Die Hellhound Foundation – eine Chance für bissige Hunde

Die Hellhound Foundation – eine Chance für bissige Hunde

Es gibt viele Hunde, die einmal oder sogar mehrmals zugebissen haben. Oft haben sie Schlimmes hinter sich und ihre „Aggressionen" sind ein Zeichen von Angst oder Unsicherheit. Und dennoch droht ihnen häufig die Einschläferung, weil sie als „zu gefährlich“ eingestuft werden und niemand mit ihnen zurechtkommt. Doch Hundetrainerin Vanessa Bokr gibt solchen Hunden eine Chance.

Der Maulkorb als Hilfsmittel

2015 hat Hundetrainerin Vanessa die Hellhound Foundation gegründet, auf einem Hof in der Lüneburger Heide. Hier leben zwischen 30 und 40 Hunde, die fast alle als gefährlich gelten. Die meisten haben andere Hunde oder sogar Menschen gebissen. Oft Reaktionen auf falsche Erziehung, Gewalt oder Isolation. Vanessa und ihre Mitarbeiterin Eileen trainieren regelmäßig mit den Hunden, bieten ihnen einen routinierten Alltag und das Leben in einer Gruppe mit anderen Hunden. Das hilft bei der Resozialisierung.

Genauso wichtig aber ist der Maulkorb im täglichen Umgang. Er soll nicht nur die Hundetrainerinnen schützen, sondern auch die Hunde. So werden sie davor bewahrt, weitere Beißattacken zu starten und lernen, dass es auch andere Strategien gibt, wenn sie verängstigt sind.

Resozialisierung ist aufwendig und zeitintensiv

Die Hunde tragen so lange einen Maulkorb, bis sich Vanessa sicher sein kann, dass sie nicht mehr zubeißen. Oft dauert das Monate oder Jahre. Denn das Vertrauen der Hunde in den Menschen ist oft so zerstört, dass eine Resozialisierung eine sehr aufwendige und zeitintensive Arbeit ist. Viele der Hunde tragen den Maulkorb auch rund um die Uhr. Deshalb benutzt Vanessa ausschließlich Maulkörbe mit hohem Tragekomfort, die nicht in die Haut einschneiden. Zur Not werden sie an empfindlichen Stellen wie der Nase mit Klebeband gepuffert. Außerdem haben die Hunde in den Körben genug Freiraum, um fressen und trinken zu können.

Auslöser für Aggressionen finden

Der Begriff Resozialisierung beschreibt die Wiedereingliederung in ein soziales Gefüge. Im Falle von Hunden meint es die Arbeit mit Hunden, die nicht mehr mit anderen Hunden oder Menschen zusammenleben können, weil sie zu aggressiv auf bestimmte Auslöser reagieren. Diese Arbeit dauert so lange, bis sie wieder mit Menschen oder anderen Hunden zusammenleben können. Dafür müssen Hundetrainer erst einmal die Auslöser für die Aggressionen der Hunde herausfiltern. Dann werden sie Schritt für Schritt an diese Auslöser herangeführt und lernen, andere Strategien zu entwickeln, um damit umzugehen. In der Regel ist das die Suche nach Schutz beim Menschen. Dafür ist es enorm wichtig, dass der Hundetrainer eine gute und enge Bindung zu dem Hund aufbaut, bevor er mit ihm arbeitet. Denn nur so lernt der Hund ihm zu vertrauen und sich in brenzligen Situationen an seine Vertrauensperson zu wenden.

Diese Arbeit ist auch das tägliche Brot von Hundetrainerin Vanessa Bokr. Ihr Ziel ist es, die Hunde so zu resozialisieren, dass sie wieder vermittelt werden können. Nicht jeder resozialisierte Hund kann wieder ein richtiger Familienhund werden, denn manche brauchen ihr Leben lang einen Menschen an ihrer Seite, der mit solchen Hunde umzugehen weiß. Aber jeder von ihnen hat zumindest eine Chance verdient.

Autorin: Kati Kolbe

Stand: 19.08.2016, 18:02

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

Neuester Kommentar von "Angelika", 22.08.2016, 09:32 Uhr:

jeder Hund ist zu resozialisieren. Sicher wird nicht jeder ein absoluter Kuschelwuschelhund werden .Aber ein Hund der gelernt hat das er wieder vertrauen kann und ihm niemand etwas tut und der Besitzer ihn beschützt und ihm keine Gefahr mehr droht. Er wird lernen Ängste abzubauen und damit gleichzeitig Aggressionen. Hunde sind keine Soziopaten. Es ist absolut bewundernswert wie engagiert und souverän diese junge Frau mit den Tieren arbeitet und sie auch versteht und sich auf ihre Intuition verlässt. Ganz tolle Arbeit die Frau Bokr leistet . Hier können die s.g. Hundegurus mal zur Nachhilfe gehen,weil sie es verdammt nötig haben und nicht nur die. @Susi -wer quält Hunde- meinen Sie etwa Frau Bokr?

Kommentar von "Heike Dietzinger-Seifert", 21.08.2016, 19:19 Uhr:

Die Frage, ob j e d e r Hund sozialisierungsfähig ist, ist wohl genau dieselbe, wie man sie sich bei Menschen stellen könnte. Alle und jeder gibt es nicht! Es stellt sich eher die Frage mit wieviel Kompetenz und Geduld jemand in der Lage ist, in die Resozialisierung investieren zu können und zu wollen, damit die Anzahl der Erfolge wachsen kann. Leider fehlen diese Eigenschaften bereits sehr oft bei Hundebesitzern, die keine "Problemhunde" haben. Dies ist meine Erfahrung als ehemaliger Hundebesitzer.

Kommentar von "Nat", 21.08.2016, 19:11 Uhr:

Das Projekt finde ich sehr gut. !!!Es sollte mehrere solcher Projekte geben!!!

Kommentar von "Susi", 21.08.2016, 19:07 Uhr:

Ich glaube, dass einige Hunde sich nicht Resozialisierung fähig sind. Ich finde solche Menschen scheußlich die Tierquälerei veranstalten.