Rätselhafte Einzelgänger: Was Katzen fühlen und denken

Rätselhafte Einzelgänger: Was Katzen fühlen und denken

Sind Katzen rätselhafte Einzelgänger, für die der Mensch nur der Versorger ist? Zu welchen Gefühlen sind Katzen fähig? Wie und was Katzen fühlen und denken wird zunehmend erforscht und getestet.

Unabhängige Individualisten

Katzen gelten als unabhängige Individualisten in der Tierwelt – Einzelgänger, die sich nicht binden wollen. Dass sie Gefühle wie Angst oder Aggressivität zeigen, gilt inzwischen als selbstverständlich und wird ihrem Instinktrepertoire zugeordnet – die Katze ist ein Jagdtier. Doch was ist mit Gefühlen wie Freude, Trauer, Anhänglichkeit? Hat das lange Zusammenleben mit den Menschen die Katze nicht auch ein Stück weit verändert, ist sie vielleicht auch in der Lage, vom Menschen etwas zu lernen? Wie Katzen fühlen und denken wird zunehmend erforscht. Die meisten Forscher kommen zu dem Schluss, dass Katzen durchaus Freude, Trauer, Verlust und Angst empfinden und äußern können. Inwieweit das die Bindung zu ihrem Menschen beeinflusst, darüber gehen die Meinungen jedoch auseinander.

Katze an einem roten Napf

Katzen nehmen ihre Besitzer nicht nur als Versorger wahr

Studie: Katzen reagieren sensibel auf Trauer und Depression

Die aktuellste Studie kommt aus den USA: Dort untersuchen die beiden Wissenschaftlerinnen Kristyn Shreve und Monique Udell die Reaktionen von Katzen auf „ihren“ Menschen anhand von Versuchsreihen zu Stimmenwahrnehmung, Körpersprache und Geruch. Sie weisen nach, dass Katzenverhalten auch von menschlichen Stimmungen abhängig ist und dass Katzen besonders sensibel auf Trauer und Depression reagieren. Auch das Lernverhalten von Katzen wird in einer Reihe von Tests untersucht. Die Studie heißt „What’s inside your cat’s head”. Dass Katzen auf die Stimmung ihres Menschen reagieren und selbst Freude und Trauer dem Menschen gegenüber ausdrücken können, beschreibt der bekannte Katzen-Verhaltensforscher Dennis Turner vom Institut für angewandte Ethologie und Tierpsychologie an der Universität Zürich in seinem Buch.

Buchtipp:

Dennis C. Turner
Turners Katzenbuch
Wie Katzen sind, was Katzen wollen
Kosmos, 2010
ISBN 9783440121368

Das Buch ist vergriffen, gebraucht aber bei verschiedenen Internethändlern erhältlich.

Testergebnis: Der Mensch ist der Katze ziemlich egal

Zwei britische Forscher, Alice Potter und Daniel Simon Mills, haben sich mit der Frage nach tierischer Bindungsfähigkeit befasst. Sie behaupten, dass Katzen keine klaren Zeichen einer sogenannten sicheren Bindung an ihre Halter zeigen. Sie unterzogen 20 Katzen dem sogenannten „Ainsworth-Test“, mit dem ursprünglich die Mutter-Kind-Bindung untersucht wird. Dabei reagierten die Katzen, wenn sie von ihren Besitzern getrennt wurden, nicht wesentlich emotionaler als wenn sie von fremden Menschen getrennt wurden. Ihr Fazit: Der Mensch sei der Katze ziemlich egal.

Kommunikation und Lernverhalten von Katzen

Zur Katzensprache und dem richtigen Deuten von Katzenverhalten sowie der Beziehung zwischen Mensch und Katze hat die Diplom-Biologin und Katzenexpertin Birgit Rödder zusammen mit Mircea Pfleiderer ein Buch geschrieben.

Buchtipp:

Mircea Pfleiderer und Birgit Rödder
Was Katzen wirklich wollen
GU-Tier Spezial
Gräfe und Unzer, 2014
ISBN 9783833839450
Preis: 12,99 Euro

Zum Lernverhalten von Katzen hat der Freiburger Verhaltensbiologe Immanual Birmelin eine interessante Studie erstellt. Er weist zum Beispiel nach, dass Katzen bis vier zählen können. Dazu hat er in einer Versuchsreihe mit vier verschiedenen Fressnäpfen und vier Tonschlägen nachgewiesen, dass die Katzen anhand der unterschiedlichen Anzahl der Tonschläge herausfanden, in welchem Napf das Futter war.

Buchtipp:

Immanuel Birmelin
Tierisch intelligent
Von zählenden Katzen und sprechenden Affen
Kosmos, 2011
ISBN 9783440138601
Preis: 9,99 Euro

Katze wird spielerisch getestet

Katzen lernen schnell, wie sie ihr Futter erreichen

Autorin: Iris Toussaint

Stand: 05.08.2016, 09:00

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

Neuester Kommentar von "Rosa und Joe", 05.08.2016, 19:00 Uhr:

Katzen sind keine Rudeltiere. Sie sind Einzeljäger aber nicht unbedingt Einzelgänger. Katzen können durchaus locker mit mehreren Artgenossen leben. So leben ja auch in südlichen Ländern Katzen in Verbänden. Auch bei uns leben freilebende Katzen und ihre Nachkommen in Gruppen zusammen. Wegen diesem Vorurteil müssen wohl viele Katzen ohne Artgenossen in Einzelhaft in Wohnungen leben.