-Reihe über den rumänischen Tierschutz werfen.

Das Bild zeigt Susi, einen braun schwarzen Hund, dessen Kopf auf dem Bild zu sehen ist.

Einer von vielen Straßenhunden in Rumänien, die uns auf unserer elftägigen Reise begegnet sind. Sissi ist mittlerweile vermittelt.

Einer von vielen Straßenhunden in Rumänien, die uns auf unserer elftägigen Reise begegnet sind. Sissi ist mittlerweile vermittelt.

Ein dankbares Lächeln!

Rüde Micha konnten Tierschützer aus der Tötung in Bukarest rausholen. An diesem Tag wäre seine Frist von 14 Tagen abgelaufen. In der rumänischen Hauptstadt startete unsere Reise.

Nur zwei Tage später ging es in den kalten Norden.

Gruppenkuscheln im Tierheim von Brunopet. Einige Hunde dürfen den ganzen Tag im Hof frei herumlaufen.

Unsere ersten Aufnahmen von oben.

Mit einer fern gesteuerten Drohne konnten wir die Tierheime…

…und die Hunde mal aus einem ganz anderen Blickwinkel filmen.

Auch für die Tiere ein Erlebnis!

Kurze Drehpause.

TSEZ Autorin Kati Kolbe nutzt die Zeit und geht mit den Hunden im Tierheim von Starromania auf Tuchfühlung.

Eine Welpengruppe in der Smeura – dem größten Tierheim der Welt.

Es sind zwei zusammengesetzte Würfe, damit sie nicht alleine sind. Denn sie alle haben ihre Mutter verloren.

In ganz Rumänien herrscht eine regelrechte Welpenflut.

Die Tierheime sind deshalb alle völlig überfüllt. Der kleine Janosch wurde mit seinen Geschwistern auf einer Müllkippe gefunden. Nur er überlebte.

Das städtische Tierheim in Pitesti – ganz im Süden des Landes.

Einer der schwierigsten Drehs auf unserer Reise. Viele der Hunde mussten die Tierschützer an diesem Tag zurücklassen, weil die Leitung des Tierheims die Tiere nicht frei gab.

Auch dieser verängstigte Rüde musste dableiben.

Aber ein paar Tage später konnte er befreit werden. Mittlerweile ist er in dem Tierheim der Tierhilfe Hoffnung. Er ist noch verängstigt, aber es geht im gut.

Die Rettung dieser drei Hunde aus der Tötung konnten wir mit der Kamera begleiten.

Schnell fassten die Hunde zu unser Autorin Vertrauen. Mittlerweile sind sie in einem Tierheim in Deutschland.

Immer wieder Notfälle auf unserer Reise.

Rüde Osho verunfallte schwer und ihm musste der Vorderlauf amputiert werden.

Diese Welpen wurden vor dem Tierheim ausgesetzt.

Sie haben Räude – eine hochansteckende Milbenerkrankung. Deshalb werden sie behandelt und leben isoliert auf der Krankenstation.

Die freundliche Huskymix-Hündin Aisha wurde wie viele Hunde in Rumänien von klein auf an der Kette gehalten.

Die ist mit der Zeit in ihren Hals eingewachsen. In einer schwierigen OP wurde ihr die Kette entfernt und die Wunde ist seitdem sehr gut verheilt.

Marie ist eine ehemalige Straßenhündin.

Sie wurde von Tierschützern aufgenommen und hat mittlerweile in Deutschland ein neues Zuhause gefunden.

Den Tierschützern bleibt deshalb nur eins: Sie versuchen den Menschen zu erklären, warum Kastrationen so wichtig sind. Viele Vereine sind täglich unterwegs und bieten Haltern an, ihre Hunde kostenlos kastrieren zu lassen. Sie erklären ihnen, wie der Eingriff abläuft und welche Risiken bestehen. Die Tierschützer machen es den Haltern so einfach wie möglich, nehmen die Hunde mit, kastrieren sie und bringen sie erst dann wieder, wenn sie aus der Narkose erwacht sind. Das hat vor allem den Grund, dass sich viele Hundehalter nicht an Absprachen halten und ihre Hunde trotz Narkose auf die Straße setzen. Oftmals versterben die Tiere dadurch und die Besitzer geben den Tierschützern und der Kastration die Schuld daran. Solche Beschuldigungen verbreiten sich dann wie ein Lauffeuer in der Gegend und kein Halter möchte mehr seinen Hund zur Kastration mitgeben.

Manchmal braucht es auch mehrere Besuche, bis ein Halter seinen Hund zur Kastration frei gibt. Stundenlange Diskussionen und immer gleiche Argumentationen sind an der Tagesordnung. Viele Besitzer geben den Tierschützern auch nur einen Teil ihrer Hunde mit und möchten nicht, dass z.B. die Rüden kastriert werden. Die Tierschützer sind dann besonders gefordert. Denn hier reicht ein Einverständnis oft nicht aus, sondern es ist wichtig, dass die Menschen verstehen, warum alle Hunde kastriert werden sollen. Ein schwieriges Unterfangen, denn Hunde frei laufen zu lassen, ist in Rumänien immer schon Gang und Gäbe gewesen. Und was sich in den Köpfen der Menschen so fest verankert hat, ist nur sehr schwer zu ändern.

Das rumänische Straßenhundegesetz und seine Folgen

Aber das Mentalitätsproblem ist nicht das Einzige, das den Tierschützern das Leben schwer macht. Vor allem das neue Straßenhundegesetz von 2013 schränkt den Wirkungskreis der Tierschützer immer mehr ein. Während sie vor dem Tötungsgesetz die Hunde kastrieren und wieder an ihrem Fundort aussetzen konnten, geht das mittlerweile nicht mehr. Denn so würden am Ende kastrierte Streuner von Hundefängern eingefangen und nach 14 Tagen getötet werden.

Deshalb bleibt den Tierheimen nichts Anderes übrig, als jeden Straßenhund aufzunehmen, zu kastrieren und solange zu behalten bis er ein neues zu Hause gefunden hat. Diese Strategie verhindert zwar, dass die Hunde getötet werden, es führt aber auch dazu, dass die Tierheime immer voller werden.

Schwarzer Welpe im Tierheim

Fast täglich kommen neue Welpen in rumänische Tierheime – eine Schwemme, der die Tierschützer kaum Herr werden.

Hinzu kommen schließlich auch noch die fast täglich ausgesetzten Welpen. Ein kaum lösbares Problem.

Welpen im Tierschutz

Immer wieder werden Welpen nämlich mit oder ohne Muttertier ausgesetzt oder in den Tierheimen abgegeben. Viele der Tiere sind krank, weil sie nie geimpft wurden und müssen liebevoll wieder aufgepäppelt werden. Oftmals leiden sie an hoch ansteckenden Virus- oder Hauterkrankungen wie Parvovirose oder Räude. Dann müssen sie auf Kranken- oder Isolierstationen untergebracht werden. Der Platz reicht für die vielen Welpen aber kaum aus. Und die Kosten für Medikamente, Schutzkleidung und Tierpfleger sind immens.

Eine Vermittlung der Welpen ist erst ab dem dritten Lebensmonat möglich, weil erst dann alle notwendigen Impfungen abgeschlossen sind und nur so sichergestellt ist, dass die Hunde auch gesund sind. Solange müssen die Welpen in den Tierheimen bleiben und versorgt werden.

Hinzu kommt, dass viele Welpen mutterlos in den Tierheimen landen. Ihnen fehlt die Prägung durch die Mutter und sie bleiben deshalb oft sehr scheu oder schreckhaft. Tierpfleger müssen dann noch zusätzlich Zeit aufbringen, um das Muttertier zu ersetzen. Eine Aufgabe, die nicht immer gelingt und vor allem dann nicht, wenn viele Welpen gleichzeitig versorgt werden müssen.

Doch auch daran wird sich so schnell nichts ändern, wenn in Rumänien nicht bald ein Mentalitätswechsel stattfindet und die Menschen verstehen, dass das Aussetzen ungewollter Welpen und die Tötung der Straßenhunde keine Lösungen sind. Denn jeder Hund, der aus seiner Umgebung herausgenommen wird, wird bei genügend vorhandenen Ressourcen auch bald wieder durch einen neuen Hund ersetzt – oder gleich durch mehrere.

Autorin: Kati Kolbe